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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 228

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Eine Quittungsurkunde in lateinischer und hebräischer Sprache, ausgestellt für Erzbischof Walram von Köln
Date
1935-01-01
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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Adolf Kober. Eine Quittungsurkunde in lateinischer und hebräischer Sprache bräische Urkunde darüber, daß Jutte und Mose vor Joselinus das oben ausführlich gebrachte Zeugnis abgegeben haben. Zur Urkunde selbst einige Worte: An hebräischen Urkunden rabbinischer Gerichtshöfe im Mittelalter ist kein Mangel, da ja die mittelalterlichen Judensatzungen den Juden die Geltung des jüdischen Rechtes für ihre Rechtsverhältnisse in weitgehendem Maße zugestanden haben19). In diesen hebräischen Urkunden, von denen die Kölner hebräischen Schreinsurkunden einen nicht unwesentlichen Bestandteil bilden, handelt es sich in der Hauptsache um jüdische Kontrahenten. Aber wohl in allen Ländern Europas sind während des Mittelalters Kontrakte zwischen Juden und Christen in hebräischer Sprache gefertigt worden20). Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine Privaturkunde. Sie zeigt in ihrer äußeren Form starke Aehnlichkeit mit einer Grazer Urkunde von 138621), ferner mit den zahlreichen Urkunden des 11. und 12. Jahrhunderts aus Barcelona, woselbst sich der Brauch zeigte, die lateinischen Urkunden durch ein Exzerpt in hebräischer Sprache zu ergänzen, durch das der jüdische Kontrahent unter Bezugnahme auf den lateinischen Text den Kontrakt und die von ihm übernommenen Verpflichtungen bestätigt22). Sie ähnelt am meisten den Quittungsurkunden (Quitclaims) der lateinischen und hebräischen „Starrs and Jewish Charters“23) aus dem England des 13. Jahrhunderts. Jedenfalls stellt unsere lateinische und hebräische Privaturkunde eine Seltenheit in Deutschland dar. Sie ist ausgefertigt von Josef, S. d. Isaak Joselin, der 1315—1341 als Angehöriger des Judenrats genannt wird, seit 1333 an erster Stelle die Urkunden des Judenrats unterzeichnet24) und zu den Märtyrern des Jahres 1349 zählt25). Seine Handschrift ist uns aus dem Judenschreinsbuch gut bekannt. Verwimderlicn ist nur, daß nicht auch er die Urkunde besiegelt hat, während doch wiederholt das Siegeln des Judenrates erwähnt wird26). Alles in allem: stellt sich die Verurteilung des Meyer und seines Sohnes im Jahre 1334 als Justizmord heraus, dann würde sein Los ein kleines Vorspiel des tragischen Schicksals bilden, das am Ende der Regierungszeit Walrams im Jahre 1349 über die Kölner Juden hereinbrach. Staatsarchiv Düsseldorf . Urkunde Kurköln Nr. 339 (1337 Dezember 20); 23x1 U/2 cm; Siegel abgerissen. Universis presentes literas visuris et anidituris ego Jutta relicta quondam Meyeri Judei Sybergensis et dictus Moyszyn eius filius notum facimus et tenore presentium recognoscimus, quod reverendus dominus noster dominus Walramus archiepiscopus Coloniensis de omnibus debitis et precipue de mille et quingentis florenis aureis, de quibus dictus Meyer literam suam patentem in vulgari theutonico scriptam habuit, quam invenire non possumus, ipsi domino . . archiepiscopo restituendam, in quibus ipse et ecclesia Coloniensis dicto Meyero nobis seu . . heredibus nostris tenebatur, plene et integraliter satisfecit. De quibus debitis omnibus et singulis ipsum dominum nostrum, . . successores suos et ecclesiam Coloniensem acquitamus ac quitos dimittimus per presentes exceptis debitis, pro quibus ipse noster dominus apud dictum quondam Meyerum nos et nostros heredes pro aliis personis tamquam principalis debitor seu fideiussor existat obligatus. Necnon 19) Vgl. Kober, Grundbuch, S. 25ff.; Fritz Baer, Die Juden im christlichen Spanien, 1. Teil: Urkunden und Regesten I (1929), S. 1044ff. 20) Baer ib., S. 1054 u. Anm. 4. 21) Vgl. Herzog in MGWJ. 72 (1928), S. 163 B u. dazugehörige Fotografie. 22) Baer ib., S. 1055 f. 23) Preserved in the British Museum (hgg. v. The Jewish Historical Society of England von Abrahams, Stokes, Loewe) 2 Vol. 1930. 1932. 24) Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu Köln, hgg. v. Hoeniger-Stern (1888), S. 250. 25) Vgl. Salfeld, Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches (1898), S.84 (Rabbiner Joseph, S. d. Isaak). 26) ib. S. 92,94. 228

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