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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 183

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 183 (sequence 2)
Language
German
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J. Kiefer. Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms der Gemeinde gewählten Judenrats 1312 geschaffen. Gernsheim war der letzte mit diesem Titel ausgezeichnete Vorsteher der Gemeinde, der von dieser Stube aus ihre Geschicke lenkte. Wohl die kostbarste Zierde der Sammlung ist das zweibändige Machsor des Simcha ben Jehuda, das dieser für seinen Onkel im Jahre 1272 innerhalb 44 Wochen herstellte. Dieses bedeutsame Werk zeichnet sich durch gute Erhaltung aus, außerdem durch Gestaltungsfreude und charakteristische Formanwendungen, die einesteils aus jüdischen Vorstellungen hervorgegangen sind, andemteils aber auch weltliche Darstellungen bieten, und zwar so, wie sie nur in wenigen Ueberlieferungen vorhanden sind. Anmutige Initialen, architektonische und Pflanzenornamente, phantastische Tierfiguren und geschickte Verschnörkelungen wechseln ab mit den jüdischen Symbolen der Kraft, der Tugend und der Hoheit des Lebens. Besonders auffallend ist die Darstellung der Personen mit Vogelgesichtem, wohl auf das Verbot 2. Mos. Kap. 20, 4 zurückgehend. Für Worms als Herstellungsort des Machsors spricht ein Blatt mit zwischen zwei Türmen im Halbkreis geschlossenem Portal und einem Fries von drachenartigen Tierfiguren. In auffallend ähnlicher Ausführung findet sich ein gleicher Fries am Portal der Martinskirche, bis zu welcher die Siedelung der Juden sich damals hinzog. Ein anderes Blatt zeigt romanische Sitzmöbel und einen Webstuhl; wieder ein anderes, das auf den Monat Nissan Bezug nimmt, ein großes Aleph, auf dessen Schrägbalken der Name des Onkels „Baruch ben Isak“ steht. Erwähnenswert unter den vielen Illustrationen sind außerdem ein Drachen im Anklang an den des Wormser Wappens; eine Hasenjagd beim Kiddusch der Feiertage, die auf einen Samstagabend fallen; Mond und Stern bei einem poetischen Abschnitt für den Monat Nissan; im Anschluß eines Textes der auf die Braut Bezug nimmt, eine Trauungszeremonie, bei der die männlichen Personen spitze Judenhüte tragen; eine Darstellung des Matzenbackens; ferner auf fünf Seiten die 12 Zeichen der Ekliptik, jedesmal unterbrochen durch Zwischenbilder die analog dem Tal-Gebete sich auf die Produkte der verschiedenen Monate beziehen. Von besonderen Büchern sind außerdem zu erwähnen, das von Simon Eggenfelder 1452 geschriebene Gebetbuch, ein um 1500 entstandenes Psalmenbuch, sowie Memor- und Minhagbücher. Das konstante Verbleiben der Wormser Juden an ihrem Wohnorte hatte zur Folge, daß sich die alten Gebräuche und Gebetsordnungen bis zum heutigen Tage forterbten, abweichend von denen aller übrigen Gemeinden, und bemerkenswerterweise selbst von den der benachbarten gleichaltrigen Gemeinde Mainz. Nach den Zusammenfassungen des Liwa Kirchheim im 16. Jahrhundert schrieb sie Juspa Schammes ab, der 1624 von Fulda nach Worms kam und hier Gemeindeschreiber wurde. Er verfaßte außerdem das Maase Nissim Buch, das alle Sagen und Wunder enthält, die sich in Worms zugetragen haben sollen und die ihm in der Hauptsache Elia Loanz, ein dafür besonders geeignet gewesener Interpret, übermittelt hatte. Von Juspas Söhnen herausgegeben, erlebte das Buch fünf Auflagen, wovon je ein Exemplar, in Frankfurt 1767 und Offenbach 1771 erschienen, sich bei unseren Sammlungen befinden. Alle wichtigen Begebenheiten wurden in dafür bestimmte Bücher eingetragen, das „Grüne Buch“ enthält solche von 1563 an, in anderen sind lediglich Verkäufe und dergleichen protokolliert. In einem kleineren Büchlein befindet sich ein Verzeichnis der Häuser und Plätze, ein anderes enthält die Spenden, die zum Aufbau der Synagoge nach dem großen Stadtbrande 1689 gesammelt worden sind. Viele sonstige handgeschriebene Bücher, Toten- und Beschneidungsgebete enthaltend, füllen die Vitrinen; aber auch bemerkenswerte gedruckte Bücher reihen sich ihnen an. So werden in Worms an den Roschhaschono-Tagen Maarowis gebetet, für die ein Sonderdruck 1714 aus 183

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