Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Der Wormser Reichsrabbiner Anselm
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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Moritz Stern. Der Wormser Reichsrabbiner Anselm Von der Einsetzung dreier Reichsjudenmeister ist 1426 die Rede, doch war Konrad von Weinsberg damals hierbei nicht beteiligt. König Sigismund befahl5) am 10. November 1426 dem Konstanzer Juden Haym von Landshut, drei Meister über die Juden im Reich einzusetzen: Nassen in Eger, Jakob in Mainz und Johann in Cambrai. Wir Sigmund etc. bekennen etc. Wann wir eigentlich underweist sein, das vil Unordnung und unredlikeit under der Judischeit in dem heiligen riche gesessen und wonhaftigen, ersteen und sein, damit sy uns und dem rieh in manche büß, feile und pene verfallen und kommen sein und grosse Straffung und bessrung verdienet haben, und sundermal wir mit andern grossen der heiligen Cristenheit und unserr kunigrich Sachen beladen sein, das wir solicher Sachen nicht uß gewarten mögen, und dorumb das unß und des richs camer dadurch nicht geswechet werd, so haben wir mit wolbedachtem mute, gutem rat und rechter wissen Haym Juden von Lantzhut, zu Costencz wonhaftig, bevolhen und ganczen gewalt gegeben, das er an unserr stat in dem heiligen rieh und in deutschen landen drey meister über die Judischeit seczen solle und möge, nemlich meister Nassen zu Eger, meister Jacob zu Mencz umd meister Johann zu Camerach geseßen und wonhaftig, die alle Judischeit in dem heiligen riche zu unserr gehorsamkeit halden und wisen und sy in Ordnung und redlikeit bringen sollen nach solicher Ordnung, als das in den heiligen keiserlichen rechten ußgeseezt und begriffen ist. Und wir gebieten ouch dorumb allen und iglichen Juden und Jüdinnen, in dem heiligen riche gesessen und wonhaftigen, ernstlich und vesticlich mit disem brief bey unserm und des richs banne und achte, das sy den vorgenanten meistern dreyen in allen Sachen, die Judischeit und unser und des richs recht antreffen, gehorsam, gefolgig und gewertig sein und sich dawider nicht seczen, als lieb in sey, unser und des richs swere ungnad zu vermeyden. Mit urkund etc. geben zu der Lippa am sontag vor sant Martins tag. Nasse ist der Egerer Rabbiner Nathan6), Johann ist Jochanan Treves7), Jakob ist der als Meharil8) bekannte Jakob ha-Levi. Als Wohnort des letzteren ist Mainz angegeben, obgleich er sich am 2. September 1426, also erst recht am 10. November, bereits in Worms befand. Meharil war als Mainzer Rabbiner bekannt, von der kurz vorher erfolgten Uebersiedlung nach Worms brauchte der Konstanzer Haym, der wohl die Namen dem König nannte, noch nichts zu wissen. Gleichzeitig mit Haym erhielt der Kgl. Rat Konrad vom Stein Vollmacht9), die Juden des Reichs hinsichtlich ihres Vermögens in Eid zu nehmen und von ihnen den nicht richtig bezahlten dritten Pfennig einzuziehen. In der Aufforderung an die Juden heißt es: „das uns furkommen ist, wie uns etliche under euch den dritten pfenning, den wir euch vor jaren angeslagen hetten, denselben dritten pfenning von allem irem gute unredlich und nicht rechtverticlich gericht und beczalet haben und ir ouch dorumb nit gesworn, sunder euch abgericht habt mit teidingen, dorumb uns unglich und ungutlich gescheen ist.“ Die Vollmacht für Konrad vom Stein lehrt uns, was im Auftrag für Haym unter der „Unordnung und Unredlichkeit“ der Juden zu verstehen 5) Nationalarchiv Wien: Reichsregistraturbuch H, Bl. 134 r. mit Randnotiz: potestas Haym Judeo. Altmann, Reg. Nr. 6799. 6) Jakob Freimann, Einleitung zu Leket Joscher Nr. 109. 7) Graetz, Gesch. VIII3, S. 70; Brüll, Jahrbücher I, S. 95 ff. Wie die obige Ortsangabe zeigt, hatte Jochanan nach seinem italienischen Aufenthalte seinen Sitz in Cambrai a. d. Schelde, das damals noch nicht zu Frankreich gehörte. 8) Nicht Maharil, vgl. Meharam. 9) Reichsregistraturbuch H, Bl. 134 r. mit Randnotiz: Commissio Conrado de Stein ex parte Judeorum. Altmann, Reg. Nr. 6800. 158