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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 34

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Zwei Briefe des Rabbiners Pinchas Katzenellenbogen aus Öttingen 1798
Date
1936-01-01
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Jacob Mann. Zwei Briefe des Rabbiners Pinchas Katzenellenbogen aus Öttingen 1793 infolge der französischen Revolutionskriege sehr teuer war, hatte der Rabbiner große Schwierigkeiten, sich und seine Familie von seinem Einkommen zu ernähren. R. Ischmael Coen wird daher gebeten, ihm in dieser Angelegenheit dadurch zu helfen, daß er jemand in Triest brieflich bittet, die Zinsheimschen Erben zugunsten ihres gelehrten Verwandten in Öttingen zu beeinflussen. Die Antwort des Modenaer Rabbiners auf diese Bitte ist nicht erhalten. Brief II ist ungefähr zwei Monate später datiert und besteht sowohl aus einem jüdisch-deutschen Brief von Ester Lwövv, der Rabbinersfrau von Öttingen, an ihre Verwandten, die Söhne von Chajim Zinsheim, als auch aus einer hebräischen Anschrift ihres Gatten. Frau Ester erinnert die Adressaten daran, daß sie ihnen schon ungefähr zwei Jahre früher, also im Jahre 1796, geschrieben, und daß sie damals den Brief von Chajim Zinsheim im Original beigelegt hatte, in welchem er den Zuschuß zu dem Einkommen ihres Mannes versprochen hatte. Da Ester in der Zwischenzeit keine Antwort erhalten hatte, hatte sie schon zu der Annahme geneigt, daß ihre Verwandten nicht mehr in Triest wohnten. Aber ihr Mann hatte durch den Rabbiner von Mantua, Abraham Vita de Cologna, die Bestätigung erhalten, daß die Söhne von Chajim Zinsheim (alias Joachim Hirschel) immer noch in Triest wohnten. Daher wandten sie sich im Ab des Jahres 1798 wiederum an sie. Frau Ester beschreibt in Kürze, daß ihr Mann sich nach Erfüllung seiner Amtspflichten ausschließlich dem Torastudium widme und viel Geld für Bücher ausgegeben habe5). Das Leben sei teuer, und die Ortschaft habe unter dem Kriege von 1796 viel gelitten. Die Rabbinerstelle in Öttingen bringe nicht genug zur Erhaltung der Familie ein, besonders da das junge Paar Geld zur Einrichtung einer Wohnung brauche. Frau Ester fügt hinzu, daß sie beide aus guter Familie stammen und daher standesgemäß leben müssen. Ihr Gatte, der Rabbiner von Öttingen, bekräftigt in seiner Anschrift die dringende Bitte seiner Frau und erwähnt den guten Ruf des verstorbenen Chajim Zinsheim, der als Wohltäter bekannt war und seine Freigebigkeit auch Esters Vater gegenüber gezeigt hat, dem verstorbenen Rabbiner von Schwabach und Ansbach. Über die Wirkung dieses Bittschreibens ist nichts verzeichnet, aber wir dürfen annehmen, daß Joachim Hirscheis Söhne schließlich ihren Öttinger Verwandten geholfen haben. Zufolge ihrer bedeutenden Stellung im Geschäftsleben spielten sie eine wichtige Rolle in der jüdischen Gemeinde von Triest. Einer unter ihnen, Signor Philippo Hierschel, wird im Jahre 1800 neben Signor Leon Vita Vivanti als Schatzmeister der Hilfsgelder erwähnt, die in Triest wie auch in anderen Gemeinden Italiens zum Wiederaufbau des Gemeindewesens von Senigaglia gesammelt wurden, das während eines Pogroms am 18. Juni 1799 zerstört worden war6). Die obigen Briefe geben uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der deutschen Juden jener Zeit. Wir hören von den Armen, die als Emigranten niedrige Dienste in Italien verrichten mußten, von einem wohltätigen deutschen Juden, der es in Triest zu Reichtum und Ansehen brachte, und von einem Rabbiner, der — ungeachtet der schweren Kriegszeit — dem Torastudium treu blieb. Auch sein Bruder Lazarus Riesser hatte eine gute hebräische Bibliothek (vgL Zunz, Zur Gesch. u. Lit., S. 243, Note a). 6) Das betr. Dokument wird von mir an anderer Stelle veröffentlicht werden. 34

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