Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259306-2262232--4471-2262304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen gelegenheit weiter zu betreiben. Zu ihnen gehörte David Friedländer, der in der Folge die treibende Kraft der Bewegung wurde. Zunächst arbeitete er namens der Generaldeputierten ein „Promemoria"4) aus, das in der Bitte ausklang, „mit Zuziehung einiger redlicher Männer aus unserer Mitte" ein neues Reglement zu entwerfen, „welches auf Grundsätze der Menschenachtung und Duldung gegründet, den Flor des Staats und den Talenten und Kräften der Kolonie angemessen ist". Diesem Promemoria fügte er einen „Abriß von dem politischen Zustande der sämtlichen jüdischen Kolonien" (in den preußischen Staaten, mit Ausschluß von Schlesien, Westpreußen und Ostfriesland) bei, der in vier Abteilungen eine eingehende Darstellung der bisherigen Verhältnisse der Juden, der auf ihnen ruhenden Lasten und ihrer beruflichen Beschränkung sowie eine Betrachtung über die verschiedenen Spielarten der solidarischen Haftung und den Handel enthielt. Diese Darstellung ist ein Meisterwerk an Beherrschung und Durchdringung des Stoffes, an Wärme, Eindringlichkeit und Überzeugungskraft der Sprache. Die Eingabe der Generaldeputierten ebenso wie ein zweites Promemoria vom 17. Mai 1787 gingen an das kombinierte Generaldepartement, welches das gesamte Material einer eingehenden Prüfung unterzog und zu einem für die Juden günstigen Ergebnis gelangte. In diesem Sinne erstattete der Minister seinen Immediatbericht an den König, in dem er zugleich empfahl, eine besondere Kommission zur Bearbeitung der Angelegenheit einzusetzen. Dem Antrage wurde stattgegeben. Die Kommission erhielt eine eingehende Instruktion, an deren Schluß es hieß: „Insofern übrigens von der Judenschaft selbst Erläuterungen und Erklärungen eingeholt werden müßten, hätten sie solche von den hiesigen Schutzjuden Liepman Meyer Wulff, Issac Daniel Itzig und David Friedländer, welche aus dem Mittel der Judenschaft nach der Anzeige der Oberlandes- und Ältesten vom 15. Mai a.c. dazu erwählet worden, zu erfordern und diese zur nötigen Rücksprache zuzuziehen"*). Dem verheißungsvollen Anfang der Reformbewegung entsprach nicht der Fortgang der Sache. Die Generaldeputierten hatten die Denkschrift eingereicht, aber nahezu drei Jahre verstrichen, ohne daß sie von der Sache etwas hörten. Sie wußten, daß eine besondere Kommission zur Bearbeitung der Angelegenheit eingesetzt worden war, sie selbst waren von ihr gehört worden. Sie wußten auch, daß von der Kommission bestimmte Vorschläge eingereicht worden waren. Welcher Art aber diese Vorschläge waren, wußten sie nicht. Daß ihnen keinerlei offizielle Mitteilung zuging, machte sie unruhig. Sie wandten sich deshalb (2. Dezember 1789)G) mit der Bitte an den König, ihnen den entworfenen Plan mitteilen zu lassen und ihnen zu erlauben, gegebenenfalls Gegenvorschläge einzureichen (vgl. Anhang). Das Generaldirektorium übersandte ihnen daraufhin (18. Dezember 1789) einen Auszug aus dem Bericht der Kommission7), der jedoch, unter Fortlassung aller Erläuterungen und 4) Abgedruckt in Friedländer, Aktenstücke, S. 53 ff. 5) Commissoriale auf die Geheimen Finanzräte Klevenow und Dietrich usw. vom 10. Dezember 1787, Akten des Generaldepartements (Geheimes Staatsarchiv). c) Akten des Generaldepartements (Geheimes Staatsarchiv). 7) Abgedruckt in Friedländer, Aktenstücke, S. 120 ff. 79