Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Rheinhessen
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 4)
- Language
- German
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Paul Lazarus. Zur Geschichte der Juden in Rheinhessen Oppenheim a. Rh. zu erhalten. Jeder Vorsteher hatte sofort 91 Taler zu zahlen. Damals (1700) war Joseph Vorsteher in Oppenheim. Um 1722 werden 8 jüdische Familien in Oppenheim namhaft gemacht: Michel, Zugeordneter, Abraham, Mendel, Gumpel, Isaak, Benjamin, Simon und Sussmann. Im Jahre 1746 tritt ein Jude aus Oppenheim mit mehreren anderen als „Untergeldeinnehmer“ hervor, Simon Mandel, der dem Obergeldeinnehmer der Landjudenschaft, Aron Seligmann von Leimen, zur Seite stand. Die jüdische Gemeinde in Oppenheim, die im 18. Jahrhundert sich von neuem bilden konnte und 1738: 14, 1765: 10 Familien zählte, muß in früheren Jahrhunderten hoch angesehen gewesen sein; denn es lebte dort um die Mitte des 15. Jahrhunderts der gelehrte R.SeligmannBing der sich nach der Stadt Oppenheim nannte. Er wird übrigens weit häufiger als Sei. Bing, denn als Sei. Oppenheim angeführt und bei Moses Minz (Nr. 21) sogar mit beiden Bezeichnungen erwähnt. Wahrscheinlich ist er in Oppenheim geboren, hielt sich aber auch noch in Andernach und Bingen auf, zeitweise auch in Frankfurt a. M. und vielleicht auch in Nürnberg. R. Seligmann ist es, der auf der Synode zu Bingen (1455/56) eine Regelung der innerjüdischen Verhältnisse durchsetzen wollte, und sich den Widerstand der Gemeinden Worms, Köln, Mainz und Oppenheim zuzog, die sich vor allem gegen seine Tyrannei wandten. In diesem Streit trat R. Israel Isserlein als Schiedsrichter mit aller Entschiedenheit auf die Seite der genannten Gemeinden, wirkte für Einheit und Frieden innerhalb der Gemeinden und die von R. Selig* mann Oppenheim gefaßten Beschlüsse, die für sämtliche rheinischen Gemeinden bindend sein sollten, wurden außer Kraft gesetzt. Neben R. Seligmann werden als G el e hrt e , die entweder aus Oppenheim stammten oder dort lebten oder sich nach dem Ortsnamen ihren Familiennamen gaben, noch genannt: R. Joel O., der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte6) und ein Schüler des R. Meir von Rothenburg war. Etwas später, und zwar als Zeitgenosse des R. Ascher b. Jechiel, wird R. Isaak Oppenheim erwähnt, der wahrscheinlich ein Enkelsohn des Verfassers des Or Sarua war und etwa zu Beginn des 14. Jahrhunderts wirkte7). Um 1421 hielt sich ein R. Chajim in Oppenheim auf, und zur Zeit des Maharil wird eines R. Mänchen Erwähnung getan8). Maharil selbst nennt wiederholt in seinen Responsen einen R. Salman in Oppenheim9), der sein jüngerer Zeitgenosse war10). Zur Zeit des R. Seligmann lebten in Oppenheim noch zwei andere Gelehrte, gegen die sich ein Jude Gottschalk imgebührliche Ausdrücke erlaubt hatte. Eine besondere Anfrage wurde in dieser Angelegenheit an den gelehrten R. Joseph Kolon in Mantua gerichtet (1460—1490). In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wird der fromme und gelehrte Rabbiner R. Nathan Leipnik als geistiger Führer der Gemeinde genannt. Selbstverständlich ist, daß die Juden in Oppenheim ihre Synagoge besaßen; zur Zeit der Pfälzer Herrschaft soll sie ihnen genommen und der Platz den Erbacher Klosterherren geschenkt worden sein. Auch einer Judengasse wird in den Pfälzer Kopialbüchem Ende des 13. Jahrhunderts (1285) Erwähnung getan. Heute kündet eine Tafel mit noch nicht entzifferten hebräischen Schriftzeichen auf einem Grundstück neben dem sog. „gelben Häuschen“ von vergangenen Tagen; es muß der Vermutung Ausdruck gegeben werden, daß sich in unmittelbarer Nähe vielleicht früher eine Synagoge befand. Auch die „Judenschulgasse“ und der von einer Mauer umgrenzte Weinberg, die „Judenschule“, erinnern noch heute daran, daß ehedem auch hier eine Synagoge stand. 6) Magazin f. d. Wiss. d. Judentums I, (1874) Nr. 19, S. 87. 7) Zunz, Zur Gesch. u. Literat., S. 193, und Literaturgesch., S. 458. 8) Wiener, Zur Gesch. d. Familie O. (in: Berliners Magazin I, Nr. 19, S. 81). 9) Monatsschrift XVIII (1869), S. 277. 10) Vgl. S. Levi in Freudenthal-Festschrift, Nürnberger Gemeindeblatt vom 1. 9. 32 und in der Montefiore-Festgabe 1928, S. 92. 203