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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
Date
1936-01-01
Page
Seite 86 (sequence 10)
Language
German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen Dieses Urteil schießt sicherlich über das Ziel hinaus. Im ersten Reformversuch war David Friedländer zwar die stärkste treibende Kraft, ja sogar Träger der Bewegung. Dieser erste Versuch aber ist ergebnislos geblieben. Die zweite Epoche hat zwar zum Ziel geführt und den preußischen Juden die heißersehnte Freiheit wirklich gebracht. Die Rolle aber, die Friedländer hierbei gespielt, ist, wenn man an den Erfolg denkt, von nur sekundärer Bedeutung, wie überhaupt die Tätigkeit der Juden dabei keine entscheidende Rolle gespielt hat. Denn das Edikt von 1812 ist so aus der Zeit herausgewachsen und bildet bis zu dem Grade ein nicht wegzudenkendes Glied der Stein-Hardenbergschen Reform, daß es hätte kommen müssen, auch wenn die Juden selbst dazu nichts getan hätten. Das ändert aber nichts an der moralischen Bewertung ihrer Bemühungen. Es würde ein sittliches Versagen bedeutet haben, wenn sie um ihre Freiheit nicht gekämpft hätten. Auf der anderen Seite würden diese Kämpfe moralisch nicht geringer zu bewerten sein, wenn der Erfolg ausgeblieben wäre. Denn nur die Gesinnung und nicht das Ergebnis entscheidet in der sittlichen Welt. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Leistung Friedländers zu würdigen. Ganz unabhängig davon, wieweit sie zum schließlichen Enderfolge beigetragen hat, stellt sie politisch, moralisch und intellektuell einen Wert dar, der Friedländer nicht nur in die vorderste Reihe der jüdischen Kämpfer für die Emanzipation rückt, sondern auch der Judenheit die Verpflichtung auferlegt, um dieser Leistung willen seiner in Dankbarkeit dauernd zu gedenken. Anhang Nr. 1 Schreiben des Generaldirektoriums an Friedländer vom 28. März 1792. Gen. Depart. Nr. 13 Vol. 2 Berlin, den 28. März 1792 Rescr. für den General-Deputirten der Judenschaft David Friedländer wegen der Reform des Juden-Wesens. Se. Königl. Maj. von Preußen, unser allergnädigster Herr lassen dem General- Deputirten der Judenschaft, David Friedländer, auf dessen Bittschrift vom 16. dieses hierdurch zur Resolution ertheilen, daß seinem darin angebrachten Gesuch um Mittheilung des commissarischen, die Reforme des Juden-Wesens betreffenden Berichts, und anderer dahin gehörigen acten-Stücke, nicht deferiret werden kann. Berlin, den 28. März 1792. gez. Unterschriften. Nr. 2 Eingabe des Wulff Friedländer zu Königsberg und Genossen an den König vom 3. Oktober 1792. Gen. Depart. Nr. 13 Vol. 3 Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König! Allergnädigster König und Herr! Das drückende Joch, unter dem wir so lange seufzen, das Elend, das bis jetzt so hart, so unerbittlich uns niederbeugt, hat Euer Königliche Majestät als huld- 86

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