Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 3)
- Language
- German
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Bernhard Brilling. Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei Seit 1667 war mit dem Besitz von Dyhernfurth die Berechtigung verbunden, dort eine Buchdruckerei errichten zu dürfen7). Sabbatai Bass scheint 16878) oder 1688 die Erlaubnis zur Anlegung einer hebräischen Druckerei in Schlesien, aber außerhalb der Stadt Breslau9) erlangt zu haben. Ihm übertrug 1689 von Glaubitz, der damalige Besitzer von Dyhernfurth, die Nutznießung seines dortigen Druckereiprivilegs. Es ergibt sich aber aus dem Folgenden, daß Sabbatai Bass sein Privileg auch auf Auras ausgedehnt und zeitweilig dort gedruckt hat. Schon seine Antwort aus dem Jahre 1712 gibt es zu; wir wissen aber ferner, daß sich sein Sohn Joseph im Juli 1700 in Auras aufhielt10). Das wird wohl im Interesse des Druckereibetriebes geschehen sein, zumal gerade um diese Zeit die jüdische Buchdruckerei in Auras erwähnt wird. Aus derselben Zeit nämlich, aus dem Juli 1700, besitzen wir ein Zeugnis, das unwiderleglich beweist, daß mindestens damals sich in Auras eine hebräische Buchdruckerei des Sabbatai Bass befand. Als im Jahre 1700 die judenfeindliche Strömung in der Stadt Breslau wieder einmal die Oberhand gewann und man daran ging, die lästige Konkurrenz der Juden aus der Stadt zu schaffen, wurde neben vielen anderen Juden, auch dem Sabbatai Bass, der sich in Breslau im Pokoyhof und später in der „Fechtschule11)" aufzuhalten pflegte, die Verweisung aus der Stadt angedroht. Hierüber beschwerte sich Sabbatai Bass, dem bereits 1696/97 der weitere Aufenthalt in Breslau nur aut „Recommendation" hin, und „weil er niemanden keinen Eintrag thäte12)" gestattet worden war, am 27. Juli 1700 bei seinem Landesherren, dem Herzog Christian Ulrich zu Öls und Bernstadt, der erst kurz zuvor (1699) Stadt und Herrschaft Auras durch Kauf erworben hatte13). Er teilte ihm mit14), daß er auf Anordnung des Breslauer Rates einige Mal „bedreuet worden", daß man ihn „wie andere jüdische Einlieger und Auffkäuffer von der Stadt gäntzlich wegschaffen wolle". Weiter sagt er in diesem Schreiben, daß er sich in Breslau seit etlichen und 20 Jahren, so lange er dort „toleriret worden", nicht mit Handeln und Schachern abgebe, sondern sich nur deshalb in Breslau aufhalte, um mit gelehrten Leuten zu „conversiren", und damit er „die Nothwendigkeitenl 7) a.a.O., S.475. 8) a.a.O., S.518. 9) a.a.O., S.516 („außer der Meylen von der Stadt Breslau": 1685). lü) Seinen Aufenthalt erfahren wir aus einer von ihm gemachten Eintragung in das einzige bekannte Exemplar des 1530 in Öls gedruckten Pentateuchs. Über diese Eintragung ist folgendes bei Steinschneider C.B. 13, 63 zu lesen: dieses Werk „nomen fert tunc temporis Vratislaviae degentis Josefi, filii celebris Bibliographi S. B., dat. Auers prope Breslau, fer. IL 3. Menachem 1700". Der 3. Av 5460 fiel auf Montag, den 19. Juli 1700. 11) 1694 hielt sich S. B. im Pokoyhof auf. S. Stadtarch. Breslau Rep. Scheinig 2638 und 2637; nur die Regesten dieser Aktenstücke sind erhalten; vor 1712 hielt er sich im Fechthof auf, dort befand sich auch sein Warenlager. S. Oelsner a. a. O., S. 10 sowie S. 18 die Antwort des Sabbatai Bass auf die Frage Nr. 2: ich „wohne zu Dyh., halte mich aber auch zum öfteren in der Fechtschule auf". — Zum ganzen vgl. Brann a. a. O., S. 560/61. 12) Er wurde damals zur (1.) Klasse der Juden gerechnet, „so auf hohe Recommandationes und Vorbitten sich hier aufhalten", gehörte also zu den privilegierten Juden; s. auch Brann a.a.O., S. 560, Anm. 1, sowie B. Brilling in: Mitt. d. Ges. für jüd. Familienforschung (1933) H. 33, S. 519. 13) Vgl. Zimmermann, Beiträge zur Beschreibung von Schlesien XII (Brieg 1795), S.225. **) Stadtarchiv Rep. Scheinig 2002 Scheinig F 8d. Der Text dieses Briefes und des Empfehlungsschreibens folgt weiter unten. 26