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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 216

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Juden auf Marstrand
Date
1935-01-01
Page
Seite 216 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Juden auf Marstrand Von Max Freudenthal Die Darstellung der Geschichte der Juden in Deutschland darf ihre Aufgabe nicht auf die in Deutschland selbst seßhaft gebliebenen beschränken, sie muß auch die Einwanderungsgebiete deutscher Juden in fremden Ländern miteinbeziehen. Die Geschichte der deutschen Juden erschöpft sich ebensowenig mit ihrem Aufenthalt in Deutschland wie die der spanisch-portugiesischen Juden mit der Periode ihrer Seßhaftigkeit in ihren alten Heimatländern. Die letzteren waren allerdings durch ihre Vertreibung aus Spanien und Portugal gezwungen, in anderen Ländern zu siedeln, und es war meist der Orient, den sie infolge ihrer engen Verbundenheit mit dem arabischen Volkstum und seiner Kultur aufsuchten, ohne jedoch außerhalb ihrer einstigen Heimat zu besonderer Bedeutung zu gelangen. Nur ihre an Zahl geringen Niederlassungen im Okzident gewannen solche Bedeutung. Die Wanderungen der deutschen Juden hingegen erfolgten freiwillig, da eine wirkliche Vertreibung der Juden aus Deutschland niemals stattgefunden hat, wenn natürlich auch oft genug diese Freiwilligkeit durch den Zwang der äußeren Verhältnisse bedingt war. Ihr Wanderziel war überwiegend nicht der Orient, sehr stark, bekanntlich im Mittelalter, wohl Polen, seit dem 17. Jahrhundert aber immer stärker der Westen und nicht zuletzt die neue Welt Amerikas, in dessen Staaten die Juden deutscher Herkunft politisch, geistig und ökonomisch von so bedeutsamem Einfluß geworden sind. Die größte Bedeutung gewannen diese Einwanderungen erst, seitdem Deutschland für die Juden der ganzen Welt das Mutterland der geistigen Emanzipation, der religiösen Reform und der modernen Wissenschaft des Judentums geworden war. Deutsche Juden waren es auch, die für die Geschichte der Juden in den nordischen Ländern von bestimmendem Einfluß geworden sind. Während meines jetzigen Aufenthaltes in Schweden hat die Geschichte der schwedischen Juden mein besonderes Interesse erweckt. Sie ist in ausgezeichneter wissenschaftlicher Form von Hugo Valentin in seinem Werke „Judarnas historia i Sverige“, Stockholm 1924, mit einem besonderen Urkundenband dargestellt. Eine mehr für populäre Zwecke bestimmte Schilderung gab Eskil Olän in seinem illustrierten Buche „Judarna pä svensk mark“, Stockholm 1924. Ich kann die Darstellung dieser Forscher, der ich folge, durch einige Studien im Landesarchiv zu Göteborg ergänzen, das ich benutzen durfte und dessen Beamten ich für freundliche Unterstützung zu Dank verpflichtet bin1). Schweden blieb lange den Juden verschlossen. Einwanderungsprojekte, die hie und da von jüdischer wie von schwedischer Seite auftauchten, kamen nie zur Ausführung. Die konfessionelle Einheit der lutherischen Bevölkerung sollte die unantastbare Grundlage des Staates bleiben, und so hielt man mit voller Absicht Andersgläubige — nicht bloß Juden — fern. Das Konsistorium hatte ein wachsames Auge darauf, daß diese Praxis auch insgeheim nicht umgangen wurde. Nur der Uebertritt zur Landeskirche konnte den Zugang zum Lande öffnen. Selbst der Hinweis auf die Vorteile, die der Handel durch den Zuzug z. B. spanisch-portugiesischer Juden wie in den Niederlanden gewinnen würde, konnte den Widerstand der Kirche nicht brechen. Erst unter König Gustaf III., der 1771 zur Regierung kam a) Aus den Archivbeständen wurden benutzt: Sammandrag över Götheborgs och Bohus Läns Mantals och Härads Rante Längd 1780 ff. — Marstrands Magistrats Protokolle 1780 ff. — Marstrands Bouppteckningar och arfskiften 1769 ff. — Götheborgs Burskaps Matrikel 1673 ff. — Götheborgs Magistrats Registratur 1783. 216

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