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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Juden in Konstanz
Date
1936-01-01
Page
Seite 6 (sequence 4)
Language
German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Konstanz Bei jedem kommt ein mehr oder minder beträchtlicher Besitz an Hausgerät, verfallenen Pfändern und eigenen Schmuckgegenständen hinzu7). Und dann ist noch eins zu beachten: wir erfahren hier nur von den Geschäften, die vor dem Amman-Gericht abgeschlossen worden sind. Die genannten Außenstände sind aber wahrscheinlich nur ein Teil des gesamten mobilen Kapitals der Gläubiger; denn sonst wäre die große Summe nicht verständlich, die König Sigmund im Jahre 1430 von Konstanzer Juden erzwang, nämlich 20 000 Gulden mit einem Schlage*5). Wieviel sie außerdem den städtischen Behörden offiziell, und mehr noch inoffiziell, zahlen mußten, ist nicht bekannt. Aber aus mancherlei Andeutungen in den Chroniken, besonders in den Collectaneen von Schulthaiss und den Ratsbüchern ersieht man, daß die Summen beträchtlich gewesen sein müssen. Auf die Höhe des Vermögens der genannten Juden können wir also aus dem vorliegenden Material nur annähernd schließen. Nach den Berechnungen von Nuglisch betrug im Jahre 1429 das Vermögen der 164 reichsten Konstanzer Bürger (das waren etwa 10 v. H. der Steuerzahler überhaupt) 770 210 Pf. Heller, d. s. 550 000 Gulden.9) Selbst wenn das Vermögen der Juden das Doppelte der erwähnten Zwangssteuer betragen hätte, wäre es nur 1/15 des Gesamtvermögens von Konstanz. Der Prozentsatz wird allerdings höher, wenn wir nur das fahrende Gut vergleichen. Das betrug bei den 164 reichsten Konstanzer Bürgern 468 610 Pfund Heller (= 340 000 Gulden). Das flüssige Kapital betrug nach Nuglisch in Konstanz mehr als 60 v. H., überwog also das immobile. Dann wäre das bewegliche Kapital der Juden 1/9 des gesamten mobilen Vermögens in Konstanz gewesen! Als Beispiel für die Richtigkeit dieser Annahme sei Folgendes mitgeteilt: 7) Zum Vergleich seien folgende Angaben herangezogen: nach einer offiziellen Schätzung durch den Abgesandten König Sigmunds, Konrad von Weinsberg, im Jahre 1420 betrug das Vermögen von neun Koburger Juden — Ausstände und Schmuckstücke — etwa 7000 Gulden (D. Kerler in: Zeitschrift f. d. Gesch. d. Jud. i. Deutschland III, S. 12). Als die Überlinger jüdische Gemeinde 1430 verbrannt wurde, fand man im Nachlaß von fünf Juden 6726 Gulden und während der folgenden Jahrzehnte bei gelegentlichen Grabungen, in früher jüdischen Häusern noch über 2000 Gulden (Stern, Juden in Überlingen, S. 13 und 20f.). Davon werden wahrscheinlich aliein dem „Reichen Sanwel" mehr als 3000 Gulden gehört haben. Zu diesem Vermögen kommt noch, was im Urkundenbuch der Abtei St. Gallen V 1050 (29.9.1430) erwähnt wird. Dort gebietet König Sigmund dem Bürgermeister und Rat der Stadt St. Gallen, die bei ihnen liegende Habe des Sanwel Juden von Überlingen „unseres Kammerknechtes, der ettwovil farund und ligund gut" schulde, zu ihren Händen zu nehmen, an des Königs statt. — Die Frankfurter Gemeinde (20 Haushaltungen) hat 1390 durch die Schuldentilgung König Wenzels etwa 19000 Gulden verloren (vgl. Bücher, Die Bevölkerung von Frankfurt a. M. im 14. und 15. Jahrhundert, S. 580). 8) Über diese Angelegenheit werden an anderer Stelle neue archivalische Nachrichten mitgeteilt werden. 9) Für alle diese Berechnungen gilt allerdings die Einschränkung, die Nuglisch in die Worte kleidet: „Manches Vermögen zeigt sich uns nicht in seinem vollen Umfange, da sicherlich viele Steuerhinterziehungen vorgekommen sein werden", und dazu das dort folgende Zitat! Bei dem Aufruhr 1390 spielte Haintz Cristan, Oberster Zunftmeister der Weinschenken, eine Rolle. In der Liste der 105 Reichsten vom Jahre 1388 bei Nuglisch S. 364 ist er unter Nummer 34 erwähnt. Schulthaiss Collect S. 19 berichtet von ihm: nach seinem Tode wurde er um 2000 Pfund Pfennig gestraft, die er zu wenig versteuert hatte. Im St. A. Ko. liegt eine genaue Aufzählung aller Außenstände dieses Mannes und seines liegenden Besitzes, ein Erb Verzeichnis des Heinrich Cristans selig. Da finden sich an' großen Ausständen 6008 Pfund Pfennige, an kleinen 775, an Liegenschaften 1331. 6

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