Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
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Bernhard Brilling. Auras in Niederschlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei und auch die Tatsache überhaupt bis jetzt fast unbekannt war1). Das Vorhandensein einer jüdischen Buchdruckerei in Auras kann aus mehreren Beweisen erschlossen werden. Im Jahre 1712 antwortete bei einem Verhör der Dyhernfurther Drucker Sabbatai Bass auf die Frage: Wie lange habt Ihr die Druckerei gehabt, und was pfleget Ihr darinnen zu drucken?: „etliche und 20 Jahr, theils zu Auras, theils zu Dyhernfurth2)". Hieraus ergibt sich, daß Sabbatai Bass einen Teil der von ihm gedruckten Werke in Auras hatte erscheinen lassen. Seine Antwort läßt nur noch die freilich sehr wichtige Frage offen, wann in Auras hebräisch gedruckt wurde. Zur Bedienung dieser jüdischen Druckerei war der Aufenthalt einzelner Juden in Auras erforderlich, und für einen solchen sind Zeugnisse vorhanden. Die früheste Erwähnung eines Juden in Auras, David Moises, geht auf das Jahr 1682 zurück3). Nach der Mitteilung des ihm befreundeten Pastors von Herrenlauschütz und Rützen i. Schi., Christian Theophil Unger4), soll sich Sabbatai Bass, bevor er in Dyhernfurth zu drucken begann, d. h. vor 1688/89, in Auras aufgehalten haben*). 1689 erschien das erste Buch aus der Bass'schen Offizin in Dyhernfurth, das Bet Sch'muel6). Ob in Auras vor diesem Termin bereits von Sabbatai Bass gedruckt wurde, erscheint mir sehr zweifelhaft, da seine oben angeführte Aussage nicht andeutet, daß er zuerst in Auras gedruckt habe. Er hätte es wohl sicher in seiner Antwort angegeben. Daß Auras vor Dyhernfurth erwähnt wurde, geschah wohl nur zufällig. J) Einzig in einer kurzen Notiz bei L. Lewin, Das Synagogenbuch von Auras (in: „Menorah" IV 1926, S. 271) wird die hebräische Druckerei zu Auras beiläufig erwähnt. In Lewins Artikel über Auras in der Encykl. Jud. III s. v. Auras ist diese Notiz nicht gebracht. Dort heißt es nur: „1700 wird der Bibliograph und Dyhernfurther Buchdrucker Sabbatai Bass als in Auras wohnhaft ervvännf. Vgl. L. Oelsner, R. Sabbatai Bassista und sein Prozeß (Leipzig 1858), S. 18, Frage Nr. 3. — Diese wichtige Notiz scheint M. Braun übersehen zu haben; daher ist ihm wie auch seinen Nachfolgern bei der Erwähnung von Auras in seiner Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei MGWJ 40, S.518, Anm. 2, dieses Selbstzeugnis des S. B. entgangen; das Werk Oelsners selbst wird von Brann a. a. O., S. 572, Anm. 1, erwähnt. 3) Vgl. Lewin in „Menorah" a.a.O.; die dort gebrachte Mitteilung, daß sich bereits 1657 Juden in Auras aufhielten, scheint mir nach Einsicht in die im Besitze von L. Lewin befindlichen handschriftlichen Notizen von M. Brann, aus denen sie stammt, nicht haltbar. Die betreffende Notiz — ein Zettel — enthält weiter nichts als den Namen Auras und die Jahreszahl 1657 und noch eine Ziffer, von Juden aber kein Wort. Daraus überhaupt Schlüsse zu ziehen, scheint mir nicht möglich. 4) Diese Mitteilung wird im „Neuen Büchersaal" IX, 696 ff. und 1491 ff., den ich leider nicht einsehen konnte, gebracht. Zitiert wird sie zuerst bei J. Chr. Wolf, Bibliotheca Hebraea I (Leipzig 1715), S. 1024/der dort sagt: „idem (S.B.) ex Belgio reversus Aurischii primum, deinde Dyh . . . commoratus est". Er nennt den „Neuen Büchersaal" lateinisch „Museum librorum novum". Aus Wolfs Bericht übernahm diese Mitteilung Oelsner (a. a. O. S. 10), dann — unabhängig von Oelsner — M. Brann a. a. O., S. 518 (wo Anm. 2 statt p. 102 zu lesen ist: p. 1024). 5) Bei Wolf lautet der Text — s. Anm. 4 —: „commoratus est". Dagegen macht Oelsner daraus (a. a. O., S. 10): „bald nach seiner Ansiedlung in Schlesien errichtet S. erst in Auras . . ., dann 1689 in Dyh. . . . eine hebr. Buchdruckerei". Bei Brann ist dafür zu lesen a.a.O., S.518: nach Erlangung der Erlaubnis „entschloß er sich, zuerst in dem Städtchen Auras . . . seinen Wohnsitz zu nehmen, gab aber bald den Plan auf . . .". 6) s. Brann a. a. O., S. 520 (Anm. 3). 25