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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 180

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Aus dem Leben der alten Judengemeinde zu Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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Jsaak Holzer» Aus dem Leben der alten Judengemeinde zu Worms Bräutigams gehalten, der selbst dasHawdalagebet vortragen muß. Braut und Bräutigam werden bei Fackelzug ins Tanzhaus geführt, wo sowohl die Frauen als auch die Männer Reigentänze aufführen, und unter Gesang des Jigdal heimgeleitet. Einweihung einer Torarolle. Ein Tag höchster seelischer Erhebung war in der alten Judengemeinde zu Worms der Tag der Einweihung einer neuen Torarolle. Einen solchen schildert Juspa als Augenzeuge und Teilnehmer des Festes. Der Vorsteher David Oppenheim, der Stifter der Raschikapeile, des Almemors und des Wärterhauses auf dem Friedhof hat in demselben Jahre 1624 der Synagoge eine neue Torarolle gestiftet. An einem Sabbat im Spätherbst wurde sie in feierlichem Festzuge in die Synagoge eingeführt. Am Abend vorher wurde die Tora im schönsten Zimmer seines Hauses aufgestellt, das zu diesem Zwecke mit kostbaren Gefäßen geschmückt, mit silbernen Lampen erhellt und mit duftenden Blumen und Spezereien verschönt war. Die ganze Nacht hindurch saßen hier die Jünger des Lehrhauses, die Bachurim, mit dem Studium der Gotteslehre beschäftigt. Am Morgen des Sabbats versammelte sich die Gemeinde vor dem Hause des Stifters, und der feierliche Festzug konnte beginnen. Der ganze Weg, auf dem die Tora zur Synagoge getragen werden sollte, war mit frischen Pflanzen und Kräutern bestreut. Unter einem Baldachin, zu dem der schönste Vorhang der „Heiligen Lade“, der „Vorhang von Eger“, hergerichtet worden war und der von den zwölf Vorstehern der' Gemeinde an 12 Stangen getragen wurde, trat der Stifter mit der Torarolle im Arm. Nun setzte sich der Zug in Bewegung. Von allen Teilnehmern würde unter Leitung des Vorbeters und seines Chors ein Lied gesungen, das der Bruder des Stifters, der gelehrte Rabbi Wolf, zu diesem Zwecke gedichtet hatte. Die Träger des Baldachins lösten sich mit anderen so lange ab, bis sämtliche Mitglieder der Gemeinde dieser Ehre teilhaftig geworden waren. Auch im Tragen der Torarolle wechselte der Stifter mit den anwesenden Rabbinern und Gelehrten der Gemeinde ab, die ehrenhalber von ihm hierzu aufgefordert worden waren. Vor der Synagoge angelangt, ergriffen die Vorsteher wieder den Baldachin und geleiteten die Tora unter dem Jubel der Versammelten und unter Gesängen des Chors in den Heiligen Schrein. Mehr als sonst waren die Gebetstücke von Gesängen durchzogen, so daß der Gottesdienst wie ein dauernder, sich stetig steigernder Gesang erschien. Am Nachmittag wurde im Hause des Spenders ein Festmahl gehalten, zu dem alle Gelehrten, aber auch sonstige Gemeindeangehörige eingeladen wurden, und das durch einen Vortrag des damals in Worms lebenden, später berühmt gewordenen Rabbiners Meir Schiff verschönt wurde. Vorstandswahl. Seit dem 11. Jahrhundert sehen wir an der Spitze der Gemeindeverwaltung in Worms 12 Vorsteher, Parnassim, die abwechselnd je einen Monat die Gemeindegeschäfte versehen. Der Dienstälteste trägt den Titel Judenbischof. Er führt den Vorsitz im Gemeinderat und ist der Rangälteste. Jeder Neugewählte muß für die Bestätigung seiner Wahl dem Bischof von Worms eine gesetzlich vorgeschriebene Gebühr entrichten. Nach der Judenordnung des Bischofs Emerich vom Jahr 1312 beträgt sie 60 Pfund Heller. Die Gebühr für die Bestätigung der Wahl zum Judenbischof beträgt 20 Pfund Wormser Pfennig. Die Wahl zum Pamess, die auf Lebenszeit erfolgt, findet in der Weise statt, daß nach dem Ausscheiden eines Mitgliedes, sei es durch Tod oder Fortzug, die übrigen Parnassim durch Stimmzettel, die von dem Judenbischof gesammelt und «rönnet werden, eine Nachwahl mit Stimmenmehrheit vornehmen. Nach erfolgter Wahl wird der Synagogendiener sofort ins Haus des Gewählten entsandt, um {180

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