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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 193

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft
Date
1935-01-01
Page
Seite 193 (sequence 2)
Language
German
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B. Rosenthal. Beziehungen zwischen der Wormser und der Mannheimer Judenschaft wägungen Anschluß bei der damals stattlicheren Schwesterngemeinde, in der eine alte Tradition bestand. Wie aber häufig im Leben, wuchs die jüngere Schwester im Laufe der Jahre über die sie betreuende ältere hinaus und schlug eigene Wege ein. Dem Wormser Friedhofe ist überhaupt die erste Kunde von Juden in Mannheim zu verdanken. Am Donnerstag, den 27. Ab 5382 (5. August 1622), starb, wie das Wormser Memorbuch berichtet, in Mannheim R. David bar Chajim und wurde am darauffolgenden Sonntag in Worms bestattet. Seine Söhne spendeten dem Wormser Hekdesch 15 fl.1). Das Grüne Buch enthält über diesen Todesfall folgenden Vermerk2): „Der Vornehme R. David aus Battelburn (Paderborn), der in Redelsee3) gefangen genommen worden war, starb in der Stadt Manen4). Seine Leiche wurde am Sabbat zu Schiff hierhergebracht und am nächsten Tag, am ersten Neumondstage des Elul 5382, mit großer Ehre begraben. Der Verstorbene gehörte der Familie Tamar an.“ Es handelte sich also um keinen in Mannheim ansässig gewesenen Glaubensbruder — Juden haben damals in dieser Stadt noch nicht gewohnt —, sondern um einen durch Soldaten dahin Verschleppten. Es war gerade in der Zeit, in der Tillys Truppen ihren Einmarsch in die Kurpfalz unternahmen, um das Land des. geächteten Winterkönigs und Kurfürsten Friedrich V. für die bayerischen Wittelsbacher zu erobern. Dauernd konnten sich Juden in der Kurpfalz erst nach Beendigung des 30jährigen Krieges niederlassen, als Kurfürst Karl Ludwig begann, das durch wiederholte Verheerungen schwer heimgesuchte Land wieder aufzurichten und zu besiedeln. Schon 1651 wurden mit der Wormser Judenschaft Verhandlungen wegen des Geleitwesens gepflogen, dessen Pächterin sie vor dem Kriege lange Zeit gewesen war5 6). Am 1. August 1651 wurde die erste Geleitkonzession zwischen beiden Partnern abgeschlossen und am 12. Juli 1652 auf weitere zwei Jahre in der Weise verlängert, „daß genannte Judenschaft im Kurfürstentum der Pfalzgrafenschaft am Rhein, soweit deren Geleit geht, frei und sicher zu Wasser und zu Land vergleitet werde also, daß sie ihrer Gelegenheit und Notdurft nach zur Verrichtung ihrer Geschäfte und ehrlichen Handels die Wege und Straßen des Landes mit Durchreisen gebrauchen, wenn sie die Nacht betrifft, herbergen und in ihren nötigen Geschäften bis drei Tage, wo sie also zu tim, verharren mögen“0). Ganz besonders war es dem Kurfürsten darum zu tun, daß „in Ansehung des jetzigen verderbten Zustandes des Landes, auch bekannten Mangels an Vieh, Pferd und Hausrat ihnen (den Juden) während der zwei Jahre vergönnt sei, gute Pferde, tüchtiges Rindvieh und allerhand Hausrat in die Pfalz zu bringen, solches darin zu verhandeln und zu solchem Ende die öffentlichen Jahr- und Wochenmärkte zu besuchen“7). Hand in Hand mit der Durchreise- und Handelserlaubnis gingen Dauerniederlassungen. So entstanden nach 1650 in vielen Orten der 4) MBW (= Wormser Memorbuch), S. 10 nach der von A. Berliner besorgten Edition in Kobez al Jad III. 2) Vgl. D. Kaufmann: Sefer hamilluim usw. Kobez al Jad IX. S. 9. 3) Wahrscheinlich Rödelsee bei Kitzingen a. M. 4) Der Umstand, daß in beiden Einträgen der Name des Verstorbenen und der Beerdigungstag übereinstimmen, berechtigt, Manen als Mannheim anzusehen. 5) Vgl. L. Löwenstein: Geschichte der Juden in der Kurpfalz, S. 26, 70,290ff. 6) Badisches General-Landesarchiv: Pfalz Gen. 2907. 7) Das.

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