Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 12)
- Language
- German
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Ellen Littmann. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo aber erhebt er den Einwand, warum es die jüdischen Hausväter nicht dabei bewenden ließen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und damit doch wenigstens den Einfluß auf ihre Glaubensgenossen behielten; er selbst sehe in der Aufgabe des Zeremonialgesetzes bereits christlichen Sinn, mit dem er seinerseits sich begnügen würde. Auf die politische Nebenabsicht läßt Teller sich nur insoweit ein, als er die Offenherzigkeit rühmt, mit der die Sendschreiber die „Absicht gestehen, bei ihrem Beitritt zur Gemeinde der Christen zugleich die Rechte eines Staatsbürgers zu erlangen"; in der Aufgabe des Zeremonialgesetzes sei bereits das größte Hindernis aus dem Wege geräumt. Wenn er schon seine theologische Antwort als „das Privaturteil eines einzelnen protestantischen Lehrers" verstanden wissen möchte, so lehnt er es um so entschiedener ab, in bezug auf die Frage der bürgerlichen Eingliederung der Juden dem Staate vorzugreifen. Er macht seine Antwort völlig unabhängig davon, „was und wieviel von bürgerlichen Rechten und Freiheiten ein christlicher Staat ... auf ein solches Bekenntnis einzuräumen" gewillt sei. Auf das Verlangen der Hausväter, „Christen, nur aber kein Mittelding zwischen Juden und Christen sein zu wollen", antwortet Teller, daß sie „schon etwas Positives in und mit der christlichen Religion annehmen müssen" (32). Er will weder die Taufe noch auch den Glauben an Christus erlassen, beides gehöre wesensnotwendig zum positiven Christentum, dagegen ist er bereit, auf den Glauben an die übrigen Dogmen und Lehrmeinungen zu verzichten. „Wenn Sie also, lieben Freunde, Christen werden wollen, so wird doch ... das erste sein müssen: daß Sie Christum für den Stifter der bessern moralischen Religion annehmen." Wenn Teller auch hier ebensowenig wie in den obengenannten Schriften den Glauben an Christus als an den Sohn Gottes fordert, so weist er dennoch darauf hin, daß die Grundlehre des Christentums in der Wahrheit bestehe, „daß Christus der von Gott erkorene und gesandte Stifter einer bessern Religion sei". Die Taufformeln, die er vorschlägt, sind von der Voraussetzung formuliert, daß das Christentum die „ewige Wahrheit" in reinerer Gestalt als das Judentum enthalte. Bei Vermeidung jeder Schärfe im Ton ist seine Antwort in der Sache ablehnend. Ob Teller die Antwort mit dem Konsistorium besprochen hat, läßt sich aktenmäßig nicht feststellen. Ein Brand der Petrikirche in Berlin, in der Teller gewirkt hat, hat die Bestände des dort befindlichen Archivs vernichtet. Unter den vom Oberkonsistorium ins Preußische Geheime Staatsarchiv überführten Akten historischen Inhalts befinden sich laut Auskunft des Archivs keine, die über eine diesbezügliche Sitzung des Konsistoriums Auskunft geben könnten. Fest steht nur, daß es als zuständiger Zensor die Druckerlaubnis für das Sendschreiben an Friedländer erteilt hat"). Eine Reihe von Flugschriften, Aufsätzen und Besprechungen ist im Anschluß an das Sendschreiben erschienen; meist anonym, ihre Verfasser sind aber in vielen Fällen früher oder später bekannt geworden. Eine genaue Aufzählung und kurze Charakteristik der meisten erschienenen Schriften findet sich in einer Besprechung im 57. Band der „Neuen Allgemeinen Deutschen Bibliothek". Dort werden, 1C) „Zu ernsthaften Verhandlungen über die Aufnahme kam es nicht und Juden sind auch nicht in größerer Zahl übergetreten." Vgl. Wendland, Die praktische Wirksamkeit ..., S. 165. 104