Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Meßmakler und Kleinhändler in Leipzig
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 6)
- Language
- German
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Arno Kapp. Jüdische Meßmakler und Kleinhändler in Leipzig: Gordon wandte sich nun von Merseburg aus an die Regierung nach Dresden. Die Kreisdirektion suchte die Einwilligung des Rates zu gewinnen. Am 14. März 1837 schreibt sie an ihn, daß „Gordon dem Leipziger Platz vermöge seiner fleißigen Sprach-und Geschäftskenntnisse wahrscheinlich sehr wichtige Dienste zu leisten vermöchte." Im März 1836 hatten eine größere Anzahl persischer Kaufleute dem Rate angezeigt, daß Gordon „die Vermittlung ihrer Geschäfte betrieben habe, daß sie ihm hohe Summen in bar und Wechseln anvertraut, und ihm die alleinigen Einkäufe von größeren Warenposten während ihrer Abwesenheit überlassen hätten. Auch in Hamburg und Frankfurt an der Oder habe er im Februar, März und April 1836 eine ganze Schiffsladung Waren für die persischen Firmen Gabriel Schadinoff und Galust Wartanoff gekauft, die mit dem dänischen Schiffe Juno Capitän Iversen am 11. April von Hamburg nach Trapezunt gesandt worden seien." Gordon, den nunmehr auch die Leipziger christlichen Kaufleute für das Amt eines Meßmaklers in Vorschlag brachten, hatte der Regierung eine Reihe von Zeugnissen beigefügt, von welchen das nachfolgende das größte Interesse beanspruchen dürfte, waren seine Aussteller doch hochangesehene Adlige, die am Dresdner Hofe eine Rolle spielten. Es lautet: „Herr Noah Gordon aus Mitau gebürtig, welcher sich seit langer Zeit in Leipzig aufhält, ist uns als seinen Landsleuten schon seit seiner Kindheit genau bekannt. So geehrt die Familie seiner Eltern war, ebenso trefflich war die Erziehung, die dem Sohne zuteil ward, und das Vertrauen, was dessen Vater zuteil wurde, hat sich auch der Sohn durch den Fleiß, mit welchem er sich gute Kenntnisse erwarb, das Lob, das ihm von seinen Vorgesetzten zuteil ward, und sein stetes musterhaftes gutes Betragen, erworben. Dieses können wir, die Unterzeichneten, gewissenhaft bezeugen und nicht nur versichern, solcher Mann verdient es, überall sein Fortkommen suchen zu dürfen, sondern auch ihm hiermit das Versichern erteilen, daß wir ihn nebst seiner jetzigen Familie stets und unter jeden Verhältnissen den Aufenthalt auf unseren Gütern gewähren wollen, sobald er sich nur dahin wenden will und soll, und ihm mithin ein sicheres Unterkommen stets gedeckt ist. Dresden, den 16. März 1833. Theodor Baron von Keyserling, Elise von der Recke." Ähnliche Zeugnisse stellten ihm noch der russische Staatsrat W. von Freygang, der Fürst von Wittgenstein und der kurländische Gesandte Baron Nicolaus von Korff aus. Auf solche Empfehlungen hin erhielt Gordon endlich am 27. Juli 1837 von der sächsischen Regierung die Erlaubnis, sich auf drei Jahre in Leipzig aufzuhalten, auch wurde er zum Meßmakler in Vorschlag gebracht und als solcher am 16. September 1837 vom Rate bestätigt. Gordon aber zog es vor, seinen ständigen Aufenthalt nach Hamburg zu verlegen, von wo aus er nur noch die Messen regelmäßig besuchte, um seine persischen Handelsfreunde zu treffen. IV. Neben dem jüdischen Großhändler und Großkaufmann, dessen Dienste im 19. Jahrhundert sich Rat und Handelsdeputierte zu sichern wußten, treffen wir in der gleichen Zeitepoche auch den jüdischen Kleinhändler zur Messe in Leipzig. Während es diesem im 17. und 18. Jahrhundert fast unmöglich war, in Meßzeiten Handel treiben zu können, brachte das 19. Jahrhundert diesem Kleinhandel einen ungeheuren Aufschwung. Schon August der Starke hatte in das Verbot des jüdischen Kleinhandels eine Bresche geschlagen, indem er am 27. September 1724 verfügte7), „daß der Rat denen Juden in der ersten Meßwoche das Hausieren gestattem solle gegen Abgabe eines Acciszettels. Die Juden aber, welche hausieren woll- ') Leipziger Ratsarchiv, II. Sekt. J/136 Blatt 18. i 45 I