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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 231

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Wer war der Orientalist Mithridates?
Date
1935-01-01
Page
Seite 231 (sequence 2)
Language
German
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Umberto Cassuto. Wer war der Orientalist Mithridates? randola und anderen Gelehrten desselben Kreises1) unterhielt, identisch sei mit Jochanan Alemanno, wurde jedoch ohne jeden Grund von Dukas2) und von Brüll3) angenommen. Jedenfalls daß die mit dem Namen Flavius Mithridates oder Mithridates allein bezeichnete Persönlichkeit die gleiche wäre wie der von Münster4) als Autor eines Werkes De tropis hebraeis bezeichnete Raimundus Mithridates, schien außerhalb jeder Diskussion. Zweifel konnten höchstens hinsichtlich seiner Übereinstimmung mit Vuglielmo Mithridates bestehen, der im Jahre 1489 in einem Brief des Sekretärs des Pico5) erwähnt wird, aber eine lateinische Übersetzung der Dicta septem sapientium, die in Köln im Jahre 1485 unter dem Namen des Fl. Guilhelmus Ramundus Mythridates6) veröffentlicht wurde, löst jeden diesbezüglichen Zweifel. Daß ferner Mithridates, Lehrer der orientalischen Sprachen an verschiedenen Orten Deutschlands, mit Guglielmo Raimondo di Moncada, einem von Bartolocci in seiner Bibliotheca magna rabbinica7) erwähnten, zum Christentum übergetretenen Juden, identisch wäre, wurde von Bauch8) zweifellos mit Recht hervorgehoben. Der Name des Mithridates ist augenscheinlich, wie Bauch bemerkt, ein Literatenname, der erdacht worden war, um dadurch die Vielsprachigkeit seines Trägers zu symbolisieren; hinsichtlich des Namens Flavius könnte man, glaube ich, voraussetzen, daß er infolge seines Aufenthaltes in Rom angenommen wurde, weil durch ihn auf einen neuen Flavius Josephus hingewiesen werden sollte, der wie der alte nach Rom gewandert sei, um dort die Kenntnis der hebräischen Sprache und Kultur zu verbreiten. Aber wer war dieser Guglielmo Raimondo Mithridates? Gewiß war er nicht, wie Bauch annimmt, aus einer der Moncada heißenden spanischen Städte gebürtig, dagegen stammte er, wie wir aus einer ihm von R. Starrabba8) gewidmeten Monographie entnehmen, aus Agrigent (damals Girgenti) in Sizilien und nahm den Namen Guglielmo Raimondo Moncada oder Di Moncada gelegentlich seines Übertrittes zum Christentum wahrscheinlich auf Grund des Namens seines Taufpaten an; letzterer soll ein gewisser Guglielmo Raimondo VI. di Moncada, Graf von Ademö, gewesen sein. Wir kennen auch den von ihm selbst in einer seiner Übersetzungen aus dem Arabischen zitierten Namen seines Vaters, Nissim Abu ’l-Faradsch9). Dieser Name ist uns andererseits aus zwei hebräischen Manuskripten bekannt. Die Hs. München 246, eine größtenteils zum persönlichen Gebrauch von Faradsch Nissim ben Schabbetaj, genannt Bu ’l-Faradsch oder Bu M-Faradschi10), abgeschriebene Sammlung von vorwiegend astronomischen und x) Vogelstein-Rieger, Geschichte der Juden in Rom, II, Berlin 1895, S. 75 f.— Cassuto, Gli ebrei a Firenze nelFetä del Rinascimento, Florenz 1918, pp. 299—300, und die dort angegebene Literatur. 2) Dukas, Recherches sur Phistoire litteraire du quinzieme siede, Paris 1876, p. 72. 3) Jahrbücher, III, p. 196. 4) Münster, Opus grammaticum consummatum, Basel 1549, p. 383. — Perles, Beiträge z. Gesch. d. hebr. u. aramäischen Studien, München 1884, S. 195. 5) Berti, Rivista contemporanea, VII (1859), Vol. XVI., pp. 36/37. — Perles, REJ, XII (1886), p. 249. 6) Voullieme, Der Buchdruck Kölns b. z. Ende des 15. Jahrh., Bonn 1903, S. 164. — Bauch, MGWJ XLVIII (1904), S. 477. 7) Vol. IV., p. 255. 8) Guglielmo Raimondo Moncada, bekehrter sizilianischer Jude des 15. Jahrhunderts (in: Archivio storico sidliano, N.S., III., 1878, pp. 15/91). 9) Steinschneider, Hebr. Übersetzungen, S. 559. 10) Diese Form geht aus der hebr. Transkription hervor (Steinschneider, Kat. München, S.93, 2. Ausg., S. 120, hat: „gen. al-Far“). 231

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