Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Konstanz
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Konstanz Keineswegs erreicht das Vermögen des einzelnen Juden auch nur annähernd die Höhe, die bei manchen Großkaufleuten und Großgrundbesitzern vorgefunden wird10). Als reich galt nach Schulte und Nuglisch jeder, der mindestens 1400 Pfund Heller (= 950 Gulden)11) besaß. Demnach dürfen wir fast die Hälfte der selbständigen Juden in Konstanz zu den Reichen zählen. Der gangbare, behördlich festgesetzte Zinsfuß war: für 1 Gulden wöchentlich 3 Heller, für 1 Pfund Heller 2 Heller, für 1 Pfund Pfennig 2 Pfennig. Nur selten werden in den Schuldbriefen vor dem Amman 3 Pfennig oder 4 Heller wöchentlich fixiert12). 100 Gulden brachten also im Jahr 62i/2 Pfund Heller (= etwas über 40 Gulden). Nach den Berechnungen von Nuglisch brauchte eine einfache Familie jährlich 40 Gulden; „mit 80—100 Gulden kamen die höchsten Beamten aus". Infolgedessen konnte ein jüdischer Geldverleiher bei einem Umsatz von etwa 250 Gulden seine Existenz finden. Er brauchte natürlich viel mehr als sein christlicher Nachbar wegen der bedeutend höheren Abgaben an die Stadt, den König und die anderen Herren13), wegen der teureren Wohnung14) sowie wegen der Beträge, die er seiner jüdischen Gemeinde zu entrichten hatte. 10) Vgl. dazu Nuglisch, Zur Frage nach der Entstehung des modernen Kapitalismus (in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Band 27, S. 244ff.) mit den treffenden Bemerkungen gegen Sombart. — Schulte zählt 1422 25 Bürger auf, die ein Gesamtvermögen von mehr als 6500 Pfund Heller versteuerten. 1X) „1400 Pfund Heller entsprachen einem heutigen Vermögen von über 200 000 Mark" (Nuglisch, Die Entwicklung des Reichtums, S. 363). 12) Einmal findet sich folgende Zinsbestimmung: am 14. 5. 1427 gibt Sanwel dem Johann Setter von Ermatingen 38 Pfund Pfennig, die soll er in drei Jahren bezahlen und „sol jedes Jar 3 Pfund Pfennig zu Gesuch daruff gan" (nicht ganz 8 v.H.) A.G.B. S.273. 13) Während ein reicher Bürger bei einem Vermögen von 10 000 Gulden 30 bis 60 Gulden zu entrichten hatte (Schulte, Wer war der reichste Mann in Schwaben? S. 207, dagegen 206), mußte der Jude auch bei viel geringerem Besitz schon 60 Gulden zahlen. In der Liste der Judensteuern von 1425 (Ratsbuch der St. Ko. S. 63) erscheint z. B. GENTLE (JENTLI) mit 60 Gulden. Aus späteren Jahren, aber doch auch für die hier besprochene Zeit maßgebend, ist folgende Bestimmung bei der Bürgeraufnahme eines Juden bezeichnend: es handelt sich um den letzten Rabbiner des mittelalterlichen Zürich, der 1440 Bürger von Konstanz wurde. Jakob Jud ist 3 Jar burger worden und git jeclichs jars insunder 4 guldin zu stur und viengen die jar an uff den maytag a. 40 und gand uss uff den maytag im 43. jar und git och damit jeclichs jars insunder für Raysen, wachen und ander dinst zu der stur 56 guldin, das sich also jeglichs jars insunder gepurt 60 guldin. Item desselben mals hat er der statt gelihen 60 guldin, darumb hat er ain briefli mit dez stattschribers hand geschriben, von haissens wegen dez burgermaisters und dez vogtz; die baiden sumen sind bezalt an die 320 guldin, so man von der statt fryhayten zu confirmieren geben hat (Schuldenbuch und Sturen 1442 S. 56 b). — Im Ratsbuch S. 245 heißt es unter dem 23.9.1422 vom Sekler: Ingenomen von den Juden 170 Gulden. 1425 betrug die Steuer der Juden an die Stadt (Ratsbuch S. 63) 253 Rheinische Gulden, obwohl damals die reichen Low, Sanwel und Salman nicht mehr mitsteuerten. 1427 bezog die Stadt aus der Judensteuer 128 Pfund 2 Schilling Pfennige (Löwenstein, Geschichte der Juden' am Bodensee, S. 39: „aus gemainer Stett Rechnung 1425 bis 46"). 14) Im Sturbuch a. 1448 heißt es auf der letzten Seite: Juden sond yri huser versturen, so sy in der statt hand ligen, nach varendem gut als gest tun sond (= sollen). Das mobile (varende) Kapital wurde noch einmal so hoch besteuert als das ligende (immobile). Und auf dem Titelblatt des Steuerbuchs a. 1449 heißt es: Die Gest, die huser hand in der statt ligen, sond die selben nach varender Mark versturen. Juden müssen also wie Fremde für ihre Häuser die doppelte Steuer bezahlen. 7