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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 33

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Zwei Briefe des Rabbiners Pinchas Katzenellenbogen aus Öttingen 1798
Date
1936-01-01
Page
Seite 33 (sequence 2)
Language
German
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Jacob Mann. Zwei Briefe des Rabbiners Pinchas Katzenellenbogen aus Ottingen 1798 Brief I handelt von zwei armen jüdischen Waisenmädchen, die wohl aus dem Bezirk von Öttingen stammten und nach Modena in Italien ausgewandert waren, wo sie sich als Dienstmädchen verdingt hatten. Ihr Onkel und ihre Tante aus Öttingen gedachten ihrer in ihrem Testament, und ihre Erbschaft, die 5 v. H. Zinsen brachte, wurde von (Natan) Nata b. Isak, dem Parnas von Öttingen, verwaltet Das Erbe sollte den Waisen am Tage ihrer Hochzeit ausgezahlt werden. Als sich das eine der Mädchen in Modena verlobte und die Hochzeit nahe bevorstand, war die Zeit herangekommen, da sie auf ihren Anteil an dem in Öttingen hinterlegten Erbe Anspruch erheben durfte. Sie tat das durch Vermittlung des Rabbiners von Modena, R. Ischmael Coen (Sacerdote), einer berühmten rabbinischen Autorität seiner Zeit3). R. Ischmael wandte sich an Pinchas Katzenellenbogen, den Rabbiner in Öttingen, aber sein Brief ist uns nicht erhalten, wir besitzen nur eine Kopie von Pinchas' Antwort (Brief I). Der öttinger Rabbiner berichtet, wie er sich bemüht habe, die Rechnungsführung über die Erbschaft zu prüfen und die volle Summe, die der Waise zustehe, zu berechnen. Ihr Anteil wird dem Rabbiner von öttingen ausgezahlt werden, sobald sie eine vom Bet-Din in Modena beglaubigte Quittung einschickt. Pinchas Katzenellenbogen wird dann das Geld durch einen öttinger Bankier nach Triest schicken und von dort der Modenaer Firma Bondi Sanguinetti Erben überweisen lassen. Der Anteil der anderen Waise soll weiter bis zu ihrer Heirat unter der Vollmacht des Parnas von öttingen bleiben. Pinchas Katzenellenbogen benutzte diese Gelegenheit, um sich gleichzeitig nach einem wohlhabenden und hervorragenden Triestiraer, einem Verwandten seiner Frau, zu erkundigen, namens Chajim Zinsheim, der mit seinem modernisierten Namen Joachim Hirschel hieß4). Als Pinchas im Jahre 1795 Rabbiner von Öttingen wurde, hatte Zinsheim versprochen, seinem Gehalt eine gewisse Summe pro Jahr hinzuzufügen, wofür der Rabbiner ein bestimmtes Pensum Talmud zu Ehren des Spenders „lernen" sollte. Aber der edle Wohltäter starb bald darauf, und seine Söhne und Erben ließen es an der Geldsendung fehlen. Da das Leben in öttingen 3) Bekannt durch seine Responsen nöKjni, I (Livorno 1786), II (Livorno 1796)» III (Reggio 1815), und auch durch seinen Kommentar zu der Pessach-Haggada noemc? (Livorno 1790). An anderer Stelle werde ich mehr Material über ihn und seine Zeit veröffentlichen. *) Im Text ist das 'p von bp-rn unklar, und etwas ist wahrscheinlich darüber geschrieben worden. Die Lesart bsrpn und der daraus folgende Schluß, daß Chajim Zinsheim in Triest den modernisierten Namen Joachim Hirschel angenommen hat, werden auch durch die Notiz von Azulai über seinen Besuch in Triest im Jahre 1777 bestätigt (MB *«0H3, Livorno 1879, IIa, unten): TVP 'K B3W *-n ^-w-iK D-pn-r crrrrt =) "rh np2^ nonsps 'in tpj '-d as vcbrt. Azulai, der als orientalischer Jude die Modernisierung von Chajim zu Joachim nicht erkannte, nahm an, daß der letztere Name dem hebräischen Jehojakim entspreche! (Die kritische Ausgabe von Azulais 31B bJJ?« von A. Freimann, Mekize Nirdamim, Fase. II (1934), S. 88, hat ebenfalls die Lesart Jehojakim.) — Wegen der bedeutenden Familie Hirschel in Triest s. die kurze Bemerkung von Vittore Castiglioni in Jew. Enc, XII, 259 b: „Die Familie Hirschel wurde zu einer Zeit bei Hofe empfangen, als die Juden anderer Städte verfolgt und verachtet wurden." Castiglionis „L'istituto scolastico della comunita israelitica di Trieste, 1786—1886" (Triest 1886) konnte ich hier leider nicht einsehen. 3 33

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