Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen Termins. Unabhängig davon erhoben sie sachliche Bedenken. Als das Generaldirektorium auf Abhaltung der Versammlung bestand, traten die Deputierten zwar zusammen, setzten aber ihre Resistenz fort. Als die königlichen Kommissare ihnen den Plan vorlasen und von ihnen Vorschläge für die Repartition der Abgaben verlangten, weigerten sie sich einstimmig, sich auf Verhandlungen überhaupt einzulassen. Alle Bemühungen der Kommissare, sie von diesem Standpunkte abzubringen, waren vergeblich. Sie erklärten sich lediglich bereit, falls ihnen der ganze Reformplan mitgeteilt würde, sich binnen bestimmter Frist auch über die Repartition zu äußern. Das Generaldirektorium genehmigte nunmehr die Mitteilung, bestand jedoch auf dem Zusammentritt der Abgeordneten im Dezember, zwecks Fertigstellung des Steuerverteilungsplanes. Wiederum fanden sich die Deputierten vorschriftsmäßig ein. Ihre Resistenz aber gaben sie nicht auf. Den Plänen des Generaldirektoriums begegneten sie mit Gegenplänen. Das Geplänkel ging hin und her, bis endlich die Regierung kapitulierte, von ihren Plänen Abstand nahm und alles beim alten blieb. Die Sabotierung des Reformplanes ist nicht mehr auf Friedländers Konto zu setzen. Hier waren offenbar andere Einflüsse am Werke. Die Judenschaften der gesamten Monarchie waren jetzt an der Gestaltung der Dinge beteiligt, und es steht dahin, ob David Friedländer in diesem Stadium der Verhandlungen nicht mit seinem Herzen auf der Seite jener Königsberger Minorität stand, die von seinem Verwandten Wulff Friedländer geführt wurde und bereit war, sich mit dem Plan des Generaldirektoriums abzufinden12). Jedenfalls weisen die Eingaben der jüdischen Deputierten in diesem Stadium seinen Namen nicht mehr auf. Dagegen findet er sich unter einem Schreiben, das er für den abwesenden Wulff Friedländer in der Repartitionsfrage an das Generaldirektorium gerichtet hat13). Die Eingabe der Königsberger blieb jedoch ergebnislos. Das Generaldirektorium lehnte es ab, noch einmal auf seinen Plan zurückzukommen. Und so war dieser erste Reformversuch endgültig gescheitert. Auch bei den Bemühungen um eine Teilreform, die nach dem Scheitern des umfassenden ersten Reformversuches die Berliner Ältesten in der Folge anstellten, stand David Friedländer abseits. Keine der Eingaben trägt seine Unterschrift. IV. Waren in dem ersten Stadium die Juden die Anreger und treibenden Kräfte gewesen, so nahm die Bewegung, die schließlich mit dem Edikt 12) Vgl. Schreiben Königsberger Judenschaft/König vom 3. Oktober 1792 (s. Anhang Nr. 2), Wulff Friedländer/König vom 14. Dezember 1792 (s. Anhang Nr. 3), Isaac Nathan Liepmann und Gen. Berlin/König vom 14. Dezember 1792 (s. Anhang Nr. 4), Wulff Friedländer/König vom 13. Januar 1793 (s. Anhang Nr. 5), Wulff Friedländer/König vom 31. Januar 1793 (s. Anhang Nr. 6). — Vgl. auch Wulff Friedländer und die Königsberger Hausväter/König vom 17. Januar 1793, abgedruckt bei Freund, II, S. 91 ff. 13) Schreiben David Friedländer/Generaldirektorium vom 26. April 1793: wiederholt im Namen des abwesenden Wulff Friedländer die Bitte, die Verteilung vom 3. September für ungeschehen zu erklären und eine neue Zusammenkunft veranstalten zu lassen (Akten des Generaldepartements. Geheimes Staatsarchiv). 82