Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und seine Zeit
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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Emst Fraenkel. David Friedländer und seine Zeit besser gestellten jüdischen Familien ergaben sich allmählich mancherlei Berührungspunkte mit den christlichen7), besonders wenn in den jüdischen Kreisen der Wille bestand, sich in bezug auf Aneignung allgemeiner Bildung der Umgebung anzupassen. Innerhalb dieser kulturell und wirtschaftlich gehobenen Schicht der Königsberger jüdischen Bevölkerung ragte, auch durch das Ansehen bei seinen Mitbürgern, Joachim Moses Friedländer hervor. Seinem Vater war er aus Oberschlesien — die Familie stammt wahrscheinlich aus dem kleinen Orte Friedland in der Nähe von Zülz8) — in der Mitte der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts nach Königsberg gefolgt. Schon dieser, der Schutzjude Moses Lewin, Vorsteher der jüdischen Gemeinde und „Königl. Preußischer Schutzjuden-Ältester", muß es zu einem gewissen bürgerlichen Wohlstand gebracht haben9). Joachim Moses Friedländer hatte eine ausgezeichnete jüdische Ausbildung genossen, bevor er nach Königsberg kam. In Prag hatte er zu den besten Schülern des berühmten talmudisch-kabbalistischen Rabbi Eibeschütz gehört10). In seiner neuen Heimat „etablierte" er dann, nachdem er sich 1738 mit Hinde Fischel, derTochter des Danziger Schutzjuden Lewin Fischel, verheiratet und neben einer stattlichen Mitgift das Recht auf die „Ansetzung" auf den Schutzjudenbrief seines kurz vorher verstorbenen Schwiegervaters erhalten hatte, eine „Packkammer von Seiden und and. Schles., Holland, und Schweizer Waren"11). Das Unternehmen entwickelte sich trotz mancher wirtschaftlicher Schwierigkeiten, besonders während des Siebenjährigen Krieges, so gut, daß die Kriegs- und Domänenkammer in einem Gutachten betr. „eines Gesuchs des Joachim Moses Friedländer wegen Bewilligung eines Generalprivilegs" an das Generaldirektorium 1764 melden konnte: „Wie es denn auch der Wahrheit gemäß ist, daß dieser Jude unter allen hiesigen Schutzjuden der bemittelste ist, und niemals anderen als den Gros Handel mit Packkammerwaren getrieben hat"12). So erhielt denn Joachim Moses Friedländer wenige Wochen nachher für sich und seine Kinder das Recht, „sich in Königsberg in Preußen oder anderen Städten in unseren Landen, Schlesien und diejenigen Städte, wo nach den Statuten keine Juden domizilieren dürfen, ausgenommen, niederzulassen und nach diesem ihm allergnädigst konferierten Generalschutzprivilegio ihren Handel und Wandel im Kaufen und Verkaufen auf Öffentlichen Jahrmärkten sowohl als außer denenselben zu führen und zu treiben, ohne deshalb Chargen Jura zu bezahlen, und nur bloß die gewöhnlichen Trauscheine lösen zu dürfen"13). Dieser Wohlstand seines Hauses und die reichen Erfahrungen und Kenntnisse, besonders auf dem Gebiete der fremden Sprachen, die er auf seinen oft Monate lang dauernden Ein- und Verkaufsreisen sammelte und auch für seine eigene weitere Ausbildung verwertete, ermöglichten es Moses Friedländer, der im 7) Ritter a.a.O., S.17. 8) Für die Geschichte der Familie Friedländer bietet außerordentlich gutes Material E. Friedländer, Das Handlungshaus Joachim Moses Friedländer in Königsberg. Hamburg 1913. 9) Ein zeitgenössischer Schilderer der Geschichte der aus Salzburg vertriebenen Emigranten erzählt: „Allenthalben, wo Juden wohnten, erwiesen sie diesen Flüchtlingen alle Liebe. In Königsberg legten sie auch Proben ihres Mitleids gegen die Salzburger ab. Unter anderm schenkte ihnen der Jude Moses Lewin zwey Oxthofft Wein, damit sich die Abgematteten auf der Reyse dadurch wiederum erquicken könnten." G. G. Göcking, Hofprediger in Berlin, Die vollkommene Emigrationsgeschichte usw. 1737, zitiert bei H. Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg 1867, S. 66. 10) Neuer Nekrolog der Deutschen 1834, Bd. II, S. 1181. 11) E.Friedländer a.a.O., S. 16. 12) ebda, S.20. 13) ebda, S.21. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung des Friedländerschen Unternehmens machen, wenn man hört, daß es im Laufe von fünf Jahren, wie in dem Gesuche angegeben wird, an die „Königl. Zoll-, Accise- und Postkassen 21000 fl. beigetragen habe". i* 67