Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Antisemitismus im Mittelalter
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitismus im Mittelalter. Ein Wort pro domo Von Raphael Straus Wenn die Weltgeschichte das Weltgericht ist, so ist der Geschichtsschreiber, wenn er sein Ziel niedrig steckt, ein Gerichtsberichterstatter, wenn er es höher steckt, ein Richter, der — in peinlicher Situation — immer nur verjährte Fälle vor sein Forum ziehen kann. Dafür hat er das schöne Vorrecht der freien Wahl seiner Parteien. Wenn der junge Historiker Wilhelm Grau in seinem kürzlich erschienenen Buche1) zu einem Urteil kommt, das sich von meinem Urteil über den gleichen Gegenstand2) „grundlegend" unterscheidet (Grau, S.VIII), so könnte es sich um eine bloße richterliche Ermessensfrage handeln. Als solche wären die Auffassungsverschiedenheiten zu behandeln, wenn beiderseits die Untersuchung gründlich geführt worden wäre. Leider ist dies seitens Graus nicht geschehen, und die Unterschiede im Urteil sind nicht so sehr durch solche im Ermessen als durch solche im Aktenstudium begründet. Im folgenden sei nachgewiesen, erstens inwieweit es Grau an Gründlichkeit hat fehlen lassen, und zweitens warum ihm das passieren mußte. Im Lauf der Nachweisungen wird sich von selbst ergeben, welches Urteil das sachlich besser begründete ist3). Die Gründlichkeit der Untersuchung. Zunächst sei festgestellt, daß sich die Zielsetzung meiner Arbeit von der Graus unterscheidet. Ich habe bloß eine Einleitung zu meinem im Druck befindlichen Urkundenbuch — nur aus technischen Gründen separat erschienen — beabsichtigt und mich im wesentlichen auf dessen Ausdeutung beschränkt4). Grau hingegen hat, wie schon der Titel zeigt, eine umfassende kulturgeschichtliche Darstellung mit politischer Sinngebung ins Auge gefaßt. Um dieser verschiedenen Zielsetzung willen wären beide Veröffentlichungen an sich inkommensurabel. Für mich besteht gleichwohl die Notwendigkeit, die von Grau vorgetragenen An- *) „Antisemitismus im Mittelalter". Das Ende der Regensburger Judengemeinde 1450—1519. Mit einem Geleitwort von Professor Karl A. v. Müller. München 1934. 2) „Die Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter". Heidelberg 1932. Die dazugehörigen Beilagen (im Folgenden als „Beil." zitiert) sind im Druck. 3) Mein Urteil wird im Gegensatz zu Grau z. B. von Hermann Heimpel als „durchaus gerecht und umsichtig" gekennzeichnet (in: Hist. Vierteljabrsschr. 28, 882). *) „Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter", demnächst im Verlag B. Heller in München erscheinend. 2 17