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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 98

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo
Date
1936-01-01
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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Dien Littmann. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo diesen Täuflingen als Menschen nichts gewinnt. In der „Auflösung" werden diese Täuflinge warm mit dem Hinweis darauf verteidigt, daß Oberzeugung und Pflichtgefühl sie zu einem solchen Obertritt nötigen könnten. Das Sendschreiben lehnt zwar die Einzeltaufe ab, hat aber Verständnis für die Situation, aus der heraus einzelne Juden sich zu diesem Schritt entschließen. Das Sendschreiben bringt also Gedankengänge, die in den beiden Aufsätzen als These und Antithese gegeben werden, nebeneinander. Die „Politisch-Theologische Aufgabe" sieht in der Schärfe, mit der der Staat gegen die Einzeltaufe vorgehen soll, das einzige Mittel, dem Vorwurf der Inkonsequenz zu begegnen. Das Sendschreiben weist ebenfalls auf die Gefahr hin, die darin liege, daß der Jude „ohne jede Bedenklichkeit" zum Christentum übergehe nur um des äußeren Vorteils willen: „Er kann auf diese Weise durch ein paar ausgesprochene Worte alle die Vorteile des Lebens, alle die bürgerlichen Freiheiten sich verschaffen, die der redlichste Jude durch einen langen tadelfreien Lebenswandel sich nicht erwerben kann." Wie Friedländer so behauptet auch der Verfasser der „Politisch-theologischen Aufgabe", daß der Messiasgedanke unter den Juden nicht mehr lebendig sei. Die Übereinstimmung zwischen der „Politisch-Theologischen Aufgabe" und dem Sendschreiben liegt also vor allem darin, daß die Einzeltaufe abgelehnt und auf die in ihr liegende Gefahr für den Staat aufmerksam gemacht wird. Die Übereinstimmung zwischen der „Auflösung" und dem Sendschreiben besteht darin, daß im beiden Schriften von der Aufklärung und der Vernunftreligicm ausgegangen wird. Auf dieser Grundlage wird die Möglichkeit der Vereinigung gesehen. Auch das Zugeständnis, daß ein vernünftig ausgelegter Kirchenglaube den Juden nicht an der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Pflichten hindere, stimmt fast wörtlich mit dem Sendschreiben überein. Die dritte Schrift geht der Frage nach einer Reform innerhalb des Judentums nach und verneint diese Möglichkeit. Sie will den im Sendschreiben vorgeschlagenen Schritt der Juden gleichsam noch, bevor er öffentlich zur Diskussion gestellt ist, verteidigen oder doch ins rechte Licht setzen. So enthalten denn diese drei Schriften drei wesentliche Punkte des Sendschreibens in der Form der Polemik gegeneinander. Zeigt die „Politisch-theologische Aufgabe" die gedrückte Lage der Juden als Juden und polemisiert sie in äußerst ironischem Tone gegen die Inkonsequenz des Staates, den getauften Juden von heute auf morgen alle Rechte zuzugestehen, so gehen die „Auflösung" und die Schrift „Einige Ideen" von der Situation der aufgeklärten Juden aus, die wegen der Unmöglichkeit einer Reform im eigenen Lager keinen andern Ausweg als den der Taufe sehen. Beide aber meinen den Übergang zum aufgeklärten Christentum, das sich in seinen wesentlichen Lehren mit einem vernünftigen und aufgeklärten Judentum decke. Es erscheint durchaus möglich, daß Friedländer hier drei Aufsätze, wenn nicht selbst geschrieben, so doch geschickt in die Öffentlichkeit lanciert hat, um auf das Sendschreiben vorzubereiten. Daß Friedländer die Aufsätze selbst geschrieben hat, scheint, abgesehen davon, daß sich eine stilistische Übereinstimmung nicht nachweisen läßt, deshalb nicht sehr wahrscheinlich, weil er sich dann doch wohl später zu ihnen ebenso offen wie zu seinem Sendschreiben bekannt hätte. Im Sendschreiben scheinen drei Punkte besonders wichtig: 1. Friedländers Religionsbegriff, 2. seine Stellung zum Zeremonialgesetz, 3. seine Stellung zur Frage des Messias. Friedländers Religionsbegriff deckt sich im wesentlichen mit dem der deutschen Aufklärung, für die die Offenbarung innerhalb der menschlichen Erkenntnis das entscheidende Problem ist. Die Religion der Aufklärung hat es mit 98

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