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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Die Stellungnahme der bayerischen Staatsregierung zu den Reformrabbinerversammlungen
Date
1936-01-01
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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saischen Glaubens Erschütterung droht und das Heiligste entweiht werden soll. Mit solch sträflicher Unbesonnenheit scheint eine Anzahl neologischer Rabbiner in verschiedenen deutschen Bundesstaaten umzugehen, indem sich im Juni vorigen Jahres 23 Rabbiner und Prediger bezeichneten Charakters in Braunschweig versammelten, welche, wie aus dem bereits im Drucke erschienenen Resultate hervorgeht, Anträge zur Verwerfung aller Tradition, zur gänzlichen Umänderung der Liturgie, Aufhebung der Speise- und Sabbathgesetze, Einführung gemischter Ehen etc. gestellt, und überdieß schon eine zweite Hauptversammlung auf den 15. Juli 1845 nach Frankfurt a. M. bestimmt, sowie auch Einleitungen zu inzwischen statthabenden Spezial - Versammlungen getroffen haben. Die Partei der gläubigen Israeliten war offenbar bei mehrerwähnter Versammlung als nichtvertreten zu betrachten, was sich sowohl aus den ganzen Verhandlungen, als auch namentlich aus manchen Äußerungen, womit man einen Bedenken tragenden Rabbiner beschwichtigte, deutlich herausstellt, und wovon die allerunterthänigst Unterzeichneten den Antrag jener Neologen ,eine Sabbathfeier ohne Sabbathruhe* als Beispiel anzuführen sich erlauben. Die Mitglieder jener Versammlung waren frivol genug, auch die Einführung eines Siegels mit der Unterschrift ,Die Versammlung der Rabbiner Deutschlands* zu beantragen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß jenem Unternehmen keine andere Absicht zugrunde liegt, als den Israeliten alle Arterien, durch welche ihnen die wohltätigen Säfte des Glaubens zuströmen, zu verstopfen. Wenn auch keiner der allerunterthänigst unterzeichneten Rabbiner den entferntesten Gedanken hegte, jener Versammlung beiwohnen zu wollen, dieselben vielmehr jenen Anmaßenden mit dem Propheten Jesaias zurufen ,Wer fordert dieß von euch, daß man zertrete meine Vorhöfe?', so läßt sich doch nicht bezweifeln, daß die voraussichtlich aufs Neue zu ergehenden Aufforderungen zur Theilnahme an diesen neologischen Versammlungen nicht bei allen Rabbinern spurlos vorübergehen, und daß besonders viele Laien umsomehr für eine solche Theilnahme sich aussprechen werden, als leider ohnehin die Zahl derjenigen, die sich vom Ceremonial-Gesetze lossagen, täglich mehr zunimmt. Diese Zahl erblickt nun in solchen Versammlungen einen hülfereichen Arm, durch dessen Leitung sie ungescheut zügellos leben, oder gar eine neue Sekte hervorrufen kann, die sich zu irgend einer Konfession bekennt und kein anderes Gesetz als ihren Willen verehrt. Und sollte es noch eines Nachweises bedürfen, daß solche Umwälzungen mit Verscheuchung der Ceremonial-Gesetze auch jede Bürgertugend untergraben, und somit unabsehbares Unheü stiften? Überzeugt, daß nach dem allerhöchsten Willen Eurer Majestät solcher Abfall von jeder positiven Religion ebensowenig von den israelitischen Unterthanen, als von den anderen Glaubensgenossen geduldet werden kann, wagen es die allerunterthänigst Unterzeichneten vor dem Throne Euerer Majestät folgende Bitte in tiefster Ehrfurcht niederzulegen : Euere Majestät wollen allergnädigst Befehle zu erteilen geruhen, wodurch von den Bekennern der mosaischen Religion die in Folge obenbezeichneter Versammlung drohende Gefahr für den Glauben abgewendet, und wodurch den allerunterthänigst Unterzeichneten die Ermächtigung erteilt werde, jede mit dem Dogma ihrer Religion streitende Handlung durch energisches Einschreiten nach gesetzlicher Vorschrift zu verhindern. In Hoffnung eines allergnädigsten Erhörens unserer allerunterthänigsten Bitte, zeichnen in allertiefster Ehrfurcht Euerer Majestät allerunterthänigst treugehorsamsten Aaron Gugenheimer, Rabbiner, Kriegshaber J. H. Gunzenhäuser, Rabbiner, Binswangen J. Landauer, Rabbiner, Fischach H. Schwarz, Rabbiner, Hürben J. Hochheimer, Rabbiner, Ichenhausen Seligsberg, Rabbiner, Fellheim Jon. Sänger, Rabbiner, Buttenwiesen M. Mayer, Rabbiner, Altenstadt." Unter Hinweis auf das vorstehende Gesuch forderte das Staatsministerium am 15. März 1845 von den Kreisregierungen eine gutachtliche Äußerung über die Frage, ob den Rabbinern der Besuch der diesjährigen Versammlung in Frankfurt zu untersagen sei. Die Regierung von Oberfranken sprach sich gegen ein solches Verbot aus, weil der Staat sich in das innerkirchliche Leben der jüdischen Religionsgemeinschaft nur insofern einmischen dürfe, als dies das oberste Aufsichtsrecht des Staates er- 53

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