Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Der Wormser Reichsrabbiner Anselm
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
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Moritz Stern. Oer Wormser Reichsrabbiner Anselm In der Liste der Kölner Judenaufnahmen des Jahres 1414 wird Anselm nicht mehr erwähnt. Er hatte sich bereits vorher in Frankfurt a. M. niedergelassen. 1412 figuriert er dort als Judenmeister „Anshelm, Vifs Sohn von Colne“, dessen Steuer von 24 auf 60 Gld. gesteigert werden soll59). Im Jahre darauf fehlt sein Name unter den zinszahlenden Frankfurter Juden60). Er war also 1413 dort nicht mehr ansässig. Wann und von wo er seinen Wohnsitz nach Regensburg verlegte, ist bisher unbekannt. Hier ist er uns 1429 und 1430 als Rabbiner begegnet. 1435 erscheint an seiner Stelle in Regensburg Nasse von Ingolstadt. Damit stimmt überein, daß gerade in diesem Jahre Anselms Wirksamkeit in Worms nachweisbar ist. NachWorms finden wir Anselm zum zweiten Male in Regensburg. Er ist61) der b"D b'lMK *rnö D2n, der bereits in Regensburg lehrte, als Israel Brünn dorthin kam und diesem rabbinische Funktionen verwehrte62). In dem zwischen Anschel und Israel entstandenen Zwist traten für letzteren die Rabbiner Jakob Weil63), David Sprinz64) und Israel Isserlein65) in Schreiben an den Regensburger Gemeindevorstand ein66). Dieser hatte sich bei dem Streite passiv verhalten, beide Gelehrten als Privatleute behandelt und zur Steuer herangezogen67). Anschel hatte als Magister ein Lehrhaus wie später Israel; seine Jeschiwa besuchten u. a. Joseph68) aus Höchstädt, der Verfasser des Leket Joscher, und Simon69), der Sohn des Meharil. Bei Israel Brünns Ankunft stand Anschel in hohem Alter, Isserlein nennt ihn in seinem Briefe an die Regensburger Gemeinde: U'ET'n™). Seine letzten Lebensjahre verbrachte Anschel (Anselm) in Andernach und wahrscheinlich in Frankfurt a. M. Im Resp. Moses Mainz71) Nr. 49 zum Schluß erzählt Seligman Levi Zijjon aus seinem früheren Rabbinat in Andernach, daß er dort zusammen mit dem „alten Rabbiner Anschel Levi aus Köln“ eine halachische Frage entschied. Wann lebte Seligman in Andernach? Am 3. Februar 1441 gab er dort seine Zustimmung zum Verkauf eines Stück Landes72). Auch 1445 ist er noch dort; denn er schoß damals 140 Gld. vor, als die erzstiftkölnische Judenschaft für den Erzbischof von Köln bei dem Juden Aschar (Ascher) in Bonn 1040 Gld. und ebenso die Judenschaft in Andernach für den Erz- Kölner Rabbi Soeskint (Süßkind, Jekutiel) und des Mainzer Meharil. Bei dieser Gelegenheit sei der Name des Kölner Rabbi richtig gestellt. Weyden, Geschichte der Juden in Köln, S. 338—339, und Brisch a. a. O. nennen ihn irrig Pruno Soeskindt. Für Pruno ist in der Handschrift Primo (erstens) zu lesen. 59) Bücher, Die Bevölkerung von Frankfurt a. M., S. 543 Anm. 3. 60) Nach Mitteilung des Archivdirektors Dr. Ruppersberg in Frankfurt a. M. 61) Güdemann III, S. 43 bestreitet die Identität mit dem Reichsrabbiner. Ihm war unbekannt, daß auch der Regensburger Anschel aus Köln stammte. 62) Resp. Israel Brünn Nr. 253, Jakob Weil Nr. 151. 63) Jakob Weil a. a. O. Isserlein, Resp. (Peßakim) Nr. 126. 64) Isserlein, Resp. Nr. 127. €5) Isserlein, Resp. Nr. 128. 66) Wie Israel Brünn angibt, traten auch französische Rabbiner an seine Seite. 67) Jakob Weil a. a. O. 68) Leket Joscher I, 66. 69) Leket Joscher I, 50. 70) Aus der Zeit der koordinierten Amtierung stammt die Erwähnung Anschels im Resp. Israel Brünn Nr. 216 ed. Stettin Bl. 86 v Zeile 1. Siehe auch die Erwähnung Anschels und Israels bei Neubauer, Cod. Oxford Nr. 2010, 3. 71) So schreibe ich statt Menz oder Minz. Vgl. Brünn statt Bruna. 72) Annalen d. histor. Vereins f. d. Niederrhein, Heft 59 (1894), S. 98 Nr. 1124. 166