Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Der Wormser Reichsrabbiner Anselm
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
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Moritz Stern. Der Wormser Reichsrabbiner Anselm ainig worden, so vorgeschriben ist35). Und welher Jud zu Regenspurg darüber ir ainen oder mer36) also haimt und hielt, der sol uns zu pen verfallen sein alle monet zehen gülden, als oft er das tut und uberfert, und dem obgenanten Gräfenrewter unserm Judenrichter ain gülden on alle gnad und widerred37). Diser38) unser gewalt sol wem bis wir anders darumb schaffen39) . . . Auch hier wissen wir nicht, ob und wieweit Anshelm von seiner ihm vom Herzog Ludwig übertragenen Befugnis Gebrauch gemacht hat und seiner Amtspflicht nachgekommen ist. Daß er mit dem Wormser Rabbi Anshelm von Köln identisch ist, zeigt das folgende Jahr. Da lernen wir ihn als Magister Ansal de Colen an der Spitze des Regensburger Judenrats kennen. Im Notariatsinstrument40) vom 22. Mai 1430 werden genannt: „magister Ansal de Colen, Jossel, Salman Gemüt41), Salman, Sussel, Pinckhans42), Kalmen Kohen43), Symon de Bruck, Sanderman44) de Haell45), Eysack Reiner46), Moesse Heler47), maiores et pociores ac magistratus, alias Rabo- 35) N fügt hinzu: Und wenn dieselben herchomend Juden oder Jüdin 14 tag hie gewesen sind in ainen ydem jar und nit uberchomen noch aynig sein worden in vergeschriben masse, der oder dieselben Juden oder Jüdin sullen in demselben jar nit mer herein komen. 3G) oder mer: fehlt in N. 37) N statt alle monet — widerred: alle tag ainen ortt ains ung[erisch] g[ulden], als offt sy das tun und uberfam, und dem obgenanten Grafenrewtter unserm Judenrichter und Nasse Juden ir yglichen aini halben grossen on all gnad und Widerrede. Es war dann, das ain Jud oder Jüdin solich merklich geschafft hietten, das sy lennger beieiben müsten, so mochten sy dieselb ir notturft wol an den rat zu Regenspurg bringen. Verstund dann der rat, das es ein ungeverliche notturft war, die mugen in dieselben zeit wol verlengern nach gelegenhait der notturft. 38) N: Und diser. 39) Das Folgende wörtlich wie in der ersten Urkunde für Anshelm. Bei Erwähnung der Namen heißt es hier natürlich: „und die obgenanten mit namen Cunrat Gräfenrewter und maister Anshelm [N: und Nasse Jud]“. Dementsprechend treten die Plurale ein: „sollen [N: sullend], sie, geben, nemen, sind etc.“ 40) Hauptstaatsarchiv München: Juden in Regensburg fase. 29 or. membr. mit 2 Presseischnitten, Streifen und Siegel fehlen. 41) So. Der Notar hat wohl den Namen in der an den Papst gerichteten Supplik des Regensburger Bischofs Konrad falsch gelesen. Die Handschrift hat an allen sechs Stellen, wo die Namen in der Urkunde Vorkommen, zwischen ge und t fünf Grundstriche. Ehe Lesung genant ist schon deshalb nicht möglich, weil die Urkunde lateinisch ist. Wegen der Zusammengehörigkeit oder Trennung der Namen sei bemerkt, daß die Handschrift der Kommata entbehrt. 42) Offenbar Pinchas. 43) Resp. Israel Brünn Nr. 98: ]&Pp "i*nn, beim Tode seines Sohnes richtete Kalman eine Anfrage an Israel. Auch 1436 war er Mitglied des Judenrats (siehe weiter). Er ist der Calman Jud von Kiczing ( p'3 *’2C*’p Jöbp *vrrn ) der 1448 und 1450 als Zeuge bei Vereidigungen von den Rabbinern Israel Brünn bzw. Bendit Cohn hinzugezogen wurde: Jahrb. d. Jüd.-lit. Gesellschaft XXII, S. 28—29, und Urkk. im Hauptstaatsarchiv München: Juden in Regsbg. fase. 31. Isserlein, an den sich Kalman wandte, nennt ihn im Leket Joscher I, 41 und 11,69: prsrp \nbp '“i Sin. Auch von Joseph Kolon Resp. Nr. 113 wird er durch ■vrnfe charakterisiert. Er ist wohl auch der Kalman F"3, dessen Geldspende im Leket Joscher II, 25—26 erwähnt wird. 44) Ist Jacob Sanderman (Jahrb. XVIII, 378 Nr. 63) sein Sohn? 45) Hall. 46) Hdschr.: Runer. Auch hier hat der Notar falsch gelesen. Daß in der Supplik Reiner stand, zeigt die Liste des Judenrats 1435 und 1436. 47) Vater des 1476—80 im Gefängnis sitzenden Mair Heller (Meir b. Moses ha-Levi). Auch Mair war Gemeindevorsteher (Isserlein, Resp. Nr. 214), 1452 wurde er vom Rabbiner Abraham b. Ascher aus Katzenellenbogen (Abraham Katz, Abraham Kätzel: Israel Brünn Resp. Nr. 30, Leket Joscher II, 25—27; Isserlein, Resp. Nr. 184—185) als Zeuge bei Vereidigungen verwandt. 164