Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 4)
- Language
- German
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Bernhard Bölling. Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei zu meiner hebräischen Buchdruckerei in Auras befördern kann'*. Er bittet zum Schluß den Fürsten, für ihn bei der Stadt Breslau zu intervenieren. Das interessante Schreiben des Sabbatai Bass, das am 27. Juli 1700 in Öls präsentiert wurde, folgt hier im Wortlaut: „Ewr. Hochfürstl. Durchl. geruhen sich in unterthänigster Submission vortragen zu lassen, daß ich aut Befehl eines Hochedl. gestr. Raths der k. und k. Stadt* Breslau etliche Mahl bedreuet worden, daß man. mich, wie andere jüdische Einlieger und Auffkäuffer von der Stadt gäntzlich wegschaffen wolle. Nun aber ist nicht nur Eur Hochfürstl. Durchl., unter dehro Obrigkeitl. Protection und Jurisdiction ich mein Domicilium habe, sondern auch wohlgedachten gestr. Rath und gantzer löbl. Bürgerschafft zu Breslau genungsam bekanndt, daß ich etl. 20 Jahr, so lange ich bey dieser löbl. Stadt toleriret worden, mich ruhig und bescheiden verhalten, daß weder Obrigkeit noch Gemeine sich über mich beschweret, oder einiges Gravamen wider mich anführen können; Dass ich dannenhero ohne Ruhm bey hohen und niedern Stands-Persohnen jederzeit wohlgelitten worden, und zwar absonderlich deswegen, weil ich mit keinen Schachereyen oder dergl. Verkehrungen zu thun habe, welche dem bürgerlichen Stande zum Präjudiz und Nachtheil gereichen können, sondern mich bloß deswegen in Breslau aufhalte, daß ich mit gelehrten Leuten, bey dennen ich absonderlich wohl gelitten werde, conversiren und die Nothwendigkeiten zu meiner hebräischen Buchdruckerei in Auras befördern kann, außer welchem ich mit keinem Handel und Wandel, wie in der gantzen Stadt Breslau notorisch ist, zu schaffen habe. Diese wahrhaffte Motiven und Umbstände habe Eur. Hochfürstl. Durchl. als meinem gnädigsten Fürsten und Herrn in unterthänigster Devotion, vorzustellen nicht unterlassen sollen mit unterthänigsten Flehen und Bitten, Eur. Hochfürstl. Durchl. geruhen auf dieselbten eine gnädigste Reflection zu machen, und mich mit gnädigsten Hochfürstl. Interventionalien an gedachten Hochedl. gestr. Rath der Stadt Breslau dermassen gnädigst zu secundiren, womit ich bey der Stadt Breslau, wie zuvorhero auch in künfftig gnädig und hochgeneigt möge toleriret werden, davor ich ersterbe Eur. Hochfürstl. Durchl. unterthänigster Sabetey Bassista, jüdischer Bücherhändler." Der Herzog ging auf dieses Schreiben ein und schrieb schon am 27. Juli folgenden Brief an den Rat der Stadt Breslau, dem er den an ihn gerichteten Brief des Sabbatai Bass beilegte14). „Von Gottes Gnaden Christian Ulrich, Hertzog zu Württenberg und Teck, auch in Schlesien zur Öls und Bernstadt, Graf zu Mompelgard, Herr zu Heydenheimb, Sternberg, Medzibohr und dem freyen kgl. Burglehn Auras. Unsere Gunst, Gnade und alles Gute zuvor. Wohledle, Gestrenge, Ehrenveste, Ehrbahre, Wohlweyse, besonders Liebe. Wir mögen den Herren und Euch [dem Ratspräses] freundnachbarlich nicht verhalten, wasmassen Uns nach mehrem Inhalt des Inschlusses [d. h. des beiliegenden Briefes des Sabbatai Bass an den Herzog], der unter Unserer Jurisdiction zu Auras sein Domicilium fo vir ende Jude nahmens Sabatey Bassista, jüdischer Buchhändler, wie dass er gleich anderen jüdischen Eintiegern und Auffkäuffern von der k. und k. Stadt Breslau gäntzlich weggeschaffet werden wolle [soll heißen: solle], wehmütigst zu vernehmen gegeben, und Uns umb Unsere an Dieselbte [d. i. den Rat] ablassende Intervention zu erhaltender seiner poch fernerer Tolerantz aus darinnen angeführten Motiven unterthänig ersuchet hat. Wann Wir dann Supplicanten, als welcher seinem Bericht nach mit keinem alldasiger Bürgerschafft nachtheiligem Handel und Wandel zu thun hat, sondern nur daselbst die Nothdurfften zu seiner zu Auras exercirenden Buchdruckerey einzukauffen pfleget, umb seines zu Unserer Intervention gesetzten unterthänigen Vertrauens willen, nicht entfallen mögen; Als haben Wir die Herren und Euch hiermit freundtl. ersuchen wollen, dieselbigen belieben Uns den besonderen Gefallen zu erweisen, und den allschon in die zwantzig Jahr allda tolerirten Supplicanten, welcher auch ins künfftige niemanden daselbst einigen Eintrag zu thun erheischig ist, noch fernerhin zu toleriren und ihn also dieser Unserer Vorschrifft [d.i. des vorgeschriebenen Briefes] fruchtbarlich genießen 27