Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 4)
- Language
- German
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J. Kiefer. Das Museuin der israelitischen Gemeinde Worms statt kamen zwei Torarollen in den Jahren 1643 und 1650; einige wurden nach dem Stadtbrand bzw. der Wiederherstellung der Synagoge 1689 gestiftet. Im 18. Jahrhundert werden die Granatäpfel durch kleine Türmchen mit vier oder sechs Säulchen und einer Glocke im Innern ersetzt. Sie sind die Vorläufer des jetzt vielfach vorkommenden abnehmbaren Toraschmuckes mit Glöckchenanordnungen. Die beredeste Sprache für das hohe Alter und Ansehen der Gemeinde, ihre Geschichte und ihre Tradition sprechen die vielen vorhandenen Dokumente. Zahlreich sind die kaiserlichen Privilegien, sowie die Schutz- und Geleitbriefe der jeweiligen Machthaber. Andererseits weisen Vergleiche, Schuldurkunden u. dgl. auf die Plagen und Sorgen unserer Vorfahren hin. Das älteste Privileg, das sich im Original im Besitz der Gemeinde befindet, ist das des Kaisers Karl V., gegeben zu Augsburg 1551, ein großes Pergamentblatt mit großem Siegel an goldener Schnur. Ihm reihen sich an die Briefe der Kaiser Ferdinand 1562, Kaiser Maximilian II. 1566, Kaiser Matthias 1617, Leopold 1701, Joseph 1707, Karl VI. 1714, Karl VII. 1742, Kaiser Franz 1746, Kaiser Joseph II. 1766. Aus den übrigen Dokumenten seien genannt: ein Geleitbrief von Karl Pfalzgraf bei Rhein, gegeben 1686 zu Heidelberg, mit dem gegen Zahlung von 10 000 Gulden und 600 Gulden Kanzleikosten das Geleit auf weitere drei Jahre verlängert wird; Schutzbriefe des General-Kommissars von Bogmer, gegeben zu Philippsburg 1637; des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, gegeben zu Landau 1702; des Marschalls Adrien Maurice Duc de Voailles, gegeben zu Worms 1734; des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, gegeben zu Winnenden 1735; eine Judenordnung dar Stadt Worms in Buchform mit Siegel an gelbseidener Schnur 1552; Kopialbücher, den gesamten Schriftwechsel zwischen Gemeinde und Stadt aus Anlaß der Geschehnisse des Jahres 1615 enthaltend, und eine Gemeindeordming von 1728. Eine Schuldurkunde auf großem Pergamentblatt über 1200 Gulden, Darlehen des Herrn Dechanten und CapituI des Collegial-Stiftes zu St. Andrae ist von sechs Vorstehern unterschrieben und trägt deren Siegel in anhängenden Holzkapseln. Aehnliche Schuldanerkenntnisse liegen aus den Jahren 1660, 1679, 1704, 1705, 1718, 1721 usw. vor. Zwei Gewerbearten wurden von Juden besonders meisterhaft beherrscht. Zunächst ist es das seit ältesten Zeiten betriebene Handwerk der Petschierstecher, das auch fast ununterbrochen in Worms gut vertreten war, ebenso das Gewerbe der Goldsticker. Eine ganze Anzahl meisterhaft gestickter Vorhänge nennt das Museum sein Eigen. Der älteste Toraschrein Vorhang, zugleich der älteste bekannte in Deutschland, wurde 1678 verfertigt (der Spiegel wurde später erneuert). Höchste Vollendung der Stickkunst zeigt der Vorhang, den Seckel Neuburg 1698 stiftete. Löb Segall Sinsheim in Wien schenkte 1737 einen Vorhang, der nicht nur in seiner Ausführung schön ist, sondern sich obendrein durch kostbaren Brokat auszeichnet. An Vorhängen für besondere Tage sind in erster Linie zu nennen ein Vorhang mit gestickten Säulen, im Anklang an die Tempelsäulen, für die Rosch chodesch Tage, als Geschenk 1744 überwiesen, ferner ein Seidenvorhang mit aufgesticktem Gebet für die Tage, an denen Beschneidungen stattfanden, gespendet von einem besonders berühmt gewordenen Sohn der Gemeinde, dem späteren Rabbiner in Prag David Oppenheim, dessen hervorragende Bibliothek die Bodleiana zu Oxford ziert, endlich ein Seiden Vorhang, den der schon genannte Verein Chevvra kadischa 1706 für Trauungen arbeiten ließ. Verhältnismäßig gering sind Abbildungen von Synagoge und Gemeindebauten vorhanden. Das älteste Bild der Synagoge um 1830 ist erst bei Auflösung der alten Sammlung eines ehemaligen Galerieinspektors im vergangenen Jahre aufgetaucht. Es ist ein kleines Kunstwerk in Aquarellmalerei und zeigt den stimmungsvollen Innenraum mit dem leider 1841 abgebrochenen schönen Almemor. Eine Lithografie des jüdischen Zeichners Abraham Neu aus dem 185