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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 97

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo
Date
1936-01-01
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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Ellen Littmann. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo seits „das Verfahren des Staates gegen die jüdischen Täuflinge", anderseits „die Täuflinge selbst" rechtfertigen. Es sei Pflicht des Staates, „einem jeden unbescholtenen Menschen ... den Genuß aller gesetzmäßigen Rechte und Freiheiten zu erteilen". Der Mensch aber müsse sich in das Staatsleben voll einfügen können. Der orthodoxe Jude sei „zum Staatsbürger ganz und gar unbrauchbar". Eine Anzahl aufgeklärter Juden aber setze sich über alle Zeremonien hinweg und habe ihre väterliche Religion nach geläuterten und moralischen Grundsätzen gereinigt. Wenn sie sich und ihre Nachkommen in den Staat eingliedern wollen, darf da der Staat auch ihnen seine Rechte verweigern, während er sie einem Täufling sofort zugesteht? Obwohl dieses Verfahren des Staates hart erscheint, bejaht es der Verfasser; „der erwachsene Jude ist ... trotz seiner Bildung nicht durchgängig für den Staat brauchbar". Ohne eine Reform von Schule und Gotteshaus sei keine Gewähr für „die Nachkommenschaff gegeben". Bei einem Übertritt zur christlichen Religion aber kann der Staat wenigstens damit rechnen, daß „seine Nachkommen die bürgerlichen Pflichten erfüllen können und müssen" (6). Jeder Täufling müßte ein Attest vorzeigen, worin die Ältesten und Vorsteher seiner Gemeinde bestätigen, „daß er bisher redlich- und ohne Tadel gelebt habe" (7). Die Kirche selbst könne vollkommen zufrieden sein, wenn der Täufling nur die Überzeugung ins Christentum mitbringe, daß alle Religionen in ihren Hauptgrundsätzen übereinstimmen und gemeinschaftlich nur das einzige heilsame Ziel zum Zwecke haben, durch moralische Wahrheiten die zeitliche und ewige Glückseligkeit der Menschen zu begründen. Dem aufgeklärten Juden stehen nur zwei Wege offen: Reform des Judentums oder Taufe. Für eine Reform im Judentum sei auf die Rabbiner nicht zu rechnen, sie seien „durch andächtige Schwärmerei so in Untätigkeit versunken, daß sie das Bedürfnis eines rechtlichen Menschen, seine Kräfte zum allgemeinen Besten zu entwickeln, gar nicht fühlen". Ebensowenig auf die Aufgeklärten, die für sich selbst ein bequemes Leben geschaffen haben und allenfalls ihren notleidenden Brüdern durch Unterstützung helfen, aber einen Kampf um die Besserstellung ihrer Glaubensbrüder durchaus meiden; oder auf die Orthodoxen, die „ihre durch Zeremonien verdunkelte Religion ebenso herzlich als ihr Geld" lieben, „da sie letzteres für eine Belohnung und Folge vom ersteren halten" (12). So ist es denn dem „biedern, redlichen und gebildeten Juden" nicht zu verargen, wenn er zu einer Gesellschaft übergehen will, „worin er als Mitglied derselben einem wahren Berufe nachgehen kann, und alle die Hindernisse, welche sonst seinem Glück entgegenstanden, ganz aus dem Wege geräumt findet" (14). Ein Anonymus spricht in den „Jahrbüchern der preußischen Monarchie" (August 1799, 2, S. 362 ff.) die Vermutung aus, daß zwischen der „Politisch-Theologischen Aufgabe" und dem Sendschreiben irgendein Zusammenhang bestehe. „Es ist nicht klar, ob der Verfasser des Schreibens an Teller mit dem der »Aufgabe* einerlei Person sei, oder ob sie für einen gemeinschaftlichen Zweck gearbeitet; indes scheint es doch, daß dieser kleine Vorläufer nicht absichtslos herausgeschickt war." Ein Kritiker der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek" (Bd. 57, 2. Stück, 5. Heft) geht sogar noch weiter und nennt beide Aufsätze, auch die „Auflösung" Vorläufer des Sendschreibens, und hinter der 4. Schrift vermutet der Rezensent der „Allgemeinen Litteratur Zeitung" (August 1800, 243, 463 f.) ebenfalls einen jüdischen Verfasser. Geht man diesen Anregungen nach und vergleicht man die drei Schriften mit dem Sendschreiben, so wird sich rein stilistisch kaum beweisen lassen, daß auch sie von Friedländer verfaßt sind. Die Gedankengänge aber sind zum Teil so gleich, daß die Vermutung eines Zusammenhanges durchaus nahe liegt. Ein Vergleich zwischen dem Sendschreiben und der „Politisch-Theologischen Aufgabe" ergibt folgendes: Beide Verfasser gehen von demselben Grundsatz aus, daß der Übertritt einzelner Juden von Staats wegen nicht erwünscht sein kann; beide begründen diese Ansicht mit dem Hinweis darauf, daß der Staat an 3 97

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