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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 155

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Aus den Anfängen der Synagoge in Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 155 (sequence 4)
Language
German
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Ismar Elbogen. Aus den Anfängen der Synagoge in Worms tümlichkeit erlangte sein Gedicht Akdamut Millin10), eine Einleitung zur Targuravorlesung des Offenbarungsfestes, das an eine begeisterte Verherrlichung des Gesetzgebers und seiner Offenbarung eine lebendige Schilderung des Glückes der Frommen im Jenseits in leuchtenden Farben ausmalt. Man hat in der den Gegnern in den Mund gelegten Frage, ob die Juden nicht vorziehen, sich zur herrschenden Religion zu bekennen und dadurch Stolz und Ehre zu erlangen, eine Anspielung auf zeitgenössische religiöse Auseinandersetzungen wiederfinden wollen, aber die Frage ist zu allgemein gehalten und geht über das, was der Midrasch in diesem Zusammenhang bringt, nicht hinaus. Neben Meir wirkte Isaak Halevi, der Rabbiner von Worms. Er ist als einer der Lehrer Raschis sehr bekannt und wurde von diesem als vornehme, selbstlose Persönlichkeit aufrichtig verehrt. Seine Taimuderklärungen, seine halachischen Entscheidungen werden häufig angeführt und als Aeußerungen einer hohen Autorität ernst besprochen. Seine Bedeutung liegt in erster Reihe auf dem Gebiete der Halacha, hier sei nur von seinem Einfluß auf die Synagoge und auf das Gebetbuch gesprochen. Es gab damals noch so manche Einzelheit, die umstritten war, und gerade Isaaks Stellungnahme wurde in zweifelhaften Fragen vielfach maßgebend oder fand wenigstens vorübergehend sehr viel Beachtung. Sie erfolgte häufig im Gegensatz zu Isaak b. Jehuda aus Mainz, einem andern Lehrer Raschis* 11). Daß Mainz der Vorort ist, von dem die Ueberlieferung ausgeht, merkt man auch hier. In Mainz betete man am Neujahrsfeste nach dem Vorbild von Palästina und Italien das Gebet Wehassienu, in Worms wollte Isaak Halevi das nicht dulden, weil er auf das Neujahrsfest nicht die Bezeichnung Moed angewandt wissen wollte, die ihm nur für die Wallfahrtsfeste angemessen schien12). Eine andere Meinungsverschiedenheit betraf das Rezitieren der Opferverse im Mussafgebet des Neujahrstages. Wir müssen uns wieder vergegenwärtigen, daß es in jenen Zeiten keine Gebetbücher gab und daß der einzelne in der Gemeinde nur solche Gebete sprechen konnte, die er auswendig wußte. Dazu gehörten nicht die Bibelstellen, welche die Opfervorschriften für die Feste enthielten; die Gemeinde hat sie daher nicht gesprochen; nur die Verse für Sabbate und Neumonde setzte man als bekannt voraus. Isaak Halevi nun wollte für das Neujahrsfest eine doppelte Neuerung einführen — nicht nur die Opferverse für diesen Tag vorschreiben, sondern daneben die für den Neumondstag, da ja der erste Tischri notgedrungen auch ein Neumondstag sein mußte. Dem widersprachen andere Gelehrte, weil Tischri nur einen Neumondstag habe, wir aber das Neujahrsfest an zwei Tagen feiern und die zweimalige Rezitation der Neumonds Vorschriften zu Mißverständnissen führen könnte. Der Streit zog sich lange hin, in der Synagoge zu Worms konnte man ihn nicht entscheiden, die Frage wurde schließlich Raschi vorgelegt, der bei dieser Gelegenheit mancherlei von seinem Aufenthalt in Worms und der dortigen Synagoge erzählt. In der Sache ist er über die Einrichtung Isaaks persönlich verwundert, will sich ihr aber wegen der überragenden Bedeutung seines Lehrers unterwerfen13). Eine weitere Frage im Gebet des Neujahrsfestes betraf die Zulässigkeit paitanischer Einschaltungen und die Anweisung ihrer richtigen Stelle; diesmal befand 10) Seltsamerweise wird die Poesie gerade in Worms nicht verwendet, Zunz, Ritus, S. 69. 11) Elbogen a. a. O., S. 145. 12) das. 146; vgl. Siddur Raschis, S. 81, Pardes ed. Ehrenreich, S. 216 f. 13) Das Responsum ist sehr häufig zitiert, so Machsor Vitry, S. 357 ff., Pardes, S. 217, Siddur, S. 79 und den dort angegebenen Parallelen. Raschis Responsum ist deutsch wiedergegeben von Berliner im Kaufmann-Gedenkbuch, S. 265. Das. mehr über Isaak Halevi. 155

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