Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Konstanz
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 8)
- Language
- German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Konstanz Unter den Einträgen begegnen wir nur zweien, in denen Gläubiger und Schuldner Juden sind. Am 11. 12. 1428 leihen Abraham von St. Gallen und seine Frau Schönly von Low 40 Gulden20). Am 10. 2. 1429 entlehnt sich Gotlieb bei Seligman 100 Rhein. Gulden21). Bei den Geschäften sind keine Zinsen festgesetzt offenbar mit Rücksicht auf das biblische Verbot des Zinsnehmens. Eine aus dem Rahmen der üblichen Geschäfte fallende Abmachung ist folgende: „Sexta ante Simons und Jude hat bekent Sälig der Jud von Stahl, wie daz Maitli die Judin ainen kof gemacht hat zwischent Jm und Säligman dem Juden von Tettnang von ains erbs wegen, so Säligman von sinem wip gevalhen möcht von sinem Stiefkind Ysrahel; wäre daz Sälig der Jud den kouf nit halten, und daz über kurz oder langzyt ob (los) sin wolt, daz er denn Maitlinen der Judin 30 rin. Gulden vervalhen und gebunden sin sol zu gebent an (ohne) all widerred und mag Jn denn darumb bekumbern und anlangen, promisit fide data, sigelt Aman" (26.10.1425, A.G.B. S. 170). II. Unter den Einträgen verdienen diejenigen unsere besondere Aufmerksamkeit, die für die Topographie der Stadt Konstanz von Wert sind. An der Hand der Ammangerichts-Einträge, die Grundstücksübertragungen enthalten, wird einiges über die Lage der Judenhäuser festgestellt werden können. Wir erfahren auch, wo damals die Synagoge gestanden hat. Seit 1390 ist mit der dritten Konstanzer Judensiedlung zu rechnen. Befand sich die erste (vor 1348/49) und die zweite Gemeinde hauptsächlich in der Mordergasse (= Augustinergasse, der heutigen Rosgartenstraße), so wohnten die Juden während des 15. Jahrhunderts hauptsächlich in der Samnung- oder Witengasse und am Blaicherstad, der Judengasse (der heutigen Münzgasse)22). Zunächst erfahren wir von einigen außerhalb dieses Gebietes gelegenen Häusern. 1418 wird als Hausbesitzer in der Neugasse der Jude Moises genannt23). Eine Jüdin (wahrscheinlich Anna) wohnt am Tümpfel24). 1420 heißt es im Steuerbuch S. 11 unter Rubrik Spital: „Ness Jüdin 20 Pfund Heller git 8 Schilling Heller'4. Zu den 1413 von König Sigismund in seinen Schutz genommenen Konstanzer 20) S. 316: „Abraham Jud von St. Gallen und Schönly sin Wib tenentur unverschaidenlich Löwen Juden von Costentz, burger Zürich, 40 rin. gülden; wenn er dero nit emberen wil und er si mant, so sond sy Jm bezalen in ainem manot, danach dem nächsten, sigelt Aman Actum ut supra". 21) S. 411: Gotlieb Jud und Blümly uxor tenentur unverschaidenlich Säligman Juden 100 rin. gülden, sond Jn bezalen, wenn er der nit mer emberen wil nach inhalt sins Juden briefs, den er darumb von im inrthat; und wenn er sy mant, sond in versorgen mit pfänden oder bürgen in aim manot dem nächsten, und wenn er sy gemant und sy Jm bürgen oder pfant geben haben, ob sy Jn denn nit bezalt int, mag die pfand oder die bürgen och sy darumb angriffen. Sigelt Aman, actum quinta ante Vallentini. 22) Was Beyerle, Grundeigentumsverhältnisse und Bürgerrecht im mittelalterlichen Konstanz, I, S. 79, von Häuserbesitz der Juden sagt, gilt nur von der von ihm besprochenen Zeit, bis 1371. Nach der politischen Umwälzung dieses Jahres befanden sich Juden in uneingeschränktem Besitz von Häusern, und zwar nicht nur in der Mordergasse. 23) Steuerbuch anno 1418 unter Rubrik nuw gass: Jud Moisis git vom huss 10 s. heller. 2*) Ibid. S.29b: Judin 20 Pfund Heller git 8 Schilling Heller. 10