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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 184

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 184 (sequence 3)
Language
German
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J. Kiefer. Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms Frankfurt kam, ebenso erschien ein solcher für die Selichot 1732 aus Sulzbach. Für den Vorbeter bestimmt, wurde ein Exemplar der letzteren auf Pergament gedruckt, das gut erhalten vorhanden ist. Mit dem seltenen Bücherschatz wetteifern im Hinweis auf die Bedeutung der alten Gemeinde und ihrer Einrichtungen die ausgestellten Silbergeräte. Ein herrlicher Renaissance-Pokal mit der Jahreszahl 1609 ist Eigentum der „Chewra kadischa“, des ältesten jüdischen Vereins, dessen Gründung zweifellos auf die Frühzeit der Gemeinde zurückgeht. Einheimische Handwerkskunst bezeugt eine 1686, im Aufbau zierlich und ansprechend gefertigte Weinkanne, die zugleich eines der ältesten Stücke Wormser Silberschmiedearbeit darstellt. Prächtig ist ein Weinkrug, der 1710 aus einem älteren gefertigt wurde, und imponierend reihen sich ihm zwei 25 cm hohe Becher mit sechsseitigen Kuppas an, die ebenfalls dem genannten Verein gehören. Alle Flächen der Becher sind über und über mit Inschriften bedeckt, die uns eine ganze Reihe Namen jener Männer übermitteln, die Träger der Geschichte der Wormser Gemeinde waren, und derer zu gedenken, nicht nur im Augenblicke, sondern für alle Zeiten Veranlassung vorliegt. Der ältere der Becher ist in Nürnberg 1712 von dem bekannten Meister Joh. Phil. Höflich gearbeitet worden. Nach einleitender Widmung steht an erster Stelle: „Der große Gaon, Vorsitzender des Gerichtshofes, der hervorragende Rabbiner Samson Wertheim.“ Sicher war dieser bedeutende in Worms geborene und später in Wien als kaiserlicher Hoffaktor tätige Mann der Stifter dieses Bechers. Auf dem gleichartigen zweiten Becher lautet die Ueberschrift: „Roch chodesch Adar 1736.“ Er ist nicht ganz so kunstvoll gearbeitet wie der andere; da aber Meister- und Beschauzeichen fehlen, darf man daraus schließen, daß ihn ein jüdischer Handwerker angefertigt hat. Ein kleineres Becherpaar, das für den Kiddusch bei Trauungen benutzt wurde, ist Augsburger Arbeit um 1800. Aus den Werkstätten dieser für Silberschmiede bedeutenden Stadt ist ferner ein formschönes Waschgerät für Priester (um 1700), die an Festtagen, bevor sie den Segen über die Gemeinde sprechen, unter Assistenz der Leviten eine Händewaschung vornehmen. Zu den Silbergeräten, die bevorzugt gestiftet wurden, gehören die Toraschilde, die meistens rechteckige Formen haben und als Schmuck Kronen, Löwen und Säulen — im Anklang an die Tempelsäulen Jachin und Boas — tragen und in der Regel mit einer Widmung des Stifters versehen sind. Ein Toraschild fällt durch seine Größe und kunstgerechte Ausführung besonders auf. Keinerlei Widmung ist auf ihm angebracht; nehmen wir aber den Weg über den Verfertiger — es war wiederum der 1722 in Nürnberg verstorbene Meister Höflich —, so haben wir keinen anderen als unseren berühmten Wormser Landsmann Samson Wertheimer als Stifter anzusprechen. Zwei Toraschilde sind im frühen 18. Jahrhundert von Wormser Meistern, eines von dem jüdischen Silberschmied Langenbach geschaffen worden. Von ihm sei auch eine zierliche Gewürzbüchse erwähnt, die im Verein mit einer solchen aus Zinn und einer silbernen in Türmchenform das Wormser Beschauzeichen tragen. Interessanter Silberschmuck findet sich sodann an einer ganzen Anzahl Torarollen, von denen die Gemeinde über 30 Exemplare besitzt. Der Nichtkenner kann sich hier ein Bild davon machen, welchen Wandlungen dieser Toraschmuck im Laufe der Zeiten unterworfen war. Die älteste der Torarollen, auf Hirschleder geschrieben, soll den berühmten Meir von Rothenburg zum Schreiber haben, der 1293 sein Leben in Ensisheim in Gefangenschaft beschloß und später auf dem Wormser Friedhof seine letzte Ruhe fand. Durch Schriftvergleiche läßt sich feststellen, daß diese Tora aus dem 13. Jahrhundert stammt. Weit jüngeren Alters sind ihre schönen silbernen Aufsätze „Rimonim“ (wörtlich „Granatäpfel“) genannt, wiederum Wormser Arbeit etwa aus der Zeit um 1800. Unter Hinweis auf das schon Gesagte sei erklärt, daß vor dem 16. Jahrhundert die Torarollen lediglich, ähnlich den Megillot, auf einen Stab gerollt wurden und daß erst bei einer Instandsetzung dieser Tora um 1800 die jetzigen Rimonim eingefügt worden sind. Nach der Einführung von zwei Torastäben — Ez chaim — waren die silbernen Verzierungen stets fest mit den Holzunterlagen verbunden, und in der Regel endete die Spitze in einem Granatapfel. Solche Arten sind hier mehrfach vertreten. Aus gleicher Werk- 184

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