Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2259275-2259298-2259301-2261879--243-2262006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
J. Kiefer. Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms Jahre 1839 behandelt in einfacherer Manier dasselbe Motiv, daneben aber auch den Frauenbau und, wie dieser mit dem Männerbau verbunden war. Aus fünf kleinen Fenstern und einer kleinen Tür bestand diese Verbindung. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, wie bei solcher Abgeschlossenheit der Gottesdienst der Frauen mit dem der Männer Schritt halten konnte. Auf diese Frage geben eine Anzahl Grabsteine des alten Friedhofs eine Antwort. Mindestens zeitweise waren nach den Epitaphien Vorbeterinnen tätig, die, wie es heißt, „mit wohllautender Stimme die Gebete bei den Frauen vortrugen“. Unter diesen Grabsteinen ist auch jener, der der bei Errichtung der Frauensynagoge erstmals tätig gewesenen Vorbeterin gewidmet wurde. Durch die erwähnte kleine Tür brachte die Gevatterin das Knäblein zur Beschneidung nach der Männersynagoge, in welcher dieser Akt bis zu unseren Zeiten vorgenommen worden ist. Die dabei benützten schön geschnitzten beiden Beschneidungsstühle aus dem Jahre 1717, wohl die schönsten ihrer Art, gehören ebenfalls zu den bemerkenswertesten Stücken des Museums. Außer diesen seien an solchen abschließend noch folgende erwähnt: eine Sammlung von über 600 Wimpeln von 1570 an. Sie sind fast durchwegs schön bestickt, oft mit dem Wappen des bewohnten Hauses, sie zeigen wie die Vorfahren es verstanden, feinstes Leinen zu spinnen, und geben wertvolle Aufschlüsse für die Genealogie alter Familien. Die Chaliza-Schuhe aus dem 18. Jahrhundert wurden bei der Zeremonie, die im Vorhof zur Synagoge vorgenommen wurde, gebraucht. Eine Wandmenorah aus Ton 1790 bezieht ihre Seltenheit aus ihrer Einfachheit. Eine Menorah aus Gelbguß 18. Jahrhundert mit schön profiliertem Glockenfuß entstammt der Klaus- Synagoge. Ein Waschgefäß aus Kupfer zum Kippen (16. Jahrhundert), das im Vorhof den Händewaschungen diente. Endlich seien die mit der Synagoge örtlich verbundenen Stücke erwähnt: Die besonders große Menorah, dem Tempelleuchter nachgebildet und 1656 gestiftet; die Beleuchtungskörper aus der Renaissance- und Barockzeit, mit der auffallenden Tatsache, daß bei der Bekrönung einiger Zeus auf einem Adler reitet (Zeus als Gott des Lichtes), und die eiserne Türe zum heiligen Schreine, wohl das älteste Stück Wormser Kunstschmiedearbeit und wahrscheinlich um 1350 entstanden. Würde es den Rahmen dieser Arbeit nicht überschreiten, so wären noch manche seltene und schöne Dinge zu nennen und noch vieles mehr über Zweck, Herkunft und Stifter zu sagen. Das hier Niedergelegte mag genügen, um es in der Liebe zur Gemeinde unseren Vorfahren gleich zu tun, die deren Ansehen förderten, ihre Bedeutung mehrten und ihr den Namen eintrugen „Kehillo kedoscho wermeise“ — Heilige Gemeinde Worms. 186