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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 233

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Wer war der Orientalist Mithridates?
Date
1935-01-01
Page
Seite 233 (sequence 4)
Language
German
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Umberto Cassuto. Wer war der Orientalist Mithridates? radsch aus Girgenti zu identifizieren sei15). Freilich möchte ich das nicht mit Sicherheit behaupten. Um das endgültig zu entscheiden, müßte erst der Münchener Kodex16) — was ich mir noch Vorbehalte — eingehend und genau geprüft werden. Wir können nunmehr versuchen, eine organische Synthese aller uns bekannten Nachrichten über das Leben unseres Helden und sein Auftauchen an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Namen zustandezubringen. Natürlich ist es überflüssig, allen Einzelheiten nachzugehen. Es mag genügen, die großen Umrisse zu verfolgen und zu untersuchen, wie die verschiedenen Erscheinungen miteinander in Verbindung stehen. Wegen der Einzelheiten kann man auf die bisherigen Veröffentlichungen über die verschiedenen Momente verweisen. Wir werden uns nicht einmal damit aufhalten, über Mithridates’ literarische Wirksamkeit zu sprechen; wohl werden wir später Gelegenheit haben, uns damit zu beschäftigen17). Im Haushalt des Nissim Abu ’l-Faradsch in Agrigent (Girgenti), eines der Astronomie und anderen wissenschaftlichen und literarischen Disziplinen zugewandten Mannes, lebte also ein junger Sohn, der wie sein Vater in den hebräisch-arabischen Wissenschaften versiert war. Er strebte jedoch nach weiteren Horizonten, als sie sich ihm in dem bescheidenen Kreis der jüdischen Gemeinde Agrigents öffnen konnten. Der erste Schritt, der unternommen werden mußte, war natürlich die Universität zu besuchen. Aber sein Vater hatte keine Mittel. Da war guter Rat teuer. Der ehrgeizige skrupellose Jüngling fand indes einen Ausweg: die Bekehrung zum Christentum. Durch seine Fähigkeit, rasch die Sympathie der Leute zu .gewinnen, freilich eine Sympathie, der sehr häufig die Enttäuschung folgte, gelang es ihm, sich die Günst eines Edelmannes zu erwerben, der sein Taufpate wurde und von dem er seinen neuen Namen, einen seiner vielen späteren Namen, herleitete. Gleichfalls gelang es ihm, von verschiedenen sizilianischen Stadtverwaltungen, Adeligen und Bürgern die Zusage fortgesetzter Zuwendungen in Form von Stipendien zu erhalten. Dadurch einmal sorgenfrei, reiste er nach Neapel; von dort wußte er mit energischen Mitteln die Zahlung der versprochenen Zuwendungen auch bei denjenigen seiner Gönner durchzusetzen, die sie zu leisten sich widersetzten18). Scheinbar nahm er anfänglich seine Bekehrung nicht allzu ernst und fühlte sich noch in den Universitätsjahren und nach Erhalt der Doktorwürde, falls unsere Annahme der Wirklichkeit entspricht, als Samuel ben 15) Dem steht der Wunsch für ein langes Leben, den in der Notiz auf f. 248 des Münchener Kodex Samuel für sich und für seine Nachkommenschaft ausspricht, nicht entgegen: ähnliche stereotype Wendungen können auch fromme Wünsche für die zukünftige Nachkommenschaft bedeuten; außerdem wird hier vielleicht die Wendung durch das Versmaß bestimmt, weil die Notiz, mit Ausnahme des Wortes „sche-li“, in metrischer Form abgefaßt zu sein scheint. Die Notiz kann auch vor der Bekehrung gestrichen worden sein. 16) U.a. müßte festgestellt werden, ob aus dem Kodex wirklich hervorgeht, daß Samuel Arzt war, oder ob Steinschneider sich nur auf die Überschrift der Verse f. 82 verläßt, die auch nicht von ihm sein können. 17) Hier wird es genügen, auf das zu verweisen, was außer in den schon zitierten oder noch zu zitierenden Werken und in dem Artikel von Carini im Archivio Storico Sidliano, N. S., XXII (1897), pp. 485—492 zu lesen ist, auf das von Steinschneider in verschiedenen seiner Werke gesagte, z. B. Hebr. Bibi. XII, S. 79—80, 115—116, XX, SS. 124—127, XXI, SS. 111—115, Polem. u. apolog. Literatur, S. 315, Ges. Schriften, I, S. 515, 521, Vierteljahrsschriften für Kultur und Literatur der Renaissance, II, S. 290, f HB, III, SS. 29—30 (vgl. auch Berlin, in JQR, VIII, pp. 711—714), 152—154, Hebr. Übersetz., SS. 492, 922, 930, 985; Arab. Literatur d. Juden, SS. 168, 210; Europäische Übersetz., I, S. 81, MGWJ XLVIII (1904), S. 713. Siehe auch die Bibliographia Kabbalistica von Scholem, die mir gegenwärtig nicht zugänglich ist. 18) Starrabba, doc. II, pp. 47—48. 233

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