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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 44

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Meßmakler und Kleinhändler in Leipzig
Date
1936-01-01
Page
Seite 44 (sequence 5)
Language
German
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Arno Kapp. Jüdische Meßmakler und Kleinhändler in Leipzig III. Am 31. Mai 1832 schrieben die vom Rate der Stadt verpflichteten christlichen Meßmakler6) an den Magistrat, daß ihre diesjährigen Ostermeßgeschäfte durch einen gewissen Gordon empfindlich gestört worden seien, der für den Meßmakler und Leipziger Schutzjuden Jacob Hirsch Goldschmidt bedeutende Geschäfte abgeschlossen habe. Goldschmidt hatte vom sächsischen König bereits am 29. Dezember 1808 für sich selbst, sein Eheweib Rahel, seinen Sohn Joseph Cherson Jacob und einen jüdischen Diener einen Kammerpaß erhalten „wegen seiner Verdienste um den sächsischen Handel nach Rußlan d", in welchem ihm der ständige Aufenthalt im Königreich Sachsen erlaubt war. Der Rat tat ein übriges und ernannte ihn zum russischen Dolmetscher. Goldschmidt, der im Laufe der Jahre von der Regierung zum Kommissionsrat befördert worden war, hatte aber 1832 das siebzigste Lebensjahr überschritten. Er war der erste Leipziger Kaufmann, der die Geld- und Verladegeschäfte persischer Kaufleute mit Leipziger Handelshäusern vermittelte, auch hatte er der sächsischen Industrie bedeutende Aufträge persischer Firmen überwiesen. In ihm hatten die persischen Kaufleute einen ausgezeichneten Meß-Vertreter gefunden. Vorher vermittelten ihre Geschäfte auf der Leipziger Messe Brodyer Juden. In dem aus Mitau stammenden Simon Noah G o r d o n hatte Goldschmidt für seinen früh verstorbenen Sohn einen bedeutenden Helfer gefunden. Auch er beherrschte neben der deutschen noch einige andere Sprachen, vor allem die persische. Da sein Herr wegen hohen Alters ihm oft die Maklergeschäfte überließ, wurde er bald mit den persischen Kaufleuten vertraut. Goldschmidt wollte ihn für Leipzig gewinnen, ja er gedachte, ihn mit Zustimmung der sächsischen Regierung zu adoptieren, damit er sich dereinst in Leipzig ansässig machen könne. Bedeutende sächsische Industrielle, die zur Ostermesse in Leipzig waren, unterstützten diese berechtigte Bitte des im Dienste der Stadt und des Staates alt gewordenen Goldschmidt. Sie schrieben an die Regierung, daß „Gordon, durch seine ausgezeichnete Gewandheit und seltenen Sprachkenntnisse ihnen in ihrem Verkehr mit den seit einigen Jahren nach Leipzig gekommenen persischen Kaufleuten sehr ersprießliche Dienste erwiesen habe,___ ja er sei sogar im Jahre 1831 mit Meyer-Frege jun., dem Sohne des Handelshauses Frege & Comp., in Tiflis gewesen, wo er nicht nur durch seine daselbst mit großer Umsicht eingezogene Erkundigung über die dort nötigen Waren:- artikel und deren Qualität unseren Geschäften dorthin größeren Vorteil zugewendet, sondern auch durch seine hierbei in Persien angeknüpften Bekanntschaften mehrere, noch niemals in Leipzig gewesene persische Kaufleute hierhergezogen und dadurch unseren Warenabsatz bedeutend vergrößert habe." Die Leipziger Kramermeister und Handelsdeputierten aber, auf Gordons Handelserfolge neidisch, protestierten gegen seine Ansässigmachung und hatten auch den gewünschten Erfolg. Gordon, der sich inzwischen verheiratet hatte, erhielt von der Leipziger Sicherheitsbehörde den Befehl, die Stadt, der er gedient hatte wie kein zweiter vor ihm, innerhalb drei Tagen zu verlassen. Am 19. Oktober schreibt er deshalb an den Rat: „---- Ich nehme daher gegen die Sicherheits-Deputation Dero Schutz in Anspruch, denn mein guter Name und somit meine Wohlfahrt steht auf dem Spiele, wenn ich wie der gemeinste Mensch aus der Stadt gejagt werde. Ich habe mich in letztere nicht geschlichen, sondern bin förmlich bei meinem Schwager Goldschmidt in Dienst getreten... Wie hätte ich ahnen "können, daß man meinem Schwager, mich zu adoptieren, versagen würde, was in allen deutschen Bundesstaaten erlaubt ist!... Ich will nicht polizeilich, sondern rechtlich behandelt werden." Aber auch als Handlungsdiener schien der intelligente Kaufmann Gordon aus Mitau den christlichen Handelsdeputierten in Leipzig noch gefährlich. Der Rat untersagte ihm daher auch als Diener Goldschmidts den ständigen Aufenthalt in der Stadt. 6) Leipziger Ratsarchiv, II. Sekt. G/909. 44

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