Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen Begründungen, lediglich eine nüchterne Zusammenstellung der „Befreiungen, Rechte und Vergünstigungen" und der „Pflichten" enthielt, die der Reformplan für die Juden vorsah. Zugleich verlangte das Generaldirektorium von den Deputierten für die gesamte Judenschaft eine verbindliche Erklärung, ob sie zur Übernahme der ihnen zugedachten Pflichten und Obliegenheiten, zu denen auch die Verpflichtung zum Heeresdienste gehörte, gegen die in dem Plan vorgesehenen neuen Rechte bereit seien. Von diesem Augenblick an stockte das Reformwerk. Der den Deputierten mitgeteilte Plan entsprach in keiner Weise ihren Erwartungen. Von einer Gleichstellung war keine Rede. Sowohl die Aufhebung der Solidarhaft wie die Erweiterung der beruflichen Möglichkeiten war mit einer solchen Fülle von Klauseln und Beschränkungen verbrämt, daß eine genaue Durchprüfung und Abschätzung des Für und Wider es ihnen fraglich erscheinen lassen mußte, ob diese Reform überhaupt eine Verbesserung bedeutete. Wieder war es Friedländer, der sich der Aufgabe unterzog und in „Alleruntertänigsten Betrachtungen8) über die neuen Rechte und Vergünstigungen sowie über die neuen Pflichten und Obliegenheiten, welche bei der Reform des Judenwesens zum Grunde gelegt werden sollen", jeden einzelnen Vorschlag des umfänglichen Reformplanes unter die kritische Lupe nahm und auf seinen Wert oder Unwert untersuchte. Das Ergebnis war vernichtend und führte für Friedländer und seine Mitdeputierten zu der Folgerung, die Vorschläge abzulehnen. „Es ist Zeit", so formulierte Friedländer diesen Standpunkt, „daß uns die Fesseln abgenommen werden, die uns so lange beschweren ... Dies kann aber nicht anders geschehen, als wenn wir in vollkommene Gleichheit mit den anderen Untertanen gesetzt werden. Wir, die bevollmächtigten Vertreter der Kolonie, erwarten diese Entscheidung mit aller Hoffnung und Unterwerfung, die der Größe des Gegenstandes angemessen ist. Sollte aber die allgerechte Vorsehung beschlossen haben, unsere Hoffnungen zu täuschen ... so müssen wir mit tiefgekränktem Herzen einen Wunsch äußern, einen schrecklichen Wunsch, in den wohl aber doch alle Mitglieder der Kolonie einstimmen werden, nämlich den: daß Ew. Königl. Majestät geruhen möchten, uns in der alten Verfassung zu lassen, ob wir gleich voraussehen, daß die Bürde dann von Tage zu Tage unerträglicher werden wird, daß wir in das unabsehlichste Elend stürzen und dem Staate eine beschwerliche Last werden müssen." Die von ihnen verlangte Erklärung wegen der Übernahme der ihnen zugedachten neuen Pflichten, insbesondere der fieerespflicht, lehnten sie ab. Sie hätten dazu keine Vollmacht. Mit dieser Stellungnahme der Deputierten, die mit einem Begleitschreiben sowohl an das Generaldirektorium als auch an den König9) gesandt wurde, war das Schicksal des Reformplanes im Kern entschieden. Zwar zogen sich die Verhandlungen noch zwei Jahre hin. Die Behörden setzten ihre Arbeiten fort. Der König, dem die Angelegenheit am Herzen lag, drängte auf Erledigung und hielt mit seinem Tadel über den schleppenden Gang der Geschäfte dem Generaldirektorium gegenüber nicht zurück. Dieses stellte denn auch die Grundzüge eines Entwurfs fertig, die die Zustimmung des Königs fanden. Praktisch aber 8) Abgedruckt in Friedländer, Aktenstücke, S. 136. 9) Abgedruckt bei Geiger, S. 167. 80