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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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Raphael Straus. Antisemitismus im Mittelalter. Ein Wort pro domo sichten mit den meinigen zu vergleichen, nachdem Grau unter schweren Angriffen gegen mich diesen Weg gegangen ist. Seine Angriffe sind ebenso zahlreich wie heftig und zum Teil gegen meine wissenschaftliche Ehrlichkeit gerichtet. Hingegen vermeidet er Zustimmungserklärungen auch da, wo er sich völlig an meine Deutungen anschließt. Mit verschwindenden Ausnahmen — eine solche ist z.B. seine Kritik S. 185, Schluß der Anm. 129 — sind diese Angriffe völlig grundlos, großenteils geradezu unzulässig. Unzulässig sind sie vielfach darum, weil Grau häufig meinen Ansichten völlig zuwiderlaufende Behauptungen entgegenstellt, um dann doch seine Behauptungen so weit einzuschränken — völlige Rücknahme oder Umbiegung ins Gegenteil sind nicht selten —, daß er besser und richtiger sein völliges oder partielles Einverständnis mit mir vorgetragen hätte. Aus der Fülle von Beispielen, die sich dafür anführen lassen, nur einige Kernstücke: Str. (43) spricht von der Steigerung der Undurchsichtigkeit der Lage der Juden durch die Einschaltung Herzog Albrechts IV. G. hingegen: Rechtslage der Juden durch Albrecht nicht undurchsichtiger geworden (99), Verwirrung brachten höchstens die Juden selbst (190). Aber: Politisch sind die Dinge durch H. Albrecht recht kompliziert geworden (90). Str.: Friedrich III. schützte und bedrängte die Juden nicht in erster Reihe aus avaritia, sondern um seine Judenhoheit zu sichern und berechtigten Finanzbedarf zu decken. G.: Man hat Friedrich III. nicht vergeben, daß er aus Geldgier und Habsucht die Juden der gerechten Strafe entgehen ließ (120). Das Volk „empfand" die Finanznot als avaritia (191). Str.: Die letzte Ursache der Juden Vertreibung ist in der durch die Notstände hervorgerufenen sozialen Unruhe zu erblicken, die durch den Klerus auf die Juden abgeschoben wurde. Der Stadtrat sträubte sich dagegen solange, als er der politischen Tradition der Stadt treu bleiben konnte. G. (völlig widerspruchsvoll): „Die Entfernung der Juden war das Ergebnis einer richtigen volkswirtschaftlichen Erkenntnis des Rats (58)". Aber: „Der Klerus entzündete eine Volksbewegung, gegen die kein Ratsherr etwas auszurichten vermochte. So stand zuguterletzt auch der Rat in der Frage des Wuchers auf dem Boden der Kirche" (81). „In der Judenfrage war die Kirche die ausschlaggebende Macht, der Rat hat nur Politik um die Juden gemacht" (60). „Oft wurde vom Rat die Abneigung gegen die Juden bloß aus taktischen Gründen gefördert" (138). Str.: „Die soziale Not war die Brücke zwischen bürgerlicher und kirchlicher Judenfeindlichkeit" (33). G. bestreitet dies mit Eifer (80). Aber: Kirchliche Ethik und wirtschaftliche Not griffen ineinander (134). Die sozialen Prediger vermengten Religion, Ethik, Judenhaß und Politik so sehr, daß manche ihrer Kanzelreden nur noch Brandreden gegen die Juden gewesen zu sein scheinen (85). Str. (mit vielen Nachweisen): Die Anschauungen und die Praxis bezüglich des Wuchers sind zur Zeit des Frühkapitalismus stark abgemildert (33). G. behauptet dagegen den unveränderten Fortbestand der thomistischen Gesinnung und Praxis (188)- Aber: Überschreitung des Wucherverbots durch Christen „kam doch immer vor" (188), und: „das Wucherverbot Leos X. erfolgte nicht aus Überzeugung, sondern lediglich aus politischen Rücksichten" (81). Str.: In den Predigten gegen die Juden klingt die dumpfe Leidenschaft mit ihrem revolutionären Einschlag durch (29). G. enschieden dagegen (79). Aber: Herabsinken der dogmatischen Gegensätze zwischen Christentum und Judentum in die wirtschaftlichen Kämpfe des Alltags bis zur „Niveaulosigkeit" (133), „durchwirkt von materiellen Interessen, politisch beseelt von kranker Religiosität" (160). „Es war schier jedermann toll" (161). Str. behauptet für das ausgehende 15. Jahrhundert Abnahme des Geldgeschäfts, Zunahme des Warenhandels der Juden. 18

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