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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 109

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo
Date
1936-01-01
Page
Seite 109 (sequence 17)
Language
German
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Ellen Littmann. David Fricdländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo Auch die Stellungnahme der drei Gruppen zum vorgeschlagenen A u f - geben des Zeremonialgesetzes weicht entscheidend voneinander ab. Die Rationalisten meinen, daß die Hauptsache beim Übergang der Juden zum Christentum mit der Aufgabe des Zeremonialgesetzes bereits geschehen, daß an die Stelle des Zeremonialgesetzes die reine Lehre Christi getreten sei. Die Juden tun damit nur, „was Christus von ihren Vorfahren einst vergebens gefordert habe"2*). Die Orthodoxen dagegen wollen keine zeremonienfreie Religion. „Bis jetzt hat noch bei keinem Volk eine Religion existiert, von welcher Zeremonien oder Gottesdienst nicht einen wesentlichen Teil ausgemacht hätten oder doch hätten ausmachen sollen." (de Luc, S. 116). Gott gibt nicht nur die Kraft zur Erfüllung der Gesetze, sondern er gibt die Gesetze selbst2*). Ja, es wird offen ausgesprochen, daß Glück oder Unglück der Juden immer von der Haltung abhängig gewesen sei, die sie dem von Mose gestifteten Gesetz gegenüber eingenommen25). „Daß man beim Judentum, wenn es dem Christentum gegenübergestellt wird, nur immer auf den Zeremoniendienst und auf die äußeren Gebräuche hinweist, ist offenbare Unredlichkeit. Diese Dinge waren dem Judentum Nebensache, angeordnete sinnbildliche Handleitungen auf was Weiteres, nicht die vornehmste Hauptsache. Diese war dort, eben wie im Christentum, Gott fürchten, ehren und rechttun usw. Daß es darauf hauptsächlich ankomme, ist von Moses und den Propheten oft genug und deutlich genug gesagt. . . . Ebenso unrichtig ist es also auch, wenn man, wie häufig von der deistischen Partei geschieht, die Abschaffung jenes Zeremoniendienstes als den ersten, ja als den einzigen Vorzug des Christentums angibt. Ein Vorzug ist es allerdings, nur nicht der vornehmste, nicht das Wesentliche, wodurch das Christentum Christentum wird" (Koppen A. 314, vgl. ebda., S. 26). Die Offenbarungsgläubigen haben mehr Sinn und Verständnis für die religiöse Bedeutung des Zeremonialgesetzes, während die Rationalisten nur allzu sehr dazu neigen, das Zeremonialgesetz als eine „nationale Verfassung" anzusehen, die der bürgerlichen Eingliederung der Juden im Wege stehe. Auch hier wieder ist die Stellung Schlei ermachers grundsätzlich von der der beiden andern Gruppen unterschieden. Wenn er auch nicht die Göttlichkeit der Gesetze im starren Sinn der Offeribarungsgläubigen annimmt, so sind sie ihm doch wiederum Ausdruck jener besonderen Eigenart der jüdischen Religion, die er .auf Seiten der Juden gewahrt wissen will. Er sieht in Friedländers Ablehnung des Zeremonialgesetzes keine christlich-paulinische Gesinnung und tritt grundsätzlich für Beibehaltung des Zeremonialgesetzes aus religiösen Gründen ein, nur bei Kollision mit dem Staatsgesetz müsse es diesem untergeordnet werden. „Kurz, ich verlange, daß die Juden, denen es ernst ist, Bürger zu werden, das Zeremonialgesetz — nicht durchaus ablegen, sondern nur den Gesetzen des Staates unterordnen. . . " (46). Wie stehen die Vertreter der drei genannten Gruppen zur Frage der Gleichberechtigung? Ein Teil der Rationalisten erklärt mit Teller, daß es Sache des Staates sei, auf diese Frage eine definitive Antwort zu geben, doch merkt man indirekt, daß sie für Emanzipation der Juden eintreten. Ein großer Teil der Dogmatiker geht vom Begriff des christlichen Staates aus und erklärt sich für die volle Gleichberechtigung nur, wenn die Juden im vollen Sinne des Wortes Protestanten würden. Daneben wird zunächst die Vorfrage aufgeworfen, „ob der Staat bei der Aufnahme von Bürgern auf Glaubenssachen zu sehen habe?" (Kosegarten, S. 7). Während der Verfasser von „Moses und Christus" unter Hinweis auf die französische Republik dem Staat keinerlei Einmischung in Religionssachen zugesteht, gibt Kosegarten mit geschickter Dia- 23) Vgl. Paalzow, S. 56: Moses und Christus, S. 28 f. 24) Ober das Sendschreiben, S. 30 u. 33; Sollen sich die Christen beschneiden... lassen? S. 3 f. 25) Masch, S. 23. 109 i

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