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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 162

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Der Wormser Reichsrabbiner Anselm
Date
1935-01-01
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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Moritz Stern. Der Wormser Reichsrabbiner Anselm lieh abzuliefern, der zehnte Teil verbleibt ihm. Für die Dauer seines Amtes wird Anshelm als herzoglicher „Amtmann“ bezeichnet. Wir Ludwig, von Gottes gnaden pfalczgraff bey Rein, herezog in Beyern und graf zu Mortain etc. Als wir den Juden, die ieczo zu Regenspurg siczent und burger da sind, auch ir stewer gebent järlich an den 200 Pfund Regensburger pfenning, die sy uns schuldig sind zu bezaln, zwen Judenrichter geben haben mit namen Lewpolden Gumprecht und Cunraten Gräfenrewter, beid burger zu Regenspurg, und darumb das manigerlay fremd Juden an uns koment und hinfur manigerlay Juden an uns komen möchten, mit das wir sy in die stat Regenspurg siezen lassen, das pillich ist, das wir die fursehen, auch all ander Juden in unserm land gesessen, das sy in gutem frid und gericht beleihen, auch in zichtigem18) wesen, als in dann zugehört, und darumb haben wir maister Anshelm19) zu unserm richter geseezt über sölich Juden, die herein gen Regenspurg furbas koment und burger werden wellen20), auch über ander Juden, wo die in unserm lannd siezen, ob sölich Juden dhainerlay krieg oder zwayung under ainand'er hetten oder gewinnen, darumb unser Judenrichter- Cristen nit zu richten hetten, das der obgenant maister Anshelm dieselben Juden darumb straffen mit recht nach ir Jüdischen gewonhait21). Ob aber das wär, das sich der Juden dhainer dawider seczen wolt, so mag sy der vorgenant maister Anshelm wol in den pan tun, als ir gewonhait ist nach ir Jüdischen geseezt, und ob der Juden ainer oder mer umb des obgenanten maister Anshelms straff nit geben wolten, so mag er das wol für uns pringen22), und was von sölicher straff und pan23) gevallet, das sol er uns all quatember raichen und ausrichten, davon sol im gevallen der zehent pfening und nicht mer. Diser unser gewalt sol wem, bis wir anders darumb schaffen. Ob wir auch disen unsem gewalt widerruften, so sol der gagenwurtig brief ab und tod sein und dhain kraft mer haben, und der obgenant maister Anshelm sol uns oder unsem erben den brief wider ubergeben on vercziehen, und das er weder abgeschrift noch vidimus niemandt gebe noch selb nem, ausgenomen die zeit und er dann unser amptman ist, mag er im selber des briefs abgeschrift oder vidimus nuczen, furpringen und weisen, wo er sein bedarf, on geverd. Wär aber das er im verprunn, verstoln oder über seinen willen empfremdt wurde, von wem er dann gezaigt, furpracht, gelesen oder gehört würde, so sol er doch chain kraft nicht haben noch uns dhainen schaden pringen, sunder den, von den er dann gezaigt oder gehanndelt würde, es wär der gegenwurtig brief, vidimus oder abgeschrift, valsch und imgerecht in irer gewalt sein, in dhainen nucz noch fromen pringen noch bedewten, und sol auch der obgenant maister Anshelm erweisen und bestätten mit seinem aid, das er in der obgeschriben maß ainer auß seiner gewalt komen sey. Des zu urchund geben wir im den brief mit unser hannd gezaichnet und unserm aufgedruckten secret besigelt. Das ist beschehen zu Regenspurg an montag in vigilia Petri et Pauli appostulorum24) nach Cristi gepurd XIV jar und darnach in dem newnundzwainczigisten jare. 18) N: züchtigen. 19) N statt maister Anshelm hier: „Nasse Juden von Ingolstadt“, weiterhin nur „Nasse Jud“. 20) N statt und — wellen: sy wellen burger werden oder nit, in welhem wesen die sein. 21) N statt mit recht — gewöhnhait: mit recht nach Jüdischen geseezt zu unserm nucz. 22) Der ganze Passus „Ob aber das wär — pringen“ fehlt in N. Die Uebertragung der Banngerechtigkeit kam bei Nasse nicht in Betracht, da er nicht Rabbiner war. Vgl. auch die nächste Anmerkung. Nasse wird nicht Meister genannt. Als Regensburger Hochmeister Nassau tritt er uns erst nach dem Weggange Anshelm 1435 in dem Gerichtsurteil über die Klage des Juden Eberl gegen die sechs Steuermeister der Judenschaft entgegen. 23) In N fehlt: und pan. 24) Im Datum steckt ein Fehler. Peter und Paul war 1429 am Mittwoch, die Vigilie am Dienstag. Stimmt Montag, so müßte es vigilia vigilie heißen. Dienstag war der 28. Juni. 162

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