Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Konstanz
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 7)
- Language
- German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Konstanz 126 rin. gülden umb holtz und umb ain schuld, so er an Jn kommen ist, bezalen uff Galli, darnach an schaden nemen". Juli 1428 (S. 374): „Abraham u. Gotlieb die Juden tenentur unverschaidenlich Wernhern Ehingern 124 rin. gülden redeliche schuld bezalen uff Galli, darnach an schaden nemen"17). Es ist aber nicht so, als ob allein der jüdische Geldverleiher den hohen Gewinn erzielt hätte. Die von den Städten und Herren konzessionierten christlichen Geldwechsler wurden fast alle reich18). Noch größeren Gewinn warf der Warenhandel ab. Aus ihm stammt ja der Reichtum der Bürger von Konstanz, Ravensburg, Ulm, Augsburg, Nürnberg und anderen Städten19). Am Warenhandel hatten damals die Juden fast gar keinen Anteil. Aber es finden sich unter den Geschäftsabschlüssen des Ammangerichtsbuches doch 13, die Warenkäufe betreffen. Darunter ist ein Verkauf (Oktober 1423, S. 12): „Syfrid Frytag von Gisenhusen, Peter Risch von Augsburg, Lienhart am Stain und Hans Römer baid burger tenentur unverschaidenlich Sanweln Juden von Lindau 40 rin. Gulden umb gewand, sond Jm bezalen 19y> gülden uff Pfingsten, das andere uff Michael; nach jedem Zil uff 1 gülden 3 heller". Die zwölf anderen sind Käufe von Waren bei christlichen Kaufleuten. Isach kauft bei Conrat Schuchtzer Gewand um 14 Gulden (30.7.28, S.364). Eisen kauft er bei Bartholome Thämian um 48 Gulden (21. 7. 1423, S. 34; Zahlungstermin: 12. 3. 1424, Invocavit). Derselbe Isach mit Kirssman zusammen bei Jo. Münch Eisen um 36 Gulden (10.7.1425, S. 165). Derselbe Isach mit Gotlieb zusammen bei Meister Rennissdorff Pfeffer um 11 Pfund Pfennig (1.8.1424, S. 102 und Februar 1424, S. 81, Termin: 1.9.): „Isach, Salman, Jentlin, Kirssman, Gotlieb, die Juden tenentur unverschaidenlich H. von Wesen genant Kolman 50 rin. gülden um Wachs, bezalen uff sant Verenen tag, darnach an schaden nemen". Kirssman kauft bei Meister Rennisdorff Wachs für 44 Gulden (15.6.1424, S. 95), Baumwolle für 11 Pfund Pfennige (12. 3.1426, S. 191), Yngber für 16 Pfund Pfennige (13.10.1424, S. 111); ferner bei H. von Wesen Pfeffer für 15 Pfund Pfennige (15.9.1426, S. 216), mit Gotlieb zusammen bei Albrecht Kölfer Wachs für 24 Gulden (16. 6.1427, S. 277). Abraham von St. Gallen kauft zusammen mit Gotlieb bei Werner Ehinger Holz für 126 Gulden (September 1427, S.305); Gotlieb mit Moyses-Ross zusammen bei Caspar von Lophain Gewand um 125 Gulden (26.6.1423, S.29; Zahlungstermin: 24.6.1424). Es ist einigermaßen auffallend, daß der größere Teil dieser Warenkäufe nicht von Einzelnen, sondern von „Gesellschaftern" gemacht wird; obwohl die Höhe der Einkaufssummen das keineswegs bedingte. Viel größere Geldgeschäfte werden sonst von Einzelnen abgeschlossen. Der Grund liegt gewiß darin, daß dort, wo Christen die Gläubiger waren, sie aus Sicherheitsgründen darauf sahen, daß zur Minderung des Risikos mehrere Juden „unverschaidenlich" oder „gemainlich" ihre Schuldner wurden. 17) Diese beiden Geldaufnahmen hängen mit dem Kauf der alten Katze zuzusarnmen. }*) J. Cahn, Münz- und Geldgeschichte von Konstanz und des Bodenseegebietes im Mittelalter, Heidelberg 1911, S.261. 10) Lamprecht sagt in seiner deutschen Wirtschaftsgeschichte Band V, S. 61: „Ein erfahrener Beurteiler schätzt um 1438 den legitimen Gewinn kaufmännischen Kapitals auf jährlich 430o/o bei 100 werbenden Tagen". Als zur Ausnutzung des Warengeschäfts und Verkleinerung des Risikos der Einzelnen Konzernbildüngen immer häufiger wurden, wehrten sich die kleinen Kaufleute und Handwerksmeister gegen die Übermacht dieser Handelsgesellschaften. Auch hier die immer gleiche Erscheinung: Kampf der Kleinen gegen das Monopol des Kapitals. Vgl. den interessanten Aufsatz von Maurer über den Großkaufmann Imholtz in Konstanz (in: Schriften für die Geschichte des Bodensees, 1915, SS. 93—110). 9