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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 81

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
Date
1936-01-01
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen kamen die Dinge damit nicht weiter. Denn der Entwurf des Generaldirektoriums deckte sich im wesentlichen mit dem Plan der Reformkommission, und die Deputierten hielten an der Ablehnung dieses Planes fest. Als sie persönlich nach dem Generaldirektorium beschieden wurden, wo man ihnen den neuen Plan vorlas und sie aufforderte, etwaige Erinnerungen vorzubringen, wiederholten sie im wesentlichen ihre früheren Einwendungen und Forderungen, bestanden auf der grundsätzlichen Gleichstellung mit den Christen und erklärten wiederholt, keine Vollmachten zu haben, für ihre Auftraggeber neue Pflichten, besonders die zum aktiven Heeresdienst zu übernehmen. Dieses Spiel wiederholte sich in der Folge. Wegen der drohenden Kriegsgefahr wurden die Arbeiten von dem Generaldirektorium zunächst zurückgestellt. Als dann der König auf der Durchführung der Reform bestand und in einer gemessenen Kabinettsordre die Behörde anwies, „endlich eine Sache zustande zu bringen, die zur Aufnahme des Staates diene, in anderen Ländern längst eingeführt ist und davon Se. Königliche Majestät abzugehen gar nicht willens sind", nahm das Generaldirektorium die Arbeiten zwar wieder auf, glaubte aber das eigentliche Reformwerk erst durch eine Reihe von Maßnahmen vorbereiten zu sollen. Dazu gehörte eine nach einem dauernden Schlüssel vorzunehmende Verteilung der bisher von der gesamten Judenschaft solidarisch aufzubringenden Abgaben auf die einzelnen Juden, wobei zur Deckung etwaiger Ausfälle die Gesamtsumme entsprechend erhöht werden sollte. Die Durchführung der Maßnahme war in der Weise gedacht, daß Vertreter sämtlicher jüdischen Gemeinden in Berlin unter Leitung königlicher Kommissarien zusammentreten, den Verteilungsplan aufstellen und sich zu dessen Innehaltung verpflichten sollten. Nun setzte eine regelrechte Obstruktionspolitik der Juden ein. Sie waren mißtrauisch geworden. Der Wunsch, eine Abschrift des Reformplanes, der den Deputierten mündlich mitgeteilt worden war, zu erhalten, war von dem Generaldirektorium nicht erfüllt worden. Ein erneuter in gleicher Richtung sich bewegender persönlicher Versuch Friedländers hatte denselben negativen Erfolg gehabt10). So wußten die Deputierten nicht, welchem Ziel das ganze Reformwerk zustrebte. Diese Ungewißheit ließ sie auch an die geplanten vorbereitenden Maßnahmen mit Mißtrauen und Widerstreben herangehen, zumal diese schon an sich ihnen alles andere als verlockend erschienen11). So versuchten sie die Absichten der Regierungen zu sabotieren. Verschiedentlich gab es Schwierigkeiten bei der Wahl der Deputierten. Dann verlangten sie wegen der Nähe der hohen Feiertage Vertagung des für die Versammlung in Aussicht genommenen 10) s. Anhang Nr. 1, Schreiben Generaldirektorium/Friedländer, 28. März 1792. Unterm 26. Juni 1792 wandte sich der Buchhändler Voss mit der gleichen Bitte an das Generaldirektorium: Friedländer wolle in seinem Verlage die Bitten und Vorstellungen der Judenschaft, ihre Reforme betreffend, drucken lassen. Zur Vollständigkeit fehlten noch einige Aktenstücke. Er bitte um die Genehmigung, diese für seine Kosten in der Kanzlei kopieren zu lassen. Das Generaldirektorium antwortete unter dem 5. Juli, die Genehmigung sei schon Friedländer verweigert worden. Es könne mithin auch ihm nicht gewillfahrt werden. (Geheimes Staatsarchiv; Generaldepartement a.a.O.) ") Freund, I, S. 58 ff. 81

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