Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 5)
- Language
- German
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B. Rosenthal. Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft Sorle, Tochter des Simon Wolf Oppenheimer, eine Lebensgefährtin gefunden und war hierdurch mit dem angesehensten jüdischen Hause seiner Zeit in verwandtschaftliche Verbindung getreten. Sein Schwiegervater entstammte einer alten Familie, deren Ahnherr Löw-Juda Oppenheimer z. Hirsch 1531 mit seiner Gattin Edel aus Heidelberg, dem Stammsitze der Familie, nach Frankfurt a. M. gekommen war12). Sein Sohn Mosche z. Schwert verheiratete um 1600 einen seiner Söhne namens Josef Juda Löb nach Worms mit Fromet, dem einzigen Kinde des Samuel Abraham Ballin z. Kandten (Kanne) und dessen Ehefrau Guttrauth. Aus dieser Ehe war Simon Wolf Oppenheimer hervorgegangen13). Sein Vater lebte lange im Hause zur Kanne in Worms, verlegte später seinen Wohnsitz aber wieder nach Frankfurt, wo er und Frau Fromet begraben sind. Simon Wolf heiratete Edel, Tochter des Samuel Drach in Frankfurt und bewohnte dort anfänglich das Haus z. Blume, verlegte aber um 1640 seinen Wohnsitz nach Worms in das elterliche Haus zur Kanne. Durch seine Heirat war er in die Sonderprivilegien inbegriffen, die sein Schwiegervater Samuel Drach schon 1612 von Kaiser Matthias für sich und seine Angehörigen erwirkt hatte und die von den folgenden drei Kaisern stets erneuert wurden14). Bereits 1642 gehörte Simon Wolf dem Vorstande der Wormser Judengemeinde an. Er muß eine interessante Persönlichkeit gewesen sein und stand mit Angehörigen der rheinischen Ritterschaft in ungewöhnlich vertrautem Verkehr. Sein Schwiegersohn Isaak Brilin wurde 1650 Rabbiner in Hammelburg, wo seiner Wirksamkeit 1671 durch die Vertreibung aller Juden aus dem Stifte Fulda ein Ende gemacht wurde. Als Flüchtling kehrte er nach Worms zurück. Vielleicht verdankte er der Empfehlung des damals schon berühmten R. Jair Chajim Bacharach, des Gatten seiner Schwester und dem Einfluß seiner in Heidelberg wohnenden Schwäger Samuel und Moses Oppenheimer seine Berufung nach Mannheim, wo gerade das Rabbinat erledigt war. Hier entfaltete er 1671—1678 eine segensvolle Tätigkeit. Die Gemeinde zählte damals schon mehr als 70 beitragspflichtige Familien. Sorle, Isaaks Gemahlin, die das Wormser15) und Mannheimer Memorbuch16) als seltene Frau preisen, starb bereits 1673, fünf Jahre vor ihrem Gatten. Beide sind auf dem alten jüdischen Friedhofe in Mannheim beerdigt17). Von Simon Wolf Oppenheimers drei Söhnen lebte Abraham, der Vater des berühmten Prager Rabbiners und Bibliophilen David Oppenheimer, im Haus zur Kanne in Worms. Samuel und Moses hatten zwischen 1650 und 1660 in Heidelberg das Schutzbürgerrecht erworben18). Die Rechnung der Gefällverweserei von 1660 verzeichnet eine Einnahme von zwei Gulden von Jud Samuel für ein Kind, „so allhier gestorben und in Worms begraben wurde“19). Im folgenden Jahre zahlte sein Bruder Moses den gleichen Betrag für Ueberführung der Leiche seiner Frau20), die ebenfalls in Worms bestattet wurde, obwohl sich im 12) Dietz: Stammbuch der Frankfurter Juden, S. 211. Ueber die Vorfahren Simon Wolf Oppenheimers vgl. Ahnentafel des kaiserl. Oberhoffaktors Samuel Oppenheimer. 1S) Stadtarch. Worms: Conv. 2024 (Visitationen der Häuser in der Judengasse betr.). 14) B. Rosenthal: Der kaiserliche Oberhoffaktor Samuel Oppenheimer, ein Frankfurter Kind (Frankfurter Isr. Gem.-Bl. XI, 4). 15) Wormser Memorbuch 18. 16) Mannheimer Mem.-Buch, 9 a, 2. 17) Näheres über Isaak Brilin s. B. Rosenthal: Der Mannheimer Rabbiner Isaak Brilin (Isr. Gem.-Bl. Mannheim X, 8). 18) Eine Tochter Simon Wolfs, deren Name unbekannt ist, war in Wien verheiratet. Die Mannheimer Ratsprotokolle von 1673 berichten von einem Moses Ries aus Wien, der sich in Mannheim niederließ und für den seine beiden Onkel Samuel und Moses Oppenheimer in Heidelberg hinsichtlich der Baupflicht Bürgschaft leisteten. 19) Bad. Gen.-Landesarch.: Pfalz Gen. 2881. 20) Bestätigt wird diese Notiz durch Epitaph-Worms 1009, wonach am 19. Schewat 5421 in Heidelberg Vögelin Oppenheimer, Tochter des Vorstehers Jechiel O. (aus der Familie Unna), als Wöchnerin starb. Demnach wäre Moses O. in erster Ehe mit der Schwester seiner zweiten Gattin Hendel verheiratet gewesen (Wachstein a. a. O., II., 3.) 196