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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 118

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers 12. ) Nauensche Stiftung, Spandauerstr. 48, Familieninstitut, existiert seit ca. 20 Jahren, Fonds von ca. 20 000 Rtl., Disponenten: Nauen und S. Friedländer, Lehrer Auerbach; 6 Knaben, die Erziehung, Kleidung, Speisung und Unterricht erhalten. 13. ) Ephraimsches Stift, Spandauerstr. 76, Lehrer: Horwitz, Assessor des jüdischen Gerichts, für Talmud, Benda für Deutsch, Geographie und Französisch, Speier für Rechnen und Buchhaltung, Warschauer für Kalligraphie, 8 Jünglinge im Alter von 12—16 Jahren (davon sind nur 6 Zöglinge). 14. ) Stiftung Liebmann Meier Wulf, "Neue Friedrichstr. 21, Lehrer Joseph Elias [aus Posen] wohnt im Hause, 6 junge Talmudstudenten, die gespeist und durch Geld unterstützt werden. 15. ) Talmud Toraschule, Bischofstr. 19, Lehrer Moses Philipsthal [aus Chodziesen im Herzogtum Warschau], 42 Jahre alt, seit 4 Jahren an der Schule, ein Hilfslehrer, ein Schreiblehrer, 16 Schüler im Alter von 6—16 Jahren lernen Hebräisch und Talmud, Abends 5—7 Uhr Schreiben und Rechnen, Kinder armer Eltern. 16. ) Simon Joachim [aus Berlin], Assessor des jüdischen Gerichts, im Hof des Tempels [Heidereutergasse 4] wohnhaft, lehrt Schülern im Alter von 16—18 Jahren Talmud. 17. ) Vice-Oberlandrabbiner Weyl [aus Lissa, gleichfalls Heidereutergasse 4] unterrichtet 7 Studenten im Talmud. Sein und Joachims Institut sind gleichsam eine höhere Klasse des Talmudstudiums. Nach der Ministerialverfügung sollten „die Bessern unter den Schriftgelehrten der Juden" gehört werden. Ohne zu diesen Schriftgelehrten zu gehören, hatte Friedländer ungefragt sein Gutachten abgegeben. Nolte wandte sich nunmehr, um dem Befehl des Ministeriums nachzukommen, an Lazarus Bendavid, den Direktor der jüdischen Freischule, und an Meyer Simon Weyl, den Vize-Oberlandrabbiner. Beide antworteten am 14. September bzw. 21. Oktober. Es ist hier nicht der Ort, diese ausführlichen Gutachten mitzuteilen. Eine kurze Inhaltsangabe genügt, und zwar mit den Worten, die von der Kurmärikischen Regierung in ihrem Bericht vom 28. November gebraucht wurden. Wird doch hierdurch das Wesentliche der gegenteiligen Ansichten Friedländers mit seiner Zurückweisung besonderer jüdischer Schulen und seiner völligen Beseitigung des hebräischen Unterrichts in rechte Beleuchtung gerückt: „Der Weyl stimmt für die Unterhaltung besonderer Judenschulen und für die Beybehaltung des Unterrichts in der hebräischen Sprache und der Lektüre des Talmuds. Dann will er auch einen besonderen Unterricht in der Religion und Moral nach einem Lehrbuch, welches er selbst mit Zuziehung anderer zu bearbeiten nicht abgeneigt ist, ertheilt wissen. Der p. Bendavid stimmt gleichfalls für die Unterhaltung besonderer Judenschulen, aber nur für die einstweilige Beybehaltung des Unterrichts in der hebräischen Sprache und zwar blos für die Knaben. Dann will er ein in deutscher Sprache verfaßtes und mit hebräischen Lettern gedrucktes Lehrbuch der Religion, in welchem die angeführten biblischen Sprüche unten in den Noten auch hebräisch abgedruckt stehen sollen, eingeführt wissen. Dieses Lehrbuch solle nicht von mehrern, sondern nur von Einem ausgearbeitet werden. Auch wünscht er die Errichtung eines Seminars für jüdische Schullehrer." Es war übrigens nicht das erste Gutachten, das Friedländer über jüdisches Schulwesen an eine Behörde abgegeben hat. Jacob Guttmann hat im Nachlaß Bendavids einen undatierten anonymen Bericht „über die zweckmäßigste Einrichtung der jüdischen Schulen in Südpreußen" aufgefunden und abgedruckt11). ") MGWJ 1897, S. 197—204, dazu S. 47 Anm. 1. 118

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