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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo
Date
1936-01-01
Page
Seite 108 (sequence 16)
Language
German
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Ellen Littmann. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo unzufrieden mit Tellers Antwort. „Die Juden wollen von Teller wissen, was jeder denkend« Protestant gern einsehen will: ob Vernunft und Christus stimmt" „Gemeinschaftlich zum großen Ziele der Menschheit hinzuwandern, hin durch die Pforten des Christentums zur Religion der Vernunft" (69). Und der Rezensent im „Genius der Zeit" ist, wenn es keine Möglichkeit der Eingliederung in die Kirche gibt, dafür, den aufgeklärten Juden von Staats wegen die Bildung einer eigenen Sekte zu gewähren22). Den Rationalisten steht nun ein streng orthodox-offenbarungsgläubiger Kreis gegenüber. „Wie können sie, da es den Tatsachen zuwider ist, welche den gemeinen Verstand richten sollen, behaupten, daß Gott sich den Menschen des ersten Zeitalters: weder offenbaren konnte noch sollte. . . . Wie wollen sie die Unmöglichkeit der Wunderwerke oder der unmittelbaren Wirkungen Gottes auf die von ihm erschaffene Welt behaupten, da sie sich in den Mittelursachen, die auf die Erde gewirkt haben und noch wirken, so unwissend zeigen", schreibt de Luc. Sie wehren sich gegen die rationalistische Behandlung der biblischen Bücher und werfen den Sendschreibern in vorwurfsvollem Tone vor, daß sie die Propheten „wie Troubadoure und Bänkelsänger" betrachten. Sie sehen das Wesentliche des Christentums darin, daß es „aus lauter positiven Anordnungen Gottes, aus lauter übernatürlich geoffenbarten Lehren" besteht (Koppen, S. 309). So beantwortet Koppen die Frage, wer ist ein Christ, völlig eindeutig: „Welcher in dem Namen Jesu, d. i. kraft seiner Autorität und Anordnung getauft ist, und welcher zu Christo als dem Sohn Gottes und dem für die Sünden gestorbenen und auferstandenen Herrn der Herrlichkeit sich bekennt, sich ferner zu dem christlichen Gottesdienst wie auch zum heiligen Abendmahl hält, und nächst dem grobe Laster meidet" (214). Wir sehen hier also etwas völlig dem Rationalismus Entgegengesetztes. Ist ethisches Verhalten bei den Rationalisten das Erste und Wesentlichste aller Religion, so kommt es den Orthodoxen vor allem auf den rechten Glauben an. Wer Christ werden will, der muß es „redlich" tun, „der schicke sich auch in die gehörige Ordnung und verspreche als Christ auch christlich zu glauben und zu leben." Nicht selten wird in den Schriften der Offenbarungsgläubigen eine Art Missionston in dem Sinne angeschlagen, daß es nun endlich Zeit für die Juden sei, den Schritt, den sie vor zweitausend Jahren verabscheut hätten, nachzuholen. Eine völlig andere Stellung nimmt Schleiermacher zu diesen Fragen ein. Er verneint die Möglichkeit des Religionswechsels ganz allgemein. „Es ist unmöglich, daß jemand, der eine Religion wirklich gehabt hat, eine andere annehmen sollte." (S. 36). Schleiermacher als Romantiker geht viel stärker von dem Begriff der Eigengesetzlichkeit und der geistig-kulturellen Eigenart eines jeden Volkes aus. Er spricht von einer „Anlage" zum Judentum oder zum Christentum. Die Juden brächten keine „Anlage zum Christentum" mit; ihre neugegründete Sekte würde allerhöchstens ein „judaisiertes Christentum" darstellen. Das Sendschreiben selbst findet er „voll vom Geist des Judentums und von der Liebe zu demselben, worin der Übergang zum Christentum eine falsche garnicht hineingehörige Zutat ist" (51). „Ja, ein judaisiertes Christentum — das wäre die rechte Krankheit, die wir uns noch inokulieren sollten." (36 f.) Schleiermacher macht sich besonders über den bedingten Übergang der Juden zum Christentum lustig; ja er wirft ihnen vor, sie verlangten „ein Christentum ohne Christus". Sind die Rationalisten trotz Vernunftherrschaft und historischer Betrachtungsweise der Bibel dennoch der Anschauung, daß das Christentum die reinere Ethik verkünde, wollen die Offenbarungsgläubigen die Juden unter der Bedingung des dogmatischen Glaubens ins Christentum aufnehmen und verlangen sie die Bibel als Offenbarungsurkunde anerkannt, so lehnt Schleiermacher, ohne auf seine Stellung zur Bibel näher einzugehen, den Übertritt ab, weil ihm die Anlage zum Christentum bei den Juden fehlt. 22) Genius der Zeit, Bd. 20, S. 62 ff. 108

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