Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zum Gedächtnis
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259305-2262110--4358-2262152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zum Gedächtnis. Bernhard Wachstein / Adolf Eckstein ein Ehrendenkmal für den Verfasser wie für die Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde, welche seine Herausgabe ermöglichte. Es bedeutet weit mehr, als der schlichte Titel besagt, nämlich ein umfassendes Quellenwerk für die jüdische Geschichte, insbesondere für die der deutschen Juden seit dem 17. Jahrhundert. Die mühselig entzifferten Grabinschriften mit der kunstvollen Darlegung des Inhalts und des hebräischen Sprachstils bilden nur den äußeren Rahmen für die geschichtliche Fülle, die darin eingespannt ist. Das Schicksal zahlloser Geschlechter in auf- und absteigender Linie, ihre Sässigkeit, ihre Wanderungen, ihr häuslicher Zustand, ihr Anteil am geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der jüdischen Gesamtheit, ihre Bedeutsamkeit in der Umwelt, dies alles zusammen gibt quellenmäßig das große Bild der jüdischen und insbesondere der deutsch-jüdischen Geschichte der letzten Jahrhunderte. Es ist subtilste Klein- und Feinarbeit, die sich zu geschlossenen Gestaltungen formt; denn Wachsteins Blick übersah selbst das Unscheinbarste nicht und war doch stets auf das große Ganze gerichtet, wie sich beides für den echten Historiker ziemt. Auf gleicher Höhe stehen die beiden Bände über die Juden in Eisenstadt, das Werk über die hebräische Publizistik in Wien, dessen Hauptanteil ihm zufällt, und die hervorragenden Einleitungen, die er allen diesen größeren Werken voranschickte und die eine unerschöpfliche Fundgrube für alle möglichen fachwissenschaftlichen Gebiete bedeuten. Aber auch all die zahlreichen kleineren Abhandlungen, die er historischen, bibliographischen, folkloristischen und zuletzt sehr wirkungsvoll selbst apologetischen Themen widmete, zeugen von der gleichen Treffsicherheit des Erkennens, von dergleichen Sorgfalt des Sammeins, von dem gleichen Geschick der Einfügung in die Zusammenhänge und von jener ruhigen, zuverlässigen und vornehmen Kunst der Darstellung, die ebenso formvollendet in deutscher wie in hebräischer Sprache das umfassende Wissen des Forschers erschließt. Die letzte mühselige Arbeit, deren erstes Exemplar er mir widmete, waren die im vorigen Sommer erschienenen Randbemerkungen zu seinen Inschriften des Wiener Friedhofs, die selber wieder ein kleines Buch ausmachen. Leider hatte ich nie das Glück, den Freund, mit dem mich die wissenschaftliche Arbeit in regstem Briefwechsel seit mehr als einem Vierteljahrhundert aufs engste verband, persönlich kennen zu lernen. Ich fühle aufs tiefste die Lücke, die sein Tod für mich bedeutet; aber die jüdische Wissenschaft und insbesondere die jüdische Geschichtsforschung wird sie ebenso schmerzlich empfinden. Am gleichen Tage, an dem Bernhard Wachstein im 67. Lebensjahr verschied, wurde in Bamberg Adolf Eckstein im 78. Lebensjahr nach langen, mit bewundernswerter Ergebung getragenen Leiden zu Grabe gebracht. Aus der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hervorgegangen, hatte er sich während seiner Amtstätigkeit als Rabbiner besonders historischen Studien zugewendet und in seinen beiden Werken „Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg" und „Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth" ausgezeichnete Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland geliefert, sowie in seinen Schilderungen der Emanzipationsbewegung in Bayern und zuletzt noch in seinem Buch über das Heimatrecht der Juden in Bayern die enge Verbundenheit der deutschen Juden mit der Geschichte 2