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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 114

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers gehend, stellte er das verlangte Verzeichnis der schulfähigen jüdischen Kinder in Aussicht. Überflüssig scheine es ihm, Details über die von Juden geleiteten Privatschulen mitzuteilen, dfe kenne Nolte besser als jeder andere. Dennoch war Friedländers Antwort, die vom Magistrat (18. August) an Nolte, von diesem (20. Oktober) an die Regierung in Potsdam und von dort (28. November) ans Ministerium weitergegeben wurde, für die Behörden von besonderem Wert. Äußerte er sich doch gerade eingehend über das, was die Ministerialverfügung vom 9. Mai in ihrem zweiten Teil über Änderungen im jüdischen Schulunterricht wissen wollte. Die Juden brauchten, führte Friedländer aus, keine besonderen Schulen, die könnten mit den Christen gemeinsam sein. Nur der Religionsunterricht sollte getrennt sein, diesen könnten die jüdischen Schüler in demselben Schulhause am Sonntag erhalten. Für diesen Unterricht empfahl er ein Religionsbuch, das äut Grund der heiligen Schrift (des Alten Testamentes) auszuarbeiten und von der Regierung zu genehmigen wäre: „Nach dem hohen Decret eines hochedlen Magistrats vom 17. July soll ich die von dem Herrn Ober-Consistorial-Rath Nolte unterm 14. deßelben Monats verlangten Nachrichten, den Zustand des jüdischen Schulwesens betreffend, sammeln, mit demselben über diesen Gegenstand Rücksprache nehmen und die Resultate demnächst einreichen. Ich erfülle den mir gewordenen ehrenvollen Auftrag nach meinen geringen Kräften mit Zurückgabe der Schrift des Herrn etc. Nolte und füge diesem mein unmasgebliches Gutachten über die Organisation beregter Schulen bey. Was ad 1 das Verzeichniß der schulfähigen Kinder der hiesigen Gemeinde betrift, so werd' ich es, sobald es angefertigt seyn wird3), einzureichen die Ehre haben. Es wird sich in der Folge dieses Aufsatzes zeigen, daß dieses vor der Hand noch entbehrlich ist. Ad 2 giebt es bey der Gemeinde keinen Schul-Fond, woraus der Unterricht ganz * oder zum Theil bestritten werden könnte. Mehrere Stiftungen haben zwar den Unterricht von Knaben zum Gegenstand, allein diese stehen nicht unter Aufsicht der Gemeinde und sind für besondere Familien bestimmt. So ist auch die jüdische Freischule, im Jahr 1778 gestiftet, eine Privat-Anstalt, und es wird darin Unterricht theils gegen ein geringes Schulgeld, theils frey ertheilt. Auch diese hat meines Wissens keinen Fond, erhält sich von milden Beiträgen, hat größtentheils fremde Kinder (Nicht Berliner), Ein- und Ausländer, zum Theil auch fremde Religions-Verwandte, in ihrer Anstalt und steht unter einem Director (Herrn Bendavid). Noch eine dritte4) Anstalt unter dem Nahmen Talmud Tora ist eine besondere Stiftung. Sie hat einige Fonds, welche aber gegenwärtig, da sie in öffentlichen und Staats-Papieren bestehen, keine sonderliche Einkünfte gewähren dürften. Diese wird deswegen angeführt, weil sie bis zum ersten July d.J. einen Zuschuß von 500 Rtl. aus der Casse der Gemeinde erhalten hat. Die Vorsteher waren verpflichtet, dafür jährlich die Kinder der Armen (männlichen Geschlechts) in zerstreuten Privat-Schulen Unterricht ertheilen zu laßen. Die Aufnahme der jüdischen Glaubensgenoßen zu. Staatsbürgern, welche besonders für Armen-Kinder eine andere Bestimmung anweiset, hat die Aeltesten der Judenschaft bewogen, diesen Zuschuß aufzukündigen, um denselben in Zukunft zum Besten dieser Subjecte zweckmäßiger zu verwenden. 3) Die Liste der schulfähigen Kinder (6—12 Jahre) mix Angabe der von ihnen besuchten Schulen nach dem Stande vom Juli 1812 wurde erst am 27.9. von dem „Beglaubten" Jaffe an Friedländer gegeben und dann von diesem eingereicht. Es handelte sich bei 130 Hausvätern um 120 Knaben und 166 Mädchen. Die Kinder der naturalisierten Familien wurden nicht berücksichtigt. *) So, richtig: zweite. 114

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