Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Rheinhessen
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
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Paul Lazarus. Zur Geschichte der Juden in Rheinhessen Oppenheim a. Rh. die „Judischheit“ in Oppenheim und einzelne dortige Juden, mit Namen Ysaac, Strolin, Hanelin, Mosslin angeführt3). Als König Ruprecht am 18. Mai 1410 in Oppenheim gestorben war und sein Sohn, Ludwig der Bärtige, als Kurfürst von der Pfalz die Herrschaft über Oppenheim übernahm, blieb die Lage der Juden in Oppenheim, das inzwischen an die Pfalz verpfändet worden war, unverändert Der Rat hielt das Recht, Juden zu halten, sehr hoch, kam den Juden auch nach Möglichkeit entgegen. So war z. B. die Eidesformel, die tun die Mitte des 15. Jahrhunderts abgefaßt worden war, im Vergleich zu den anderswo gebräuchlichen Judeneidformeln noch sehr gelinde4). Die Umständlichkeit der religiösen Formalitäten, die Fluchandrohungen usw. sind in ihr nicht enthalten; denn dem Kurfürsten und der Stadt lag daran, die Juden in Oppenheim zu halten. 1414 wies König Sigismund den Rat der Stadt an, die Juden milde zu behandeln. Ein Versuch, den im Jahre 1422 Hans Candengießer und Henn Drach machten, die Juden in Oppenheim zu erschlagen, scheiterte wirklich an dem Schutz, den der Rat den Juden angedeihen ließ. Man suchte eben auf der einen Seite die Juden den anderen Einwohnern mit gewissen Beschränkungen gleichzustellen; man erneuerte die Bestimmungen des Wormser Judenprivilegs vom Jahre 1236, demzufolge Juden nicht von einem geistlichen oder weltlichen Gericht, sondern nur vom kaiserlichen Gericht selber abgeurteilt werden konnten. Aber anderseits drückte die Steuerlast die Juden sehr schwer. Die Ausrichtung der 27 Burgmannen kostete sie allein schon 250 Fl. jährlich, die Erneuerung der Schutzbriefe, die meistens auf sechs Jahre ausgestellt waren, war auch immer mit großen Kosten verbunden, und alle Bitten der Juden, ihnen auch in dieser Hinsicht zu helfen, blieben im ganzen vergeblich. Am 12. November 1492 wurde der inzwischen an Zahl immer kleiner gewordenen Gemeinde vom Pfalzgrafen Friedrich gestattet, die bisher dort seßhaften Juden auf ein weiteres Jahr dort wohnen zu lassen und neue aufzunehmen, und am 18. November desselben Jahres erlaubte er auf eine Beschwerde der Juden (genannt werden Seligmann und Baruch), daß sie wegen ihrer geringen Zahl die finanziellen Lasten nicht mehr tragen könnten und deshalb die Stadt verlassen müßten, den weiteren Aufenthalt auf ein Jahr5). Manchen Juden wurde sogar die Burgmannensteuer ganz erlassen, so dem eben genannten Seligmann, der am 5. September 1466 einen besonderen Schutzbrief auf sechs Jahre gegen einen jährlichen Zins von 50 FL erhielt, ohne wie die anderen Juden zur Burgmannensteuer herangezogen zu werden. Ebenso wurden noch die Juden Meyer gegen einen jährlichen Zins von 20 FL, Michel und Lukas gegen je 10 Fl. jährlich auf sechs Jahre dort aufgenommen und von der Burgmannensteuer befreit. Auch in späteren Jahrhunderten hörten die Klagen der Juden über die harten Steuerlasten nicht auf. Immer wieder blieben viele von ihnen mit der Zahlung im Rückstände, manche verließen die Stadt; die Gemeinde ging immer mehr zurück. Aus einem Steuerverzeichnis, das im Jahre 1674 der Landschreiber von Oppenheim auf Befehl des Kurfürsten Karl Ludwig eingesandt hatte, ersieht man, daß um diese Zeit wahrscheinlich nur wenige Judenfamilien in Oppenheim wohnten; es werden mehrere Juden genannt, die mit ihrer Steuerzahlung im Rückstand sind, und zwar Liebmann, Moses und Uri. Als Steuereinnehmer werden um dieselbe Zeit erwähnt Samuel und Moses Oppenheim, die in Heidelberg lebten und die Gelder nur schwer beitreiben konnten. Wenige Jahrzehnte später, um 1700, wurden aus Anlaß der Verwüstungen in der Pfalz, der langen Kriegszeit, den Juden wiederum besondere Steuern auferlegt. Die Gemeindevorsteher hatten den Auftrag, diese zunächst aus ihrer eigenen Tasche vorzulegen, um sie dann durch Umlage von den Glaubensgenossen wieder 3) Stern, M., Zur Verbreitung der Juden am Rhein um die Mitte des 15. Jahrhunderts (in: Magazin f. d. Wiss. d. Judentums XV, 1888, S. 154). 4) Abgedr. bei Kayserling, a. a. O. in Frankels Monatsschrift IX, 1860, S.289ff. 5) Vgl. Löwenstein, Juden der Kurpfalz, S. 25. 202