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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 240

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Eine jüdische Novelle von Grimmelshausen
Date
1935-01-01
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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Fritz Aronstein. Eine jüdische Novelle von Grimmelshausen schon darauf hin, daß der Messias vom Stamme Davids sein müsse, „mit dem Elia gar nicht verwandt war“. Dies ist eine besondere Zutat Grimmelshausens, die er auf Grund der zahlreichen Eliaerzählungen erfand. Ebenso ist die Kombinierung der verschiedenen Legenden sein eigenstes Werk. Die Zeit, in der die Novelle spielt, haben Tittmann und Bechtold durch die allgemeine historische Einleitung in das Jahr 1672 gelegt12). Im Hause des „reichen Portugesischen Juden“, „der (wie man insgeheim davor hielte) die Summa seines großen Vermögens selbst nicht wüste“ und den der Kaufmann bestehlen wollte, findet er die schöne Tochter mit einer Perlenstickerei beschäftigt. Er beschreibt ihre Schönheit und ihre reiche Kleidung ausführlich und sagt noch zu ihrem Lobe: „Nichts Jüdisches kont ich an ihr abnehmen, als etwas gar wenigs an ihrer wohlformirten Nase, welches ihr aber in meinen Augen mehr vor eine treffliche Zierd taugte, als daß es vor die Signatur einer Jüdischen Physiognomie gehalten hätte werden sollen.“ Eine solche Liebe wurde zu Grimmelshausens Zeit noch als etwas Unmögliches angesehen, sowohl von christlicher als auch von jüdischer Seite. Wohl hat der Kaufmann keine großen moralischen Bedenken mehr (wie sie etwa noch der Vikar einer anderen Erzählung des Caesarius hat); denn er hat sich schon auf einen Unrechten Weg begeben: „dann in einem solchen Gewissen, das sich einmal entblödet durch des Teufels Hülff wieder zu seinem verlornen Geld zu gelangen, gilts auch gleich, ob die viehische Begierden an einem getaufften oder ungetaufften Stück Fleisch vollbracht werden.“ Aber die Amsterdamer Juden lebten nach Grimmelshausen sehr abgeschlossen und waren gewohnt, „ihre Weibs-Bilder vorm Fall zu bewahren . . ., und zwar sonderlich Jungferschafften.“ Auch war die Trennung zwischen Juden und Christen zu groß, und schließlich hindert den Kaufmann noch eine wichtige Tatsache: er sah sich „in einer Stadt, darinnen mit Gewalt nichts auszurichten, dieweil die Juden daselbsten unter dem allersichersten Schutz wohnen“13). Dem Deutschen, der den Dreißigjährigen Krieg miterlebt hat, klang das sonderbar, und so mußte es besonders betont werden. Es folgt eine andere interessante Bemerkung. Um sich vielleicht doch der schönen Esther nähern zu können, gab ihm der „Ertzfeind“ den Gedanken: „Wie wär ihm, wann du dich beschneiden ließest? Maßen solches zu Amsterdam nichts neues ist“ Ich glaube, das dies auf die Rückkehr der Marranen zum Judentum anspielt, die ja gerade in Amsterdam sehr stark war. Von jüdischen Motiven bringt Grimmelshausen weiter die Beschreibung des Freitagabends mit den „Lobsagungen (die sie Haudiia nennen) welches eine Absonderung bedeutet, nemlich des Sabbaths von den anderen unheiligen Tagen“, und wobei Eliezer das Lied vom Propheten Elias singt. Es scheint hier eine Verwechslung mit der Hawdala des Sabbath-Ausgangs vorzuliegen. Diese Beobachtung gibt Grimmelshausen Gelegenheit, eine kleine Bemerkung über den Messias zu schreiben. Der Kaufmann lernt einen „Kerl aus der Hebräer Geschlecht“ kennen, „der sich erst vor einer Zeit hat tauffen und in solcher heiligen Abwaschung Erasmus nennen lassen“. Er gab hebräischen Unterricht und war in der jüdischen Literatur sehr bewandert, aber er haßte die Juden und sie haßten auch ihn. Wie so viele der Renegaten erzählte er „abergläubische Heimlichkeiten“ und „einen gantzen Hauffen lächerliches Dings“. Es ist im kleinen die Gestalt Pfefferkorns oder besser Gersons von Recklinghausen, den Grimmelshausen gleichfalls benutzt hat. Eine Aufzählung der Sagen über Elias — angefangen bei der Erzählung, daß er der Knecht Abrahams gewesen sei, bis zu seinem Dasein bei den Riten der Neuzeit — folgt. Bei der Aufzählung der falschen Messiasse nennt Grimmelshausen selbst als Quelle „Christian Gerson in Recklinghusen, 12) s.o.S.... 1S) Vgl. H. J. Koenen, Geschiedenis der Joden in Nederland, Utrecht 1843, und Salomon Ullmann, Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden in Amsterdam im 17. Jahrhundert (Jahrb. d. jüd.-lit. Gesellschaft V, 1907). 240

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