Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 9)
- Language
- German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen von Juden aufrecht zu erhalten, weil diese zu derartigen Vergehen besonders neigten, antwortete Friedländer mit einem Achselzucken und einem Hinweis auf die von ihm selbst in seinen „Aktenstücken" 1793 veröffentlichte Kriminalstatistik. Noch ein zweites Mal wurde auf Befehl Hardenbergs Friedländer gutachtlich gehört21), und zwar über den im Staatskanzleramt umgearbeiteten Entwurf. Hierbei handelte es sich jedoch weniger um grundsätzliche Fragen, als um Formulierungen und juristische Details. Noch einmal wurden auch die Ältesten der Berliner Judenschaft (24. Oktober 1811)22) schriftlich bei Hardenberg vorstellig und kurz darauf in persönlicher Audienz von dem Staatskanzler empfangen. Auch diese letzte Eingabe ist nicht nur von Friedländer mitunterschrieben, sondern offenbar von ihm entworfen. „Unsere Verfassung muß so gestaltet werden, daß wir dem Staatskörper eingefügt, den anderen Untertanen gleich an Rechten und Pflichten dessen Wohl und Glückseligkeit befördern können. Alle Stände dieses weise beherrschten Reiches haben bereits die Gesetze ihrer neuen Organisation erhalten und schicken sich mit patriotischer Freude an, sie zu vollziehen. Geruhen Sie, gnädiger Herr, durch die Bekanntmachung des Reformedikts unsere Wiedergeburt baldigst bestimmen zu lassen." Unter dem 19. Dezember 181123) erwiderte Hardenberg, daß er erwarte, den Entwurf des neuen Gesetzes in etwa sechs Wochen des Königs Majestät zur höchsten Genehmigung vorlegen zu können. Am 11. März 1812 konnte er den Ältesten mitteilen24), „daß des Königs Majestät allergnädigst geruhet haben wegen der bürgerlichen Verhältnisse der Juden in den preußischen Staaten heute eine Verordnung zu erlassen, die in dem nächsten Stücke der neuen Gesetzsammlung abgedruckt erscheinen wird und worin Sie, wie ich hoffe, Ihre mir mehrmals über den Gegenstand geäußerten Wünsche erfüllt finden werden". Sofort antworteten die Ältesten in Ausdrücken „der rührendsten Freude" und des Dankes25). Auch dieses Schreiben trägt die Mitunterschrift Friedländers, wie er auch zu der Abordnung gehörte, die am 20. März 181226) von Hardenberg empfangen wurde, um mündlich den Dank der Berliner Judenschaft für das Edikt abzustatten. Der allgemeinen Bewertung der Bedeutung David Friedländers für die Emanzipation der Juden hat Ludwig Geiger27) mit folgenden Worten Ausdruck gegeben: „Wie in der literarischen Bewegung Dohm das Verdienst hat, mit mächtigem Worte die Befreiung angeregt und gefördert zu haben, so strahlt in den tatkräftigen Anstrengungen um Herbeiführung bürgerlicher Gleichstellung David Friedländers Name allen voran. Was von Seiten der Juden geschah, ist sein Werk; daß man trotz aller Mißerfolge den Mut niemals sinken ließ, ist sein Verdienst und wenn der endliche Erfolg einem Menschen allein zugeschrieben werden könnte, so müßte Friedländer genannt werden." 21) Freund, II, S. 368. 22) Freund, II, S. 445. 23) Freund, II, S. 446. 24) Freund, II, S. 451. 25) Freund, II, S. 451. 26) Freund, II, S. 452. 27) Abgedruckt bei Geiger, I, S. 132. 85