Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 1)
- Language
- German
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Das Museum der israelitischen Gemeinde Worms Von J. Kiefer Nach folgenschweren Ereignissen im Jahre 1615, bei denen die Mauern der Synagoge fast bis zur Höhe des schönen Eingangportals niedergelegt waren, beseitigten unsere Vorfahren alle vorhanden gewesenen Schäden, und zwar, wie die Chronik berichtet, mit stolzem Eifer und unter Beihilfe selbst der Frauen und Kinder, die das Wasser zur Mörtelbereitung beitrugen. In ein neues Gewand kleideten sie den heiligen Schrein, gaben dem in gotischem Maßwerk erbauten Almemor sein prächtiges Aeußere wieder, erneuerten das Bethaus, das einst Raschi und seine bedeutenden Lehrer in seinen Mauern sah, und erweiterten außerdem den Frauenbau durch eine Vorhalle mit einer Gemeindestube im oberen Stockwerk. Dieser Raum, der ehemals weitverästelten Verwaltung dienend, atmet noch die gute alte Zeit. Alles ist erhalten geblieben; in die Wand eingelassene Aktenschränke mit eisernen Sicherungen, der Aufbewahrung wichtiger Urkunden und Privilegien geistlicher und weltlicher Fürsten Vorbehalten gewesen; andere für die Verwaltungs-, Copial- und Rechnungsbücher bestimmt, letztere sind fast lückenlos seit dem 18. Jahrhundert vorhanden; verschließbare Schubladen beherbergten die silbernen Kultgeräte und Steuergelder, Bänke an einer Längswand laden wie früher den Verweilenden zum Sitzen ein, der gescheuerte Fußboden knirscht wie ehedem, und die Türe mit einem höchst kunstvoll gearbeiteten Schloß legt Zeugnis dafür ab, daß Handwerkskunst in Worms zuhause war. In dieser alten Gemeindestube ist das Museum untergebracht. Nicht allzu groß ist der Raum; nicht alles kann er fassen, was die bewegte Geschichte der Gemeinde durch stumme Zeugen zu künden in der Lage wäre, aber betritt man ihn mit seiner schönen Sammlung, die nur Stücke enthält, die mit der Gemeinde aufs innigste verknüpft sind, dann fühlt man sich in eine andere Welt versetzt, in die Zeit engster Verbundenheit aller Juden. Einem Wunder gleich, sitzt das einzige erhalten gebliebene Fenster der Frauensynagoge aus ursprünglichster Zeit im Aufgang zum Museum; hier sind außerdem alle Steinreste der Synagoge aus romanischer Zeit, solche des vormaligen heiligen Schreines, des leider im Jahre 1841 abgebrochenen schönen Almemors, und verschiedene alte Grabsteine, die vom Friedhof gewaltsam entfernt und bei profanen Bauten verwendet waren, ausgestellt. Im Museum selbst lenkt das Bild des Judenbischofs Michael Gernsheim den Blick auf sich. Dieser Titel wurde in einem Vertrag mit dem Wormser Bischof Emmerich für den Vorsitzenden des aus 12 angesehenen Mitgliedern 182