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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 83

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
Date
1936-01-01
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen von 1812 zum ersehnten Ziele führte, von der Bürokratie ihren Ausgang1^). Minister v. Schroetter, der Mitarbeiter Steins bei der Städteordnung, war es, der, als letzte Tat vor seinem Scheiden aus dem Amte, dem König in einem Immediatbericht die Notwendigkeit darlegte, die Lage der Juden von Grund auf zu ändern und sie mit gleichen Rechten und Pflichten in den allgemeinen Bürgerverband aufzunehmen. Eine neue Zeit war angebrochen. Die Katastrophe von 1806/7 war für den preußischen Staat zum Ausgangspunkt einer inneren Reform geworden, die sich die Befreiung aller gebundenen Kräfte zum Ziel setzte. Sie hatte mit der Befreiung des Bürgers durch die Städteordnung begonnen, den Bauern aus der Hörigkeit befreit und konnte logischerweise auch vor den Juden nicht Halt machen. Die Überzeugung von der Notwendigkeit, auch sie aus ihrer Unterdrücktheit und Isolierung zu befreien, durchdrang selbst die reaktionärsten Elemente innerhalb der Regierung, und gerade der schärfste Vertreter dieser Spielart, eben v. Schroetter, der „Hamann der Juden", war es, der den Stein ins Rollen brachte. Bei dieser Sachlage war die Mitwirkung der Juden von nur sekundärer Bedeutung. Aber sie haben die Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern für ihre Freiheit gekämpft; und wieder stand Friedländer unter den jüdischen Kämpfern in vorderster Reihe. Wiederholt trat er auf den Plan, teils aus eigener Initiative, teils als anerkannter Vertreter der Berliner Judenschaft von den Behörden gerufen. Noch bevor zum ersten Mal die Berliner Gemeinde offiziell hervortrat, setzte er sich mit dem Geheimen Staatsrat v. Klewitz in Verbindung, um Milderungen der finanziellen Forderungen zu erwirken, die bei der Aufbringung der Kriegskontributionen an die Berliner Judenschaft gestellt wurden. In einem Schreiben vom 27. Juli 1809 entrollte er ein erschütterndes Bild von der wirtschaftlichen Lage der Juden der Hauptstadt14). „Das täglich zunehmende Elend tragen wir mit allen Einwohnern Berlins, wenn es auch die Gemeine stärker drückt, da sie bloß auf den Handel eingeschränkt ist. Schwerer lastet auf uns die akkreditierte Meinung: Die Judenschaft sei im Besitze eines großen Geldvermögens und der Mehrteil habe in den Jahren des Krieges große Reichtümer erworben oder sie doch beträchtlich vermehrt." Ziffernmäßig belegte er ihren finanziellen Verfall. Seit 1806 sei die Zahl der Judenfamilien von 453 auf 405 zurückgegangen. Auch diese seien zum größten Teile verarmt. „Meine Freunde und ich", so erklärte er, „haben Veranlassung gehabt, in das Innere des Familienzustandes unserer Hausväter einzudringen, und wir können vor Gott versichern, daß vier, höchstens sechs Familien in B. ausgenommen, alle Hausväter, die noch wohlhabend sind, den dritten und vierten Teil ihres Vermögens verloren haben, wenn auch ihre Besitztümer in Hypotheken, Staatspapieren, Banko- und Seehandlungsobligationen pp. für den vollen Wert und nicht nach dem Kurse des Tages angenommen werden." Als sich am 1. Februar 181015) die Berliner Judenschaft an den König wandte, als sie nach dem Amtsantritt Hardenbergs am 25. Juni 18101G) an diesen herantrat und unter dem 23. September 181017) ihrer ersten Eingabe an den Staatskanzler eine zweite folgen ließ, trugen alle diese Schriftstücke auch die Unterschrift Friedländers. Man geht kaum in der Annahme fehl, daß er ihr Verfasser ist. i3a) Vgl. Freund, II, SS. 103 ff., 109 ff., 131 ff., 208 ff. i*) Freund, II, S. 407. ' Freund, II, S. 413. 16) Freund, II, S. 414. 17) Freund, II, S. 416. 83

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